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KommentarDie Rentenpolitik belastet die jüngeren Generationen

Viele ältere Beschäftigte verabschieden sich vorzeitig aus dem Generationenvertrag – und erhöhen den Druck auf die jüngeren Jahrgänge.Frank Specht 01.01.2023 - 17:43 Uhr Artikel anhören

Doch der vorzeitige Ausstieg ist deutlich attraktiver als das Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus.

Foto: imago stock&people

Berlin. Die Rente mit 69 ist ein wiederkehrendes Gespenst. Kurz vor dem Jahreswechsel sorgte es wieder einmal für Aufregung. Dabei dauert es noch neun Jahre, bis erst mal das Rentenalter 67 erreicht ist. Debatten über eine weitere Anhebung bringen da augenblicklich wenig mehr als einen kurzzeitigen Adrenalinausstoß.

Lohnender wäre, sich das tatsächliche Renteneintrittsalter anzuschauen. Es verharrt seit Jahren bei rund 64 Jahren und ist zuletzt sogar wieder etwas gesunken, obwohl das gesetzliche Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben wird. Diese Entwicklung sehen mittlerweile auch Bundeskanzler Scholz und Sozialminister Heil mit Sorge, weil Deutschland sie sich angesichts des grassierenden Fachkräftemangels nicht leisten kann.

Zwar hängt der Ruhestand in Deutschland längst nicht mehr an starren Altersgrenzen, weil vorherige Bundesregierungen das Rentenrecht flexibilisiert haben. Doch diese Flexibilität wird – auch wegen der abschlagsfreien Rente ab 63 – nach wie vor sehr einseitig ausgelegt: Der frühere Abschied aus dem Berufsleben ist für das Gros der Beschäftigten deutlich attraktiver als das Arbeiten über die Regelaltersgrenze hinaus – selbst wenn sich dadurch die eigene Rente aufbessern lässt.

Mit dem kompletten Wegfall der Zuverdienstgrenzen in diesem Jahr dürfte der Anreiz, eine Altersrente vorzeitig in Anspruch zu nehmen, noch einmal steigen. Denn selbst wenn die Frührente mit Abschlägen verbunden sein sollte, lassen sich diese durch die Hinzuverdienstmöglichkeiten ausgleichen.  

Die Ampel will Ältere so auch motivieren, neben dem Rentenbezug weiterzuarbeiten. Doch sollten sich die Frührentner für einen nicht sozialversicherungspflichtigen Minijob entscheiden, dann geht diese Strategie der Fachkräftesicherung zulasten der Sozialkassen. Und die Frühverrentung erhöht den Druck auf die Beitragszahler, die die vorzeitig gezahlten Altersbezüge finanzieren müssen.

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In diesem Jahr will die Ampelkoalition eines ihrer wichtigsten rentenpolitischen Ziele aus dem Koalitionsvertrag umsetzen – die Stabilisierung des Rentenniveaus bei 48 Prozent. Will sie dafür nicht die Rentenbeiträge deutlich anheben oder zusätzliche Steuermilliarden in die Hand nehmen, darf die Zahl der Beitragszahler nicht weiter sinken. Jeder Frührentner mehr läuft diesem Ziel zuwider.

Je früher sich die älteren Jahrgänge aus dem Generationenvertrag verabschieden, desto mehr wächst der Druck auf die jüngeren. Für sie könnte die Rente mit 69 dann irgendwann kein Gespenst mehr sein – sondern bittere Realität.

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