Interview: Wirtschaftsweise Grimm zum Heizungsverbot: „Kann entscheidender Baustein für Scheitern von Klimaschutz werden“
Die Wirtschaftsweise warnt vor einer Abkehr von Technologieoffenheit und hält Verbotspolitik für den falschen Weg.
Foto: IMAGO/Jürgen HeinrichFrau Grimm, vor dem Winter herrschte Angst in der Wirtschaft, jetzt Erleichterung. Können wir uns entspannen?
Nein, die Energiekrise ist noch längst nicht vorbei! Ja, die kurzfristigen Aussichten haben sich verbessert, weil die Energiepreise gesunken sind. Bei den aktuell niedrigen Preisen könnte die deutsche Industrie ihre Sparanstrengungen reduzieren. Aber für den nächsten Winter bleibt die Gefahr erneuter Preissprünge oder gar einer Gasmangellage bestehen.
Die Speicher sind doch gut gefüllt.
Das reicht aber nicht aus, da wir durch die Speicher nur etwa zwei Monate einen kalten Winter überbrücken können. Niemand weiß, ob der nächste Winter so warm wird wie dieser. Die russischen Mengen können wir aber weiterhin nicht vollständig durch Importe aus anderen Regionen ersetzen. China wird nach der Aufhebung der Lockdowns wieder deutlich mehr Gas nachfragen. Fakt ist: Wenn wir nicht weiterhin signifikant Gas sparen, kann es leicht zu einer sehr angespannten Versorgungslage kommen. Wir sind längst nicht über den Berg! Es muss auch darum gehen, nicht erpressbar zu sein, wenn geopolitisch weitere Spannungen aufkommen sollten.