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MedizintechnikInvestor EQT will bei Prothesenhersteller Ottobock aussteigen

Der angedachte Börsengang des Medizintechnikunternehmens scheitert bislang am schlechten Marktumfeld. Die Private-Equity-Gesellschaft EQT will ihren Anteil nun per Direktverkauf zu Gewinn machen.Arno Schütze 22.12.2022 - 18:47 Uhr Artikel anhören

Ottobock gilt als Pionier und Innovator in dem Bereich.

Foto: dpa

Frankfurt. Die Private-Equity-Gesellschaft EQT bereitet Finanzkreisen zufolge den Verkauf ihres Anteils an Ottobock vor. Der Investor habe zusammen mit Mehrheitseigentümer Hans Georg Näder die Investmentbank JP Morgan mit der Suche nach einem Käufer für den 20-prozentigen EQT-Anteil beauftragt, die im ersten Quartal beginnen soll. Läuft alles glatt, könnte ein Deal bereits im Sommer oder Herbst unterschrieben werden.

Der Prothesenhersteller Ottobock könnte dabei mit fünf bis sechs Milliarden Euro bewerten werden, wie mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Näder unterstütze die Pläne von EQT, werde aber nicht verkaufen. Ottobock, EQT und JP Morgan lehnten Stellungnahmen ab.

Im Mai dieses Jahres hatte Ottobock erklärt, noch 2022 an die Börse gehen zu wollen. „Bei den Planungen für diesen Schritt sind wir auf Kurs“, sagte die damalige Finanzvorständin Kathrin Dahnke dem Handelsblatt. Das Unternehmen sei kapitalmarktfähig. Wenig später kassierte Näder den Plan jedoch und tauschte Dahnke und Vorstandschef Philipp Schulte-Noelle aus. Letzterer galt Finanzkreisen zufolge zwar als fähiger Kommunikator gerade für den Austausch mit potenziellen IPO-Investoren, der jetzige CEO Oliver Jakobi habe hingegen Stärken bei Themen wie Preise erhöhen und Kosten senken.

Schlechtes Börsenfeld macht IPO unwahrscheinlich

Aufgrund der volatilen Märkte fanden 2022 mit Ausnahme der Volkswagen-Tochter Porsche keine Börsengänge statt. Porsche gilt dabei als Sonderfall, da die hinter VW stehenden Familien nicht auf Wertmaximierung bei Porsche aus waren. Der Deal konnte daher auch in wackeligen Märkten gelingen. Investmentbanker erwarten kurzfristig keine Erholung des Kapitalmarktumfelds, die Route Börsengang ist wohl für viele Kandidaten noch auf absehbare Zeit geschlossen.

Das familiengeführte Unternehmen Ottobock hatte die vor knapp sechs Jahren eingestiegene EQT in den Aktionärskreis geholt, um das Unternehmen fit für die Börse zu machen. Zu den von EQT angestoßenen Maßnahmen gehörte etwa die Professionalisierung der Unternehmensführung.

Im Verwaltungsrat sitzen heute neben Näder und EQT-Partner Marcus Brennecke erfahrene Industriemanager wie Stefan Heidenreich (Beiersdorf), Joachim Kreuzburg (Sartorius) und Michael Kaschke (Zeiss). Darüber hinaus half EQT Ottobock, Strukturen zu verschlanken und etwa 30 kleinere Unternehmen zuzukaufen, etwa Vigo oder Mollii Suit.

Da die Aussichten für eine schnelle Wiederbelebung der Börsenpläne derzeit schlecht sind, strebt EQT Finanzkreisen zufolge nun den Anteilsverkauf an. Andere Finanzinvestoren, Staatsfonds und Family-Offices hätten in den vergangenen Wochen ihr Interesse bei der Gesellschaft hinterlegt. Der Börsengang bleibe aber eine Option, hieß es.

Ottobock stellt Prothesen, Orthesen, Rollstühle und Exoskelette her. Das Unternehmen profitiert zum einen von langfristigen Trends wie der alternden Gesellschaft, zum anderen von kurzfristigen Effekten wie dem Ukrainekrieg.

Beim Einstieg von EQT 2016 erwirtschaftete Ottobock bei 880 Millionen Euro Umsatz ein Betriebsergebnis (Ebitda) von 140 Millionen. Für 2022 rechnet das Unternehmen mit Erlösen von gut 1,3 Milliarden Euro und einem Ebitda von 260 Millionen.

Ottobock hat mehrere Zukunftsfelder identifiziert

In der Vergangenheit hatte Näder erklärt, ein Börsengang könne es Ottobock erleichtern, neue Geschäftsfelder aufzubauen. Dabei ging es etwa um Systemlösungen, mit denen sich Arbeiten etwa auf dem Bau, am Fließband oder in der Logistik erleichtern lassen.

Ein Wachstumsfeld sind auch sogenannte Neuroorthesen, mit denen sich ältere Menschen, aber auch Schlaganfallpatienten besser bewegen können. „Diese Ära wird kommen“, hatte Näder gesagt. Die neuen Technologien seien sehr teuer. Doch allein der Bedarf bei der Schlaganfallnachsorge ist immens: 600.000 Menschen erleiden allein in Deutschland jährlich dieses Schicksal.

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Groß geworden ist Ottobock mit der Fertigung von Prothesen, mit denen Kriegsversehrte wieder laufen konnten. Inzwischen entwickelt und produziert die Firma auch Produkte, mit denen etwa Bauarbeiter oder Logistiker höhere Lasten stemmen können.

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