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TürkeiErdogan zeigt sich nach Absage von Auftritten in Videokonferenz

Mitten im Wahlkampf haben den türkischen Präsidenten Magenbeschwerden erwischt. Spekulationen um eine ernsthafte Erkrankung dementiert sein Team hart.Ozan Demircan 27.04.2023 - 17:01 Uhr aktualisiert Artikel anhören

ARCHIV - 24.03.2022, Belgien, Brüssel: Recep Tayyip Erdogan, Präsident der Türkei, nimmt an einer Pressekonferenz nach dem Nato Sondergipfel im Nato Hauptquartier teil. (zu dpa: «Erdogan unterbricht Wahlkampf wegen gesundheitlicher Probleme») Foto: Markus Schreiber/AP/dpa +++ dpa-Bildfunk +++

Foto: dpa

Istanbul. Nach der Absage von Wahlkampfauftritten am Mittwoch hat der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan auch einen für Donnerstag geplanten Wahlkampftermin abgesagt. Erkan Kandemir, ein stellvertretender Vorsitzender von Erdogans Regierungspartei AKP, gab bekannt, dass der 69-Jährige am Donnerstag eine Kundgebung in der südlichen Stadt Mersin ausfallen lassen werde, aber später an einer Videokonferenz anlässlich der Inbetriebnahme des ersten türkischen Atomkraftwerks teilnehmen werde.

Tatsächlich zeigte Erdogan sich bei einer Videoschalte mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin. Die beiden Staatschefs nahmen am Donnerstag online an einer Zeremonie zur Anlieferung von Brennstäben am Atomkraftwerk Akkuyu in der Südtürkei teil. Alle Reaktoren des AKWs würden schrittweise bis zum Jahr 2028 in Betrieb genommen, sagte Erdogan, der laut der Deutschen Presse-Agentur etwas blass wirkte. „Dieses Kraftwerk wird zehn Prozent des Stromverbrauchs unseres Landes liefern.“ Der russische Staatskonzern Rosatom ist federführend beim Bau des Atomkraftwerks in Mersin.

Wann Erdogan seinen Wahlkampf wieder aufnimmt, blieb zunächst unklar. Gesundheitsminister Fahrettin Koca hatte berichtet, Erdogan habe sich eine Magen-Darm-Entzündung zugezogen, sei aber nun auf dem Weg der Besserung.

Türkische Vertreter stellten sich unterdessen online kursierenden Gerüchten entgegen, dass der Staatschef ernsthaft erkrankt und im Krankenhaus aufgenommen worden sei. „Wir weisen solche unbegründeten Behauptungen über den Gesundheitszustand von Präsident Erdogan kategorisch zurück“, twitterte dessen Kommunikationsdirektor Fahrettin Altun und kündigte dabei ebenfalls die Teilnahme seines Chefs an der Videokonferenz an.

Erdogan hatte am Mittwoch bekannt gegeben, dass er seine Wahlkampfauftritte an dem Tag absage und sich zu Hause ausruhen werde. Einen Tag zuvor war ein TV-Interview mit ihm aufgrund von Magenbeschwerden vorübergehend unterbrochen worden.

Erdogan wurde am Dienstagabend von den türkischen Sendern Ülke TV und Kanal 7 interviewt, als das Programm plötzlich gestoppt wurde. Als das Interview etwa 20 Minuten später wieder anlief, entschuldigte Erdogan sich für die Unterbrechung und erklärte, er sei während seines Wahlkampfs an einer schweren „Magengrippe“ erkrankt.

Der chinesische Auslandsfernsehsender CGTN berichtete kurz darauf, Erdogan sei ins Krankenhaus eingeliefert worden. Außerdem sei seine Familie dem Bericht zufolge alarmiert worden. Nach allem, was bisher bekannt ist, handelt es sich hierbei um eine Falschmeldung.

