Strompreis: Stromanbieter verstecken flexible Tarife vor Kunden
Intelligente Stromzähler sollen die Nutzung dynamischer Tarife ermöglichen.
Foto: Moment/Getty ImagesDüsseldorf. Deutschlands große Stromanbieter spielen derzeit Verstecken. Genauer gesagt: Tarife verstecken. Seit Jahresbeginn muss jeder Elektrizitätsversorger mit mehr als 100.000 Kunden einen sogenannten dynamischen Stromtarif anbieten. Darin sind die Kosten pro Kilowattstunde nicht immer gleich hoch, sondern sie orientieren sich am aktuellen Börsenpreis.
Das soll die Energiewende beschleunigen. Die Idee: Wenn gerade viel Solar- oder Windstrom im Netz ist, ist der Strom günstig. Genau dann sollen Verbraucher ihn nutzen, etwa zum Laden ihres Elektroautos oder für die Waschmaschine. An dunklen, windarmen Tagen ist Strom teuer – und wird dann weniger nachgefragt. So könnten die Kunden Geld sparen und gleichzeitig die Stromnetze entlasten.
Außerdem sollten die Tarife den Anreiz erhöhen, einen intelligenten Stromzähler – sogenannte Smart Meter – einzubauen. Doch aktuell scheitern die Pläne der Bundesregierung an der Realität. Zwar setzen die meisten großen Stromanbieter die gesetzlichen Vorgaben nach Handelsblatt-Recherchen um, allerdings nur formal.
Wer auf den Internetseiten von Energielieferanten wie etwa den Stadtwerken München, den Energiekonzernen Eon und EnBW oder den Ökostromanbietern Lichtblick und Naturstrom seine Postleitzahl eingibt, um nach verfügbaren Stromverträgen zu suchen, bekommt keinen dynamischen Tarif angezeigt. Zu finden sind sie oftmals nur für Kunden, die gezielt danach suchen.