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ChinaDas Verschwinden eines Bankers schürt Sorge vor politischer Kampagne gegen die Finanzbranche

Chinas mächtige Antikorruptionsbehörde fordert Finanzmanager auf, ihren „hedonistischen“ Lebensstil aufzugeben. Sie will „Fehlverhalten“ härter ahnden.Sabine Gusbeth, Michael Maisch 03.03.2023 - 04:00 Uhr Artikel anhören

Das Verschwinden des Bankers beunruhigt die Wirtschaftselite in China.

Foto: Reuters

Peking/Frankfurt. Kurz vor Eröffnung des Nationalen Volkskongresses wächst in China die Befürchtung, dass eine sogenannte Berichtigungskampagne der Kommunistischen Partei gegen die Finanzbranche anstehen könnte. Unmittelbarer Auslöser dieser Sorge ist das Verschwinden von Bao Fan, einem der einflussreichsten chinesischen Investmentbanker, Mitte Februar.

Nachdem Bao eine Woche nicht erreichbar war, teilte seine Bank China Renaissance Holdings mit, dass der Milliardär die chinesischen Behörden bei einer nicht näher spezifizierten Untersuchung „unterstützt“.

In der vergangenen Woche hatte Chinas mächtige Antikorruptionsbehörde außerdem angekündigt, Fehlverhalten in der Finanzbranche noch stärker zu ahnden. Sie forderte Banker auf, ihre Denkweise zu korrigieren, ihren „hedonistischen“ Lebensstil zu ändern und aufzuhören, westliche Methoden zu kopieren.

Der 52-jährige Bao ist Gründer der in Hongkong börsennotierten Investmentbank China Renaissance. Sein plötzliches Verschwinden hat Chinas Wirtschaftselite verunsichert, denn der Milliardär ist einer der wichtigsten Finanziers der Internetbranche. Bao spielte bei vielen Deals der großen chinesischen Tech-Konzerne eine Schlüsselrolle, seien es Onlinehändler wie JD.com, Meituan oder der Fahrdienstleister Didi.

Es sei bei derartigen Vorkommnissen immer schwer zu sagen, ob es sich nur um einen Einzelfall handelt oder um einen Teil einer größeren Kampagne, meint der China-Experte Jacob Gunther vom Thinktank Merics. Dass eine Schlüsselperson einer Branche verhaftet wird und mit den Behörden kooperiert, könnte aber durchaus der Auftakt für eine größere Aktion sein.

Es erinnert an das Verschwinden des Alibaba-Gründers im Jahr 2020

Das Verschwinden von Bao weckt Erinnerungen an das Vorgehen gegen Alibaba-Gründer Jack Ma Ende 2020, einer der Vorboten des harten Durchgreifens der Staatsführung gegen die boomende Internetwirtschaft. Ma hatte kurz vor seinem Verschwinden öffentlich die „Pfandhausmentalität“ der chinesischen Finanzaufseher kritisiert.

Der geplante Mega-Börsengang der Alibaba-Finanztochter Ant wurde daraufhin von den Behörden gestoppt. Es folgte eine sogenannte „Berichtigungskampagne“ im Technologiesektor mit prominenten Opfern wie Alibaba, Didi und Tencent.

Was genau der Finanzindustrie nun drohen könnte, sei unklar, betont Merics-Experte Gunther. Die von Staats- und Parteichef Xi Jinping eingeforderten Reformen, etwa zur Eindämmung von Spekulation, zeigten bislang keine Erfolge. Xi sei aber sehr stark auf „Stabilität und Kontrolle“ fokussiert. Das Fehlverhalten von Finanzmanagern außerhalb des Einflussbereichs der Partei beschäftige ihn, glaubt der Experte.

Der Alibaba-Gründer hatte Ende 2020 kurz vor seinem damaligen Verschwinden öffentlich die „Pfandhausmentalität“ der chinesischen Finanzaufseher kritisiert.

Foto: Xinhua / eyevine / laif

Parteiorgane weisen immer wieder auf Fehlentwicklungen in der Branche hin. Mitte Februar hatten die Behörden beim größten Immobilienversicherer des Landes, Peoples Insurance Company, den obersten Parteisekretär abgesetzt. Zuvor war Luo Xi im Internet vorgeworfen worden, Personenkult betrieben zu haben.

Gleichzeitig teilte die staatskontrollierte Bank of China mit, dass ihr Chairman Liu Liange als Parteivertreter der Bank ausgeschieden sei.

Bei Investoren und privaten Unternehmen keimte zuletzt die Hoffnung, dass die Berichtigungskampagnen beendet sind und die Erholung der chinesischen Wirtschaft im Vordergrund steht. „Der Schlüssel ist, das Vertrauen zu stärken“, sagte Xi Ende Dezember bei der Zentralen Arbeitskonferenz für Wirtschaftsfragen mit Blick auf den Tech-Sektor. Dieser sei allerdings auch „auf Linie“ gebracht worden, betont Gunther.

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Er glaubt allerdings nicht, dass eine politische Kampagne gegen die Finanzindustrie einen negativen Einfluss auf das Tagesgeschäft und das Vertrauen kleiner und mittlerer Unternehmen in die künftige Wirtschaftsentwicklung hat. Wohl aber würde die Staatsführung damit ein Signal an die Wirtschaftselite senden.

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