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StreikVerkehr in Deutschland läuft nach Warnstreik wieder an

Im Bahn- und Flugverkehr kehrt nach dem bundesweiten Großstreik am Montag Normalität ein. Pendlern und Reisenden machen aber noch manche Beeinträchtigungen zu schaffen.Frank Specht 28.03.2023 - 08:43 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Der Verkehr ist nach dem Großstreik wieder angelaufen.

Foto: dpa

Berlin. Nach dem großen Warnstreik ist der Verkehr in Deutschland am Dienstagmorgen wieder angelaufen. Flughäfen nahmen den Betrieb auf, Züge, Busse und U-Bahnen rollten wieder. Der größte Warnstreik hierzulande seit Jahrzehnten wirkte sich teilweise aber noch am Folgetag aus. Manche Flüge wurden abgesagt, im Fernverkehr der Bahn kam es teilweise zu Zugausfällen.

Bei der Deutschen Bahn lief der Zugverkehr am Dienstag nach eigenen Angaben wieder planmäßig an. „Im Fernverkehr fallen in den Morgenstunden lediglich noch einzelne, wenige Fahrten aus“, teilte ein Konzernsprecher der Deutschen Presse-Agentur mit. Der Regional- und S-Bahn-Verkehr laufe ohne streikbedingte Ausfälle.

Im Schienengüterverkehr sei es gelungen, durch Steuerung von Transporten vor dem Streik für eine „stabile betriebliche Ausgangslage“ zu sorgen, hieß es. Seit Montagabend würden die ersten Güterzüge aus dem Rückstau in den Rangierbahnhöfen wieder angefahren.

So geht es nach dem bundesweiten Streik weiter

Auch die Flughäfen, darunter Deutschlands größter Airport in Frankfurt, nahmen den Betrieb am Dienstag wieder auf. Am Morgen waren für Dienstag rund 40 Flugannullierungen bekannt, teils sei dies auf Streikfolgen zurückzuführen, so die Sprecherin. Am Flughafen Köln/Bonn gab es ebenfalls noch einige Streikauswirkungen. Frühe Flüge wurden laut Abflugplan auf den späteren Vormittag verlegt und vereinzelt auch annulliert.

Im Schiffsverkehr lösten sich Folgen des Streiks ebenfalls auf. Die Lotsenversetzer im Hamburger Hafen wollten ab sechs Uhr ihre Arbeit wieder aufnehmen, sodass wieder Lotsen an Bord der Schiffe gelangen können. Auch der Nord-Ostsee-Kanal sollte wieder geöffnet werden.

Das ganz große Chaos durch den Streik setzt sich damit an diesem Dienstag zumindest nicht fort. Verdi und Beamtenbund drohten jedoch mit weiteren Arbeitskämpfen, sollten die wieder aufgenommenen Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst bis Mittwoch nicht zu einem Ergebnis führen. Auch die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) zeigte sich weiter kampfbereit.

Deutschlandweit kam der Fern- und Regionalverkehr der Bahn zum Erliegen.

Foto: dpa

Verdi und EVG hatten in mehreren aktuell geführten Tarifrunden, darunter im öffentlichen Dienst und bei der Deutschen Bahn, Beschäftigte aus dem Verkehrssektor gemeinsam zu einem 24-stündigen Arbeitskampf aufgerufen. Der Flugverkehr in Deutschland war daraufhin weitgehend zum Erliegen gekommen. Die Flughäfen in München, Frankfurt und Hamburg hatten schon vorsorglich sämtliche Flüge abgesagt.

Sämtliche großen Airports mit Ausnahme dessen in Berlin waren vom Ausstand betroffen. Auch in der Hauptstadt fielen aber viele innerdeutsche Verbindungen aus.

Der Flughafenverband ADV ging von rund 380.000 Geschäfts- und Privatreisenden aus, die ihren Flug streikbedingt nicht antreten konnten.

Flughafenverband: „Französische Verhältnisse in Deutschland“

Hauptgeschäftsführer Ralph Beisel erklärte, die Aktion habe mit Warnstreiks nichts mehr zu tun. Vielmehr handele es sich um den Versuch, „per Generalstreik französische Verhältnisse in Deutschland einziehen zu lassen“. Allein am größten Flughafen Frankfurt wären am Montag 1170 Starts und Landungen mit insgesamt rund 160.000 Passagieren geplant gewesen. Für das Sicherheitspersonal an den Flughäfen läuft aktuell eine eigene Tarifrunde.

