Verkehr: Deutsche Bahn wirbt per TV-Spots um 25.000 Mitarbeiter
Allein 2000 zusätzliche Kräfte hat die Bahn für ihren Regionalverkehr vorgesehen.
Foto: HandelsblattDüsseldorf. Zeitgleich auf zahlreichen TV-Sendern soll es am Montagabend pünktlich um 20.13 Uhr losgehen: In 30-sekündigen Werbespots verkünden dann Mitarbeiter der Deutschen Bahn, was ihnen an ihrem Arbeitgeber gefällt. „Ich liebe es, bei Großprojekten mitzuarbeiten“, bekundet etwa eine Baumanagerin, einem anderen gefällt, „dass Erfolge sichtbar sind“.
Flankiert wird die Kampagne, die von der Hamburger Agentur Grabarz & Partner entworfen wurde, von großflächigen Plakaten in 72 Städten. Auch Social Media sei eingeschaltet, sagt Kerstin Wagner, Leiterin der DB-Personalgewinnung. Die Kosten nennt sie auf Anfrage freilich nicht.
Zu der breit angelegten Kampagne entschließt sich die Bahn nicht grundlos. 25.000 neue Mitarbeiter wolle der Konzern in diesem Jahr einstellen, kündigt Personalvorstand Martin Seiler an.
Nach Abzug der üblichen Abgänge wolle man die Belegschaft damit um 9000 Kräfte aufstocken. Die Hälfte von ihnen sollen eine Reserve bilden, um die Widerstandfähigkeit des Betriebs zu verbessern.
„An regionalen Schwerpunkten wie in Köln erlebten wir im vergangenen Jahr Krankenstände bis zu 35 Prozent“, berichtet Seiler. Auch der durchschnittliche Krankenstand, der in den Vorjahren zwischen fünf und sechs Prozent lag, sei 2022 auf sieben Prozent nach oben geklettert. Entsprechend hoch sei der Bedarf an Ersatzpersonal.
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Allein 2000 zusätzliche Kräfte hat die Bahn für ihren Regionalverkehr vorgesehen. Es könnten laut Seiler noch mehr werden, falls das 49-Euro-Ticket ab April oder Mai zu einem zusätzlichen Kundenandrang führt. Im vergangenen Herbst hatte die Bahn zur Bewältigung des 9-Euro-Tickets befristet 1500 Zusatzkräfte eingestellt.
Vergleichsweise geringe Fluktuation
„Der Arbeitsmarkt ist eng wie nie“, klagt DB-Vorstand Seiler. Schon im nächsten Jahr rechne man damit, dass doppelt so viele Beschäftigte in Rente gehen wie Schul- und Studienabsolventen auf den Markt gelangen. Entsprechend locke die Bahn mit mobilem Arbeiten aus dem Ausland, Comeback-Programmen für ehemalige Beschäftigte, Fahrvergünstigungen für Lebenspartner und einer gezielten Ansprache von Studienabbrechern.
Der Vorstand für Personal bei der Deutschen Bahn sagt: „Der Arbeitsmarkt ist eng wie nie.“
Foto: URBAN_ZINTELZumindest die Fluktuation hielt der Staatskonzern damit in Grenzen. Im November 2022 habe man eine bisherige Quote von 7,3 Prozent ermittelt, berichtet Seiler. Zum Vergleich: Das verarbeitende Gewerbe kam 2021 auf einen Abgängeranteil von 17,1 Prozent, im Handel wechselten sogar 28 Prozent der Beschäftigten den Arbeitgeber.
Um den hohen Bedarf an Neueinstellungen zu decken, zieht es die DB längst auch ins Ausland. In zehn Ländern jenseits der Grenze werbe man bereits Mitarbeiter an, berichtet Wagner. Schwerpunkte seien neben der Türkei, Tunesien und Ägypten vor allem die Länder des Balkans und Spanien. „Wir haben unsere neue Werbekampagne in 34 Sprachen übersetzt“, sagt die DB-Recruiterin.
Wie die Kampagne in der Belegschaft ankommt, bleibt zunächst abzuwarten. Bei der Eisenbahnergewerkschaft EVG wollte man den Vorstoß zunächst nicht kommentieren. Die Konkurrenzgewerkschaft GDL ließ eine Anfrage unbeantwortet.