Anstrengender Wahlkampf im Fastenmonat

Am 14. Mai finden in der Türkei Parlaments- und Präsidentschaftswahlen statt. Erdogan strebt eine dritte Amtszeit an. Umfragen deuten ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen ihm und seinem Herausforderer Kemal Kilicdaroglu von der CHP an. Der türkische Staatschef betreibt seit dem Ende des Fastenmonats Ramadan am vergangenen Sonntag einen intensiven Wahlkampf, tritt täglich in mindestens zwei Städten auf.

Am heutigen Donnerstag wollte er zunächst im zentralanatolischen Yozgat eine Schnellbahnstrecke einweihen, anschließend im Süden des Landes das erste Kernkraftwerk der Türkei eröffnen. An der Zeremonie wollte auch der russische Präsident Wladimir Putin teilnehmen, da der russische Staatskonzern Rosatom am Bau beteiligt war. Als Putin jedoch ankündigte, sich bloß online zuzuschalten, stand ohnehin zur Debatte, ob Erdogan allein auf der Bühne stehen solle.

Weil die Unterbrechung des Fernsehinterviews vor laufender Kamera geschah, war die Aufregung groß. Ein US-Medium titelte sogar mit der Schlagzeile: „Was passiert, wenn Recep Tayyip Erdogan stirbt?“

An mehreren Orten bundesweit können türkische Staatsbürger bis zum 9. Mai ihre Stimme für die Parlaments- und Präsidentschaftswahl am 14. Mai abgeben. In Deutschland können sich rund 1,5 Millionen Türken für die Wahl registrieren lassen.

Wahrscheinlicher ist, dass Erdogan sich tatsächlich den Magen verstimmt hat. Das könnte zwei Gründe haben. Einer ist die Tatsache, dass Wahlkämpfe in der Türkei körperlich einiges von den Kandidaten abverlangen. Es geht darum, sich volksnah zu zeigen, vor Ort zu sein – Erdogan hat diese Taktik in seiner Amtszeit perfektioniert.

Ein weiterer Grund ist der Fastenmonat. Im Ramadan fasten Teilnehmende von Sonnenaufgang bis -untergang, in diesem Jahr für rund zwölf Stunden am Tag. Gegessen wird vor allem kurz nach Sonnenuntergang und vor Beginn der morgendlichen Dämmerung. Was der körperlichen und spirituellen Reinigung dient, ist gerade für ältere Menschen belastend.

Experten rechnen mit wenigen Auswirkungen auf die Wahl

Der türkische Präsident hatte bereits mehrmals mit Problemen im Fastenmonat zu kämpfen. So erlitt er 2017 während eines Gebets am Ende des Ramadan einen Schwächeanfall und musste auf einer Trage aus der Moschee getragen werden. Als Grund für den Zusammenbruch nannte der Staatspräsident Blutdruckprobleme im Zuge einer Diabeteserkrankung. Im Jahr 2006 wurde Erdogan, damals 52 Jahre alt, während des Ramadan auf der Fahrt ins Parlament mit akuter Unterzuckerung ohnmächtig.

Im Jahr 2011 unterzog er sich nach Angaben der Ärzte einer Operation, bei der Darmpolypen entfernt wurden. Es gibt aber auch Gerüchte, es habe sich um einen bösartigen Tumor im Magen gehandelt. In Hintergrundgesprächen kann man sehen, dass Erdogan nach jeder Mahlzeit eine kleine Tablette zu sich nimmt.

Beobachter bezweifeln, dass der Gesundheitszustand des autoritär regierenden türkischen Präsidenten Auswirkungen auf das Wahlverhalten der Bürgerinnen und Bürger im Land haben wird. Viele sind mit den körperlichen Herausforderungen des Fastenmonats und des Wahlkampfs im Land vertraut.

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Ab dem heutigen Donnerstag dürfen Auslandstürkinnen und -türken in Botschaften und Konsulaten wählen gehen. In Deutschland leben knapp vier Millionen Menschen mit türkischen Wurzeln, 1,5 Millionen sind mit türkischem Pass wahlberechtigt. Bei der letzten Wahl 2018 hatte rund die Hälfte davon von ihrem Wahlrecht Gebrauch gemacht, fast zwei Drittel wählten Erdogan.

Mit Agenturmaterial.

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