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Morning BriefingBig Sister: Was wir von den Dax-Vorständinnen lernen können

Teresa Stiens 02.03.2023 - 06:00 Uhr Artikel anhören

Guten Morgen liebe Leserinnen und Leser,

es reicht auch im Jahr 2023 immer noch ein schneller Blick auf die Zahlen, um festzustellen, dass etwas nicht stimmt: Nur zwei der 40 Konzerne, die in Deutschlands oberster Börsenliga vertreten sind, werden von einer Frau geführt. Das entspricht gerade einmal fünf Prozent.

Das muss, rein analytisch gesehen, entweder daran liegen, dass Männer per se die besseren Chefs sind und sich besser mit Wirtschaft auskennen als Frauen – oder es liegt daran, dass sie aufgrund ihres Geschlechts bevorteilt werden. Dreimal dürfen Sie raten, welche Theorie ich persönlich für die plausiblere halte.

Doch langsam, ganz langsam, scheint sich in Sachen Geschlechtergerechtigkeit im Dax etwas zu tun. Von Anfang 2022 bis jetzt wurden erstmals so viele Frauen wie Männer neu in die Vorstände berufen. Mit Helen Giza bei Fresenius Medical Care folgte vor wenigen Monaten zum ersten Mal eine Frau auf eine Frau auf einem Dax-Chefsessel.

Das Handelsblatt hat in einer aufwendigen Analyse die Lebensläufe der Vorstandsfrauen ausgewertet, um herauszufinden, wer diese neue weibliche Führungsriege eigentlich ist – und was man von ihr lernen kann.

Das Interview mit der dienstältesten Vorständin im Dax, Claudia Nemat von der Deutschen Telekom, zeigt, dass Frauen häufig mit der Vorstellung aufwachsen, nicht die Richtung vorgeben, sondern lediglich den Tee servieren zu können. Nemat erzählt, dass sie als Kind Stewardess werden wollte. Ihr Opa habe ihr dann gesagt: „Wenn schon, dann geh doch bitte ins Cockpit!“

Foto: Handelsblatt

Die Titelgeschichte unserer Handelsblatt-Wochenendausgabe eignet sich als Lektüre für Frauen und Männer. Schließlich, das bestätigen nicht nur die Vorständinnen, sondern auch zahlreiche Studien, sind Unternehmen erfolgreicher, die nicht nur von Christians und Thomassen geleitet werden.

Wer auf Bahnsteigen oder an Flughäfen den Blick nach oben schweifen lässt, erkennt bei genauerem Hinsehen häufig kleine Kameras, die dort über Recht und Ordnung wachen. „Big brother is watching you“, wie es in George Orwells dystopischem Werk „1984“ heißt. Gemeint ist damit eine Instanz, die über moderne Technik Einblicke in das alltägliche Leben der Bürger hat. Bei uns könnte diese Instanz in Peking sitzen.

Denn wie eine Handelsblatt-Recherche ergab, lässt der Bund selbst sensible Bereiche mit Sicherheitstechnik von Unternehmen überwachen, die enge Verbindungen zum chinesischen Staat haben. Bei Aufforderung könnten diese Unternehmen gezwungen sein, die gesammelten Daten an das Regime weiterzugeben. Besonders brisant ist, dass diese Überwachungssysteme der chinesischen Hersteller Hikvision und Dahua auch im Bereich der kritischen Infrastruktur zum Einsatz kommen – etwa an Bahnhöfen, Flughäfen oder bei Polizeibehörden.

In anderen Ländern, etwa den USA, Großbritannien und Australien, sind Überwachungstechnologien von chinesischen Firmen aus Gründen der nationalen Sicherheit bereits verboten. Hierzulande setzt man weiterhin auf deutsche Sicherheit „Made in China“.

