Infografik der Woche: Diese Grafiken zeigen, wie es um die Streikkultur in Deutschland bestellt ist
Düsseldorf. Keine Bahn, kein Bus, kein Flugzeug: Mitglieder der Gewerkschaften Verdi und EVG haben am Wochenbeginn für 24 Stunden die Arbeit niedergelegt. Millionen Pendler, Eltern und Reisende mussten ihre Pläne ändern. Verdi sprach vom größten Streik sein 1992.
Doch generell wird in Deutschland deutlich weniger gestreikt als in anderen Ländern. Gerade einmal 18 Arbeitstage je 1000 Beschäftigte fielen im Schnitt hierzulande jährlich von 2011 bis 2020 aus. In Frankreich waren es 93, in Belgien gar 97.
Im aktuellen Tarifstreit fordert die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi für die 2,5 Millionen Beschäftigten im öffentlichen Dienst 10,5 Prozent mehr Lohn, mindestens aber 500 Euro monatlich. Die Arbeitgeber bieten in zwei Schritten fünf Prozent mehr Lohn und Einmalzahlungen von 2500 Euro.
Die Bahngewerkschaft EVG will für rund 230.000 Beschäftigte von 50 Bus- und Bahnunternehmen zwölf Prozent mehr Lohn, mindestens 650 Euro mehr im Monat.
Viele Unternehmen versuchen seit einigen Jahren, derartige Streiks zu umgehen, indem sie sich aus der Tarifbindung verabschieden. Waren im Jahr 2000 laut Hans-Böckler-Stiftung noch 48 Prozent der Firmen in Westdeutschland und 27 Prozent in Ostdeutschland an Tarifverträge gebunden, waren es 2020 nur noch 28 Prozent im Westen und 19 im Osten. Trotzdem stagnierte die Zahl der bestreikten Unternehmen in den letzten Jahren auf hohem Niveau.