Interview: Kreml-Expertin: „Putin fürchtet jeden direkten Kontakt – er vertraut nicht einmal dem eigenen Kabinett“
In ihrem Buch schrieb Belton darüber, wie Putin seit seiner KGB-Zeit in Dresden seinen Machtapparat aufgebaut hat. Heute schreibt die Engländerin für die „Washington Post“ über Russland.
Foto: TagesspiegelBerlin. Frau Belton, Wladimir Putins Netz ist der russische Geheimdienst FSB. Wie sehr steht der Sicherheitsapparat nach einem Jahr Krieg in der Ukraine noch hinter dem russischen Präsidenten?
Putin wird nur von einer kleinen Fraktion unterstützt. Die meisten sehen ja, wie furchtbar der Krieg in der Ukraine sich auch auf Russland auswirkt. Das diplomatische Netzwerk, das man über lange Jahre aufgebaut hat – die sogenannte Soft Power – ist mit einem Schlag zerstört worden. Russland ist ein Pariastaat. Die Wirtschaft leidet. Alle sind unglücklich. Ein staatlicher Beamter, mit dem ich viel zu tun habe, sagt mir, dass es viele Leute im Sicherheitsapparat und in diplomatischen Kreisen gibt, die sich große Sorgen machen, was da am Ende rauskommt.
Präsident Putin ist aber auch nicht völlig isoliert?
Er hat immer noch die Unterstützung von Nikolai Patruschew. Der Chef des Nationalen Sicherheitsrates ist der größte Falke in der russischen Politspitze. Bei der Sitzung des Sicherheitsrates vor dem Beginn des Krieges sagte er zu Putin, man könne nicht zusehen, wie die USA Russland in der Ukraine unterminierten. Man müsse das Gebiet verteidigen. Eine sehr paranoide, antiwestliche Haltung. Patruschew hat immer noch großen Einfluss auf Putin. Ich höre auch, dass sich Juri Kowaltschuk sehr für den Krieg engagiert habe.