Der Schienenverkehr war ebenfalls massiv betroffen. Die Deutsche Bahn strich sämtliche Fernzüge, im Regional- und S-Bahn-Verkehr kam es vielerorts zu Totalausfällen. Laut EVG beteiligten sich mehr als 30.000 Beschäftigte an dem Ausstand. In mehreren Bundesländern gab es auch Behinderungen im Nahverkehr.

Die Deutsche Bahn kritisierte den Streik als „unverhältnismäßig“.

Foto: dpa

Auch auf den Autobahnen war Chaos erwartet worden, nachdem Verdi Beschäftigte der Autobahn GmbH zum Streik aufgerufen hatte, die für die Sicherheit in den Tunneln verantwortlich sind. Eine Sperrung des Elbtunnels wurde verhindert, weil das Landesarbeitsgericht Hamburg Verdi zum Abschluss einer Notdienstvereinbarung verpflichtet hatte, die einen normalen Betrieb des Tunnels ermöglichte.

Laut ADAC kam es in den Morgenstunden am Montag zwar zu einem erhöhten Verkehrsaufkommen, größere Staus gab es aber nur vereinzelt. „Wer kann, ist im Homeoffice geblieben“, sagte eine Sprecherin des Automobilclubs.

In den Tarifverhandlungen für die 2,5 Millionen Beschäftigten von Bund und Kommunen kamen Arbeitgeber und Gewerkschaften am Montag zur dritten Gesprächsrunde zusammen, die bis Mittwoch terminiert ist. Verdi und Beamtenbund fordern 10,5 Prozent mehr Geld, mindestens aber 500 Euro im Monat, bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von zwölf Monaten.

Nach Tarifverhandlungen: Schlichtung wäre der nächste Schritt

Die Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA) und Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) hatten den Beschäftigten fünf Prozent mehr Geld in zwei Stufen und 2500 Euro Inflationsausgleichsprämie angeboten, allerdings bei einer sehr langen Laufzeit von 27 Monaten. VKA-Verhandlungsführerin Karin Welge hatte die Gewerkschaften zum Auftakt der dritten Runde aufgefordert, über das vorliegende Angebot ernsthaft zu verhandeln.

Sollten die Verhandlungen in dieser Woche für gescheitert erklärt werden, kann eine der beiden Seiten ein Schlichtungsverfahren einleiten, um mithilfe von neutralen Vermittlern eine Lösung zu finden. Während der Schlichtung darf nicht gestreikt werden.

Sollte auch das Vermittlungsverfahren nicht zu einem Erfolg führen, „dann wird es mal wieder sehr dunkel in Deutschland“, warnte Beamtenbund-Chef Ulrich Silberbach. „Dann werden wir in einen flächendeckenden, unbefristeten Arbeitskampf einsteigen müssen.“ Dazu ist eine Urabstimmung unter den Gewerkschaftsmitgliedern erforderlich.

Werneke ist skeptisch über den Erfolg eines möglichen Schlichtungsverfahrens.

Foto: dpa

Verdi-Chef Frank Werneke zeigte sich skeptisch über die Aussichten einer Schlichtung: Bei ausreichendem Lösungswillen könne auch innerhalb der regulären Verhandlungen eine Einigung erzielt werden, sagte er am Montag. „Ich kann mir im Moment gar nicht vorstellen, was in einer Schlichtung anders miteinander geredet werden sollte.“

EVG schließt weitere Streiks in Deutschland um die Ostertage aus

Einer der Hauptstreitpunkte ist der von den Gewerkschaften geforderte Mindestbetrag von 500 Euro. Hier deutete VKA-Präsidentin Welge Bereitschaft an, auf die Gewerkschaften zuzugehen. In den Tarifverhandlungen bei der Deutschen Bahn fordert die EVG zwölf Prozent mehr Geld, mindestens aber 650 Euro im Monat.

Die Bahn hatte, genau wie die öffentlichen Arbeitgeber, eine zweistufige Tariferhöhung um insgesamt fünf Prozent und 2500 Euro Inflationsausgleichsprämie bei einer Laufzeit von 27 Monaten angeboten. Die Gewerkschaft weigert sich, auf dieser Basis weiterzuverhandeln, und erwartet ein verbessertes Angebot bis zur nächsten Gesprächsrunde Ende April.

Der Konzern forderte die EVG auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Die EVG gibt sich weiter kampfbereit, schließt aber weitere Streiks vor oder während der Ostertage aus. Man wolle nicht die Reisenden bestreiken, sondern die Arbeitgeber, sagte Tarifvorstand Kristian Loroch.

Mit Agenturmaterial

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Erstpublikation: 27.03.2023, 21:30 Uhr, (zuletzt aktualisiert: 28.03.2023, 08:43 Uhr).

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