Wer des Öfteren den Worten von Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) lauscht, wird einem bestimmten Versprechen immer wieder begegnen. „Wir werden Subventionszahlungen überprüfen“, sagt der oberste Kassenwart dann staatstragend und fügt manchmal noch ein kleines, aber wichtiges Wort hinzu: „gegebenenfalls“.

Eigentlich müssten alle Parteien es begrüßen, wenn überflüssige Finanzgeschenke gestrichen würden. Schließlich kann dadurch viel Geld eingespart werden, das an anderer Stelle wieder ausgegeben werden kann – ohne neue Schulden zu machen. Doch das Problem daran ist, dass sich die Politik kaum traut, den Bürgern einmal gemachte Geschenke wieder wegzunehmen. Das Streichen von Subventionen bleibt also meist ein leeres Versprechen.

Dabei gäbe es in diesem Bereich enormes Potenzial, wie neue Berechnungen jetzt zeigen. Wenn entbehrliche Subventionen gestrichen und Sparmöglichkeiten bei Sozialleistungen genutzt würden, stünden insgesamt 78,5 Milliarden Euro zur Verfügung. Der größte Batzen stammt aus klimaschädlichen Subventionen. Die finanziert der Staat laut Umweltbundesamt mit 65 Milliarden Euro pro Jahr und konterkariert somit seine eigenen Klimaziele.

„Das ist absurd“, kommentiert der Chef des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, diese Schizophrenie im Handelsblatt-Interview. Der Transparenz halber sei an dieser Stelle gesagt, dass Messner vor einigen Jahren mal mein Professor an der Universität Duisburg war. Schon damals, so erinnere ich mich, war er für markige Aussagen immer zu haben. Ich empfehle deshalb auch wärmstens die Lektüre seines aktuellen Interviews.

Foto: AP

Olaf Scholz muss da mal was klären. Der Bundeskanzler ist auf Blitzbesuch in Washington, um ein ernstes Wörtchen mit US-Präsident Joe Biden zu reden. „Face to face“, von Regierungschef zu Regierungschef. Gesprächsstoff gibt es genug, etwa über die Weigerung, deutsche Leopard-Panzer ohne Geleitschutz von amerikanischen Abrams-Panzern in die Ukraine zu schicken. Oder über den Inflation Reduction Act, das gigantische Subventionsprogramm der Amerikaner für grüne Technologien.

Damit könnten die USA den Europäern wichtige Batterieproduzenten wegschnappen, indem sie diese mit Steuergutschriften ins eigene Land locken. Laut Handelsblatt-Informationen deutet sich hier allerdings ein Kompromiss an. Es handelt sich dabei offenbar um eine Rohstoffpartnerschaft, die europäischen Batterieherstellern den Zugang zum US-Markt erleichtern könnte. Da trifft es sich gut, dass auch EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen einen Besuch in Washington plant. In knapp einer Woche empfängt Biden dann den nächsten deutschen Gast im Oval Office.

Und dann ist da noch die Deutsche Bahn. Mehr muss man eigentlich nicht schreiben, um die Seufzer auf seiner Seite zu haben. Doch der aktuelle Fall ist selbst für hartgesottene Bahnfans starker Tobak. Denn der Beauftragte der Bundesregierung für den Schienenverkehr, Michael Theurer (FDP), stellte gegenüber dem ZDF einen Zeitplan für den „Deutschlandtakt“ in Aussicht. Das Modernisierungsprogramm verspricht Züge im Halbstundentakt und eine Verdopplung der Fahrgastzahlen.
Wann dieses Programm kommt? Theurer versprach eine vollständige Umsetzung bis 2070. Der ehemalige Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte noch von 2030 gesprochen.

Der Deutschlandtakt hat aktuell also eine Verspätung von voraussichtlich 40 Jahren – das gibt es selbst bei der Deutschen Bahn nur sehr selten.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie alles Wichtige zu Fuß erreichen.

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Es grüßt Sie herzlich

Ihre

Teresa Stiens
Redakteurin Handelsblatt

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