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US-BankenJP Morgan profitiert von Zinsen, Goldman Sachs verbrennt Milliarden

Die Bank of America und JP Morgan konnten trotz Konjunkturproblemen die Gewinne steigern. Goldman Sachs muss hohe Verluste bei neuen Geschäftsbereichen verkraften.Astrid Dörner 13.01.2023 - 16:09 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Goldman Sachs hat mit seinen Verlusten im Privatkundengeschäft eine Milliardensumme verbrannt.

Foto: Reuters

Frankfurt. Die US-Banken profitieren von den deutlich gestiegenen Leitzinsen der US-Notenbank Federal Reserve (Fed). Amerikas größtes Finanzinstitut, JP Morgan Chase, meldete ein Nettozinseinkommen von 20,2 Milliarden Dollar – ein neuer Rekord und ein Plus von 49 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Auch bei der Bank of America, der Citigroup und Wells Fargo, die am Freitag ebenfalls ihre Zahlen für das vierte Quartal vorlegten, waren die Zinseinnahmen deutlich gestiegen und halfen den Wall-Street-Häusern, Schwächen in anderen Bereichen auszugleichen.

Die Fed hatte den Leitzins im vergangenen Jahr im Rekordtempo auf die Spanne von 4,25 bis 4,5 Prozent angehoben. Dana Peterson, Chefökonomin des Analysehauses Conference Board, geht davon aus, dass in diesem Jahr noch mindestens zwei Zinsschritte in Höhe von jeweils 0,25 Prozentpunkten folgen könnten.

Die Banken profieren dabei davon, dass sie zwar auf Kredite höhere Zinsen verlangen, jedoch auf Einlagen weiterhin kaum Zinsen zahlen, wie Octavio Marenzi von der Kapitalmarktberatung Opimas zu bedenken gibt.

JP Morgan konnte den Gewinn im vierten Quartal um sechs Prozent steigern. Die größte US-Bank erzielte von Oktober bis Dezember einen Überschuss von elf Milliarden US-Dollar nach 10,4 Milliarden ein Jahr zuvor. Die Erträge stiegen um 18 Prozent auf 34,6 Milliarden Dollar.

Der US-Branchenführer erwirtschaftete somit ein Ergebnis von 3,57 Dollar je Aktie und übertraf die Erwartungen der Analysten, die laut Daten von Refinitiv im Mittel mit 3,07 Dollar gerechnet hatten. Für das Gesamtjahr 2022 meldete die Bank einen Jahresgewinn von 37,7 Milliarden Dollar.

Jamie Dimon, CEO von JP Morgan, verwies für dieses Jahr auf ein gemischtes Bild. „Die US-Wirtschaft bleibt stark“, betonte er. Doch die endgültigen Folgen der geopolitischen Herausforderungen, der steigenden Inflation und der Geldpolitik seien noch nicht absehbar. „Wir bleiben wachsam und sind auf alles vorbereitet.“

Das Institut hat 1,4 Milliarden Dollar für ausfallgefährdete Kredite zurückgelegt. Finanzchef Jeremy Barnum zufolge erwartet die Bank nun eine milde Rezession im vierten Quartal, bei der die Arbeitslosenquote auf bis zu 4,9 Prozent ansteigen könnte. Derzeit liegt sie noch überraschend niedrig bei 3,5 Prozent.

Im Juni hatte Dimon noch mit einer Prognose für Aufsehen gesorgt, dass ein ökonomischer Hurrikan auf die Weltwirtschaft zusteuere. Daran habe sich im Prinzip nichts geändert, sagte Dimon im Gespräch mit Journalisten. Dennoch würden Verbraucher derzeit weiter Geld ausgeben, und auch Unternehmen seien in guter Verfassung.

„Die Ausfallraten für Kredite sind ungewöhnlich niedrig“, betonte Marenzi. Das gelte für Privat- als auch für Unternehmenskredite und gebe den Banken Rückenwind.

Bank of America steigert Gewinn im Schlussquartal

Die Bank of America konnte zum Jahresende ihren Gewinn ebenfalls steigern. Unterm Strich verdiente das zweitgrößte US-Geldhaus im Schlussquartal 7,1 Milliarden Dollar (6,6 Milliarden Euro) – rund zwei Prozent mehr als vor einem Jahr. Die Erträge stiegen um elf Prozent auf 24,5 Milliarden Dollar.

Der Bank kam ähnlich wie anderen Instituten der rege Betrieb an den Finanzmärkten zugute. Dort ließen aufgrund von Inflations- und Rezessionsängsten viele Anleger ihre Portfolios umschichten, was das Handelsgeschäft mit Wertpapieren beflügelte.

Zum Wochenende agieren die Anleger an der Wall Street zurückhaltend. Markus Koch analysiert das aktuelle Börsengeschehen.

Gewinneinbruch bei der Citigroup

Der US-Finanzkonzern Citigroup hat im Schlussquartal trotz eines starken Handelsgeschäfts deutlich weniger verdient. In den drei Monaten bis Ende Dezember fiel der Nettogewinn im Jahresvergleich um 21 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar (2,3 Milliarden Euro), gab das Geldhaus am Freitag in New York bekannt. Gründe waren vor allem eine höhere Risikovorsorge für den Fall eines dauerhaften wirtschaftlichen Abschwungs und steigende Kreditausfälle.

Im Tagesgeschäft legten die Einnahmen hingegen deutlich zu. Citi erhöhte die Erträge insgesamt um sechs Prozent auf 18,0 Milliarden Dollar.

Alle großen Finanzinstitute leiden weiter unter der Flaute am Kapitalmarkt. Nach dem Ukrainekrieg und den steigenden Zinsen ist das Geschäft mit Börsengängen sowie mit Fusionen und Übernahmen branchenweit deutlich eingebrochen. Banker müssen sich auf deutliche Kürzungen ihrer Boni einstellen. Teilweise gab es auch Entlassungen. Goldman Sachs will sich gar von 3200 Bankern trennen.

Goldman und Morgan Stanley legen am kommenden Dienstag ihre Ergebnisse vor. Bereits am Freitag gab Goldman jedoch bekannt, dass ein großer Teil des Privatkundengeschäfts hohe Verluste erzielt hat. So soll sich das Minus seit 2020 auf gut drei Milliarden Dollar beziffern. Dabei geht es unter anderem um die Onlinebank Marcus und um das Kreditkartengeschäft.

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CEO David Solomon wollte mit der Initiative die Bank für eine breitere Masse an Kunden öffnen. Doch der Vorstoß war teurer als geplant. Solomon hat bereits angekündet, die Ambitionen in diesem Bereich wieder zurückzufahren.

Die Aktie von Goldman Sachs lag in den frühen Handelsstunden in New York 1,6 Prozent im Minus. Ähnlich lagen auch die Papiere von JP Morgan, Bank of America und Citigroup.
Mit Material von dpa und Reuters

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