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MedizintechnikDeutscher CEO für Olympus: Stefan Kaufmann übernimmt beim japanischen Traditionskonzern

Der Manager folgt 2023 auf den bisherigen Chef Yasuo Takeuchi. Kaufmann hat die Transformation von Olympus seit Langem mitgeprägt, nun soll er sie fortschreiben – außergewöhnlich für Japan.Martin Kölling 21.10.2022 - 17:53 Uhr Artikel anhören

Der deutsche Manager wird CEO des japanischen Konzerns Olympus.

Foto: AP

Tokio. Der japanische Konzern Olympus will mit einem deutschen Chef eine neue Wachstumsphase einleiten. Mit Beginn des neuen Bilanzjahres im April 2023 wird Stefan Kaufmann, bisher Chief Administrative Officer (CAO), an die Unternehmensspitze rücken. Das kündigte das Medizintechnikunternehmen am Freitag in Tokio an.

Als CAO ist für Kaufmann die Verwaltung und Planung von Ressourcen bereits Alltagsgeschäft. Das beinhaltet seit einiger Zeit auch den Konzernumbau hin zum reinen Fokus auf Medizintechnik. „Unsere Transformation war extrem erfolgreich“, erklärte Kaufmann in einer Presserunde, „nun ist es Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen.“

Der Deutsche stößt damit in den kleinen Kreis der ausländischen Manager vor, die japanische Traditionsunternehmen führen. Prominente Beispiele sind der Pharmariese Takeda und der Chemiekonzern Mitsubishi Chemical. Bei Olympus ist Kaufmann schon der zweite CEO, der nicht aus Japan stammt. Der erste, der Brite Michael Woodford, hatte eine Transformation anderer Natur ausgelöst.

2011 beförderte der Vorstand den damaligen COO zum CEO. Nach im Verwaltungsrat geäußerter Kritik an den Firmenpraktiken wurde Woodford schnell wieder gefeuert. Der Brite wurde im Anschluss zum Whistleblower, und aus dem internen wurde ein externer Skandal.

Letztlich musste Olympus einräumen, per Bilanzfälschung Verluste in Höhe von 1,2 Milliarden Euro vertuscht zu haben. Es kam zu Prozessen und Verurteilungen, Woodford wurde eine hohe Entschädigung zugesprochen.

Der Konzern stürzte in eine schwere Krise, die eine in Japan in dieser Form außergewöhnlich drastische Reform des Unternehmens auslöste. Kaufmann soll diesen Reformprozess nun konsolidieren und fortführen.

Milliarden-Verkäufe für Freiräume und neue Anwendungsfelder

„Das jetzige Unternehmen hat nichts mehr mit dem Unternehmen von vor zehn, 15 Jahren zu tun“, erklärte der designierte CEO. Der noch amtierende Chef Yasuo Takeuchi verordnete dem 103 Jahre alten Unternehmen nach Jahren der Krisenbewältigung die Konzentration auf Geräte zur Endoskopie. Das ist inzwischen Kerngeschäft, Olympus ist mit einem Weltmarktanteil von 70 Prozent Branchenführer in diesem Segment.

Mit seinem Amtsantritt im Jahr 2019 kündigte Takeuchi in einem dreijährigen Managementplan an, selbst Imageträger abzustoßen. Der erste Fall war 2020 der Verkauf der legendären, 1936 gegründeten Kamerasparte an den privaten Fonds Japan Industrial Partners.

Im August dieses Jahres gab Takeuchi dann die Gründungssparte, die medizinischen Geräte, für rund drei Milliarden Euro an den Investmentfonds Bain Capital ab. Das erste Produkt von Olympus war ein Mikroskop.

Neben der Stärkung des Kerngeschäfts sollen die Verkäufe auch finanzielle Freiräume für neue Anwendungsfelder schaffen. Dazu gehören Bereiche wie Urologie und die Behandlung der Atemwege. Darüber hinaus will Olympus auch bei endoskopischen Geräten für minimalinvasive Operationen Marktführer werden.

Takeuchi, der sich mit 65 Jahren im kommenden Jahr in den Verwaltungsrat verabschiedet, hinterlässt selbstbewusste Ansprüche: „Wir erwarten, dass wir unsere Ziele für 2022 erreichen werden.“ Dazu zählt etwa eine Gewinnmarge von mehr als 20 Prozent. Als Takeuchi antrat, lag sie bei nur 3,6 Prozent.

Kaufmann war von Beginn an einer der wichtigsten Agenten des Wandels. Im November 2011 beförderte Takeuchi, seinerzeit noch Chef von Olympus Europa, seinen damaligen Personalchef zum Geschäftsführer. Europa ist nach den USA der zweitwichtigste Markt für die Endoskopiesparte.

20
Prozent Marge
will Olympus im Jahr 2022 erreichen.

Was Kaufmann tat, gefiel Takeuchi. 2019 holte der CEO seinen Vertrauten dann nach Japan und betraute ihn mit der Leitung des organisatorischen und kulturellen Wandels der globalen Organisation. Dazu gehörte auch eine modernere, internationalere Führungsstruktur. „Wir haben einen sehr starken Verwaltungsrat“, behauptet der kommende Chef.

Drei der sechs Executive Officers und vier der zwölf Direktoren des Verwaltungsrats stammen aus dem Ausland, Kaufmann inklusive. Zwei der Direktoren sind Abgesandte des aktivistischen Fonds ValueAct, auch wenn der Hedgefonds nicht mehr zu den führenden Anteilseignern gehört. Kaufmann will zudem Robert Hale, einen Partner des Fonds, im Vorstand behalten: „Ich hoffe, Hale beteiligt sich weiter.“ Er habe viel zum Erfolg beigetragen.

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Zu der neuen Strategie schweigt der Deutsche noch. Das Management entwickelt gerade einen neuen Managementplan, den Kaufmann zu Beginn des neuen Bilanzjahres vorstellen darf. Was er durchblicken lässt, sind eher Allgemeinplätze: Der Konzern will aus dem eigenen Geschäft heraus und mit Firmenkäufen global wachsen. Außerdem will er die Strukturen im gesamten Konzern reformieren. Ein konkretes persönliches Ziel nennt Kaufmann dann allerdings doch: Es geht ihm auch darum, „meinen Sinn für Humor zu behalten“.

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