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Harris AssociatesGroßaktionär steigt bei Credit Suisse aus und stellt Zukunft des Wealth-Managements infrage

Die Schweizer Großbank muss den nächsten Rückschlag verkraften. Zum Abschied übt der Ex-Großaktionär deutliche Kritik am Umbauprozess der Bank.Jakob Blume 06.03.2023 - 15:52 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Bank erlitt im Geschäftsjahr 2022 mit 7,3 Milliarden Franken den höchsten Verlust seit der Finanzkrise.

Foto: Reuters

Zürich. Der langjährige Credit-Suisse-Aktionär Harris Associates ist komplett bei der krisengeplagten Schweizer Bank ausgestiegen. Harris habe mit der Reduzierung des Anteils im Oktober begonnen und sich nun vollständig davon getrennt, sagte Harris-Vizechef David Herro der „Financial Times“ vom Sonntag. Zuletzt hielt die Investmentgesellschaft mit Sitz in Chicago knapp drei Prozent der Credit-Suisse-Aktien. Noch im vergangenen Jahr kontrollierte Harris Associates rund zehn Prozent der Anteile.

Für den US-Investor war die Beteiligung an der zweitgrößten Schweizer Bank ein Verlustgeschäft. Allein seit Jahresbeginn haben die Anteilsscheine 55 Prozent an Wert verloren. Auf Sicht von fünf Jahren beträgt das Minus über 83 Prozent. Das Credit-Suisse-Investment habe über Jahre die Performance der Gesellschaft nach unten gezogen, so Harris-Anlagechef Herro gegenüber der „FT“.

Die Kapitalerhöhung der Bank Ende Oktober sowie die gleichzeitig vorgestellte neue Strategie unter CEO Ulrich Körner trugen nicht dazu bei, dass Herro Hoffnung schöpfte, seine Verluste begrenzen zu können. Vielmehr fürchtet er, dass der Reputationsschaden das Kerngeschäft, die Vermögensverwaltung, beeinträchtigt. „Es stellt sich die Frage nach der Zukunft des Geschäftsbereichs. Es hat große Abflüsse aus dem Wealth-Management gegeben“, sagte Herro.

Finanzaufsicht überprüft Aussagen des Verwaltungsrats

Die Credit Suisse hatte in den vergangenen Monaten mit einem Vertrauensverlust der Kunden zu kämpfen und im Geschäftsjahr 2022 mit 7,3 Milliarden Franken den höchsten Verlust seit der Finanzkrise eingefahren. Kunden hatten im vierten Quartal 2022 Vermögen mit einem Gesamtvolumen von 111 Milliarden Franken abgezogen. Damit fielen die Mittelabflüsse stärker aus als erwartet – und sie gingen auch im Dezember noch weiter, wie Anfang Februar bekannt wurde.

Dabei hatte Verwaltungsratspräsident Axel Lehman Anfang Dezember erklärt, die Mittelabflüsse seien „im Wesentlichen gestoppt“. Nun untersucht die Schweizer Finanzaufsicht Finma, ob der Chefaufseher der Bank mit dieser Aussage die Investoren getäuscht hat. Die Aktie fiel daraufhin Ende Februar auf ein Allzeittief bei rund 2,60 Franken pro Anteilsschein. Seither hat sie sich nur wenig erholt.

Harris Associates war über zehn Jahre lang Großaktionär bei der Credit Suisse und hatte der Bank durch zahlreiche Krisen hinweg die Treue gehalten. Doch nun ist auch bei Anlagechef Herro die Geduld aufgebraucht. Der „FT“ sagte er, es gebe viele andere Möglichkeiten, in Banken zu investieren. „Steigende Zinssätze bedeuten, dass viele europäische Finanzwerte in die andere Richtung gehen. Warum sollte man in etwas investieren, das Kapital verbrennt, wenn der Rest des Sektors es jetzt erwirtschaftet?“

Zum Umbau der Credit Suisse sagte er, der Plan zur Umstrukturierung der Investmentbank sei zwar eine edle Sache. Er sei „aber schwerfällig und in Bezug auf den Cash-Burn weitaus kostspieliger, als wir erwartet haben“.

Finanzinvestoren nutzen schwache Verhandlungsposition

Die Credit Suisse hat große Teile des Investmentbankings ausgegliedert und will sie unter der Marke First Boston neu beleben. Dafür jedoch übernimmt die Credit Suisse zunächst eine Investmentbank-Boutique von einem ehemaligen Verwaltungsratsmitglied, dem US-Banker Michael Klein. Der erhält für den Verkauf seines Unternehmens rund 175 Millionen Dollar. Weitere externe Investoren sollen die neu formierte Investmentbank mit Kapital ausstatten. Ob der komplexe Deal sich am Ende auch für die Altaktionäre der Credit Suisse rechnet, ist höchst ungewiss.

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Für Skepsis bei Altaktionären wie Harris Associates sorgen zudem die Konditionen des Verkaufs weiterer Unternehmensteile. So gibt die Credit Suisse das profitable, aber kapitalintensive Geschäft mit verbrieften Produkten an den Finanzinvestor Apollo ab. Dieser profitiert davon, dass die Bank auf einen Verkauf und frisches Kapital angewiesen ist. Herro kritisiert: „Wir waren nicht zufrieden mit dem, was wir an Erlösen aus dem Verkauf von verbrieften Produkten erhalten haben.“

Die Credit Suisse teilte zu dem Interview auf Anfrage mit, die Bank sei ihrem Plan voraus und habe klare strategische Ziele. „Wir konzentrieren uns voll und ganz auf die erfolgreiche Umsetzung unseres Plans und die Erreichung unserer Ziele, um sicherzustellen, dass die neue Credit Suisse nachhaltigen Wert für alle unsere Stakeholder schafft.“
Mit Material von Nachrichtenagenturen

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