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Axel LehmannAufsicht untersucht offenbar Aussagen von Credit-Suisse-Präsident zu Kapitalabflüssen

Anfang Dezember erklärte Axel Lehmann die Trendwende bei den starken Abflüssen von Kundengeldern. Die Statements werden nun genauer geprüft. Die Aktie fällt daraufhin auf ein Rekordtief. 20.02.2023 - 23:01 Uhr Artikel anhören

Aussagen des Verwaltungsratschefs der Credit Suisse werden nun mutmaßlich überprüft.

Foto: Reuters

Zürich. Die Aussagen von Credit-Suisse-Verwaltungsratschef Axel Lehmann zu den Abflüssen von Kundengeldern haben ein Nachspiel. Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma habe die Großbank in der Angelegenheit kontaktiert, wie die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf zwei mit der Sache vertraute Personen berichtet. D

ie Finma wolle klären, was der Wissensstand von Lehmann war, als er Anfang Dezember sagte, dass die Abflüsse von verwaltetem Vermögen zum Erliegen gekommen seien. Danach waren aber nochmals Milliarden von dem krisengeplagten Institut abgezogen worden.

Die Aktie der Bank reagierte und fiel am Dienstag erneut auf ein Allzeittief. Am Mittag lag sie sechs Prozent tiefer bei 2,60 Franken. Die Credit Suisse war damit der größte Verlierer sowohl unter den Schweizer Bluechips als auch unter den europäischen Finanzdienstleistungswerten.

Die Bank erklärte, sie kommentiere Spekulationen nicht. Auch die Finma wollte sich nicht äußern. Nach der Veröffentlichung der Jahreszahlen hatte die Behörde erklärt: „Es ist klar, dass die Finma die Banken in solchen Situationen sehr genau überwacht.“

Die Verunsicherung über den Zustand der Bank hatte im vierten Quartal eine regelrechte Kundenflucht ausgelöst. Netto zogen Kunden von Oktober bis Dezember 110,5 Milliarden Franken von der zweitgrößten Schweizer Bank ab, wie Credit Suisse bei der Veröffentlichung des Jahresergebnisses im Februar bekannt gab.

Davon entfielen rund 65 Prozent auf Oktober und 20 Prozent auf November, präzisierte das Management. Damit bleiben rund 15 Prozent der Abflüsse für Dezember.

Diese fielen deutlich stärker aus, als Anleger erwartet hatten, und waren ein Grund, dass die Aktie am Tag der Veröffentlichung des Abschlusses um rund 15 Prozent einbrach. Andreas Thomae, Corporate-Governance-Spezialist bei der Fondsgesellschaft Deka Investment, erklärte einen Tag später, die Anleger seien enttäuscht gewesen, dass die Abflüsse entgegen den Aussagen von Firmenvertretern angehalten hätten.

War Lehmann falsch informiert?

Lehmann hatte am 1. Dezember in einem Interview mit der „Financial Times“ erklärt, nach starken Abflüssen im Oktober hätten sich diese „völlig abgeflacht und teilweise gedreht“. Am Tag darauf sagte er zu „Bloomberg Television“, die Abflüsse seien „im Wesentlichen gestoppt“.

Nach diesen Aussagen legte die Credit-Suisse-Aktie, die zwölf Tage in Folge nachgegeben hatte, kräftig zu und beendete den Handel mit einem Plus von rund neun Prozent. Wenige Tage später bekräftigte Lehmann nochmals, dass sich die Lage stabilisiert habe.

Die Statements fielen kurz nach der Kapitalerhöhung der Bank Ende November. Damals drohte der Aktienkurs unter den Bezugspreis für die Aktionäre zu rutschen. Damit wäre die Kapitalerhöhung für die neuen Investoren früh zum Verlustgeschäft geworden.

Die Finma wolle nun in Erfahrung bringen, ob Lehmanns Aussagen irreführend gewesen seien, erklärte einer der Insider. Es handle sich nicht um eine formelle Untersuchung, sondern um eine Anfrage der Behörde, um zu klären, was Lehmann und andere Spitzenvertreter der Bank damals wussten. Es gebe Hinweise, dass Lehmann intern nicht richtig informiert worden sei, bevor er diese Äußerungen gemacht habe.

CEO Ulrich Körner präzisierte im Februar bei der Präsentation der Jahreszahlen, dass es auch im Januar noch in einigen Regionen zu Mittelabflüssen gekommen sei. Aber: „Wir sind positiv in der Schweiz.“ Auch in der Region Asien-Pazifik kehrten die Kunden zurück.

Mittelabflüsse beschädigen das Kerngeschäft

Die Entwicklung der Neugelder ist eine Schlüsselkennzahl für die Beurteilung von Vermögensverwaltungsbanken. Ziehen die Kunden in großem Stil Geld ab, ist das oftmals ein Ausdruck von Misstrauen.

Das kann gefährlich werden: Die Mittelabflüsse bei der Credit Suisse waren im Oktober so hoch, dass eine Kennziffer für die Liquidität der Bank kurzzeitig unter das gesetzliche Minimum fiel, wie die Bank später einräumte.

Die Vertrauenskrise trifft die Credit Suisse gleich in mehrfacher Hinsicht: Einerseits senkt der Abzug von Kundengeldern die regelmäßigen Gebühreneinnahmen im Kerngeschäft, der Vermögensverwaltung. Gleichzeitig profitiert die Bank weniger als Konkurrenten wie UBS, Julius Bär und Vontobel von einer steigenden Zinsmarge.

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Nach einer Kette von Fehlschlägen und Skandalen ist die Bank unter Lehmann und dem seit dem Sommer amtierenden Konzernchef Ulrich Körner dabei, das Institut grundlegend umzubauen. Kern des Unterfangens sind der Abbau des riskanten Investmentbankings und der Ausbau des Geschäfts mit Millionären und Milliardären. Die Abflüsse sind ein Rückschlag bei diesem Vorhaben.

Das verwaltete Vermögen der Gruppe betrug Ende 2022 rund 1,3 Billionen Franken. Damit fällt die Credit Suisse immer weiter hinter die UBS zurück, die im Geschäft mit Reichen und Superreichen Weltmarktführer ist.

rtr, jbl
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