Berliner Fintechs: Zehn Prozent weniger Mitarbeiter: Moonfare spart Kosten ein
Das deutsche Fintech macht es Privatanlegern möglich, in Private Equity zu investieren.
Foto: IMAGO/Addictive StockFrankfurt. Das Berliner Fintech Moonfare hat im vergangenen Jahr Kosten eingespart und rund zehn Prozent der Belegschaft abgebaut. „Wir haben uns in 2022 von unserem Höchststand von 211 Vollzeitbeschäftigten nach entsprechenden Performance-Review-Prozessen von 21 Mitarbeitern in Deutschland getrennt, die das Unternehmen verlassen haben“, teilte die Gesellschaft auf Anfrage mit.
Die digitale Plattform Moonfare ermöglicht auch privaten Investoren, sich bei Private Equity zu engagieren. Private Equity ist der Oberbegriff für Fonds, die mittelständische Unternehmen und Konzernteile kaufen, diese über mehrere Jahre restrukturieren und dann zu einem in der Regel höheren Preis weiterverkaufen.
Vor einigen Jahren konnten nur institutionelle Investoren wie Versicherungen oder Millionäre in diese alternative Anlageform gehen. Die Anleger beziehungsweise Anlegerinnen geben ihre Präferenzen für einen Fonds an, Moonfare sammelt und bündelt die Aufträge und kommt so auf die notwendigen Summen, um in Fonds wie die von KKR, EQT oder Carlyle investieren zu können. Durch die steigenden Zinsen sind die Übernahmedeals der Fonds aber sehr viel schwieriger geworden, weil oft keine Übernahmekredite zu bekommen sind.
Moonfare berichtete stets über hohe Wachstumsraten, jetzt übt man aber offenbar striktere Kostendisziplin. „Verglichen mit dem Höchststand von 211 Köpfen, sind wir in 2023 mit einem effizienteren und schlagkräftigeren Team gestartet, das unsere internationale Expansion und neue Partnerschaften, wie die mit Eurazeo, vorantreibt“, sagt CEO Steffen Pauls.
Der französische Fondsmanager Eurazeo verwaltet Vermögen in Höhe von gut 32 Milliarden Euro, Moonfare kommt auf rund 2,3 Milliarden Euro. Über die neue Kooperation sollen Kunden in Europa erreicht werden. Pauls war zuletzt kritisiert worden, weil er bei einer Finanzierungsrunde seine Management-Funktion beim Geldgeber 7 Global Capital nicht erwähnt hatte. Der Beteiligungsexperte gründete Moonfare 2016 und setzt sich für die "Demokratisierung" der Anlageklasse ein. Das heißt, auch Investoren mit weniger als einer Million Euro sollen Zugang zu Private Equity erhalten. "Wir blicken optimistisch in das Jahr 2023 und wollen unseren rasanten Wachstumskurs beibehalten", sagt er mit Blick auf die kommenden Herausforderungen. Denn die Aufnahme neuer Mittel ist für die gesamte Branche schwieriger geworden, weil mit den höheren Zinsen wieder risikolosere Anleihen attraktiv geworden sind.
Moonfare war vor dem Stellenabbau stark gewachsen und hatte die Zahl der Stellen von 139 Köpfen seit Anfang 2022 um 40 Prozent aufgestockt. Der neue Fokus der Start-ups auf Profitabilität zeigt sich auch darin, dass relativ viele Jungunternehmer im vergangenen Jahr bei den Personalkosten sparten.
Knapp ein Fünftel oder 18 Prozent der Top-100-Start-ups gaben an, die Zahl der Mitarbeitenden zu reduzieren, heißt es in einer Analyse der Beratungsgesellschaft EY. So entließ jedes dritte E-Commerce-Start-up Personal, bei den Fintechs war es jedes fünfte. Damit reagieren deutsche Start-ups ähnlich wie die großen Tech-Konzerne in den USA, wo es aktuell zu großen Personalabbaumaßnahmen kommt.