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RisikokapitalInvestorenklub hält nachhaltige Investments für krisenfest – aber noch fehlen einheitliche Standards

Die Mitglieder von Better Ventures wollen mit grünen Impact Investments Rendite erzielen. Mitgründerin Tina Dreimann warnt vor Übertreibungen im Markt.Peter Köhler 11.05.2023 - 14:02 Uhr Artikel anhören

„Ich bin überzeugt, die nächsten 1000 Einhörner werden im weitesten Sinne grüne Tech-Firmen sein.“

Foto: Better Ventures

Frankfurt. Der Markt für Venture-Capital ist mit steigenden Zinsen und dem Kollaps der Silicon Valley Bank (SVB) unter Druck geraten. Die Bewertungen der Start-ups sinken, die Investments werden rarer, und das Auflegen neuer Fonds für Risikokapital dauert länger.

Allerdings gelte dies offenbar nicht für den Bereich der nachhaltigen Investments, meint Tina Dreimann, Mitgründerin des Investorenklubs Better Ventures. „Starke Start-up-Teams in gefragten Impact-Feldern können sich die Investoren heute beinahe aussuchen, weil fast jeder Geldgeber in Impact investieren will.“

Tatsächlich ist die Nachfrage groß: Der Impact-Investing-Markt in Deutschland habe einen großen Zuwachs an Investoren und Volumina erlebt, bilanzierte die Bundesinitiative Impact Investing in ihrer Marktstudie für 2022.

Branchenbeobachter halten nachhaltige Investments für krisenfest, weil weltweit in den kommenden Jahren mehrere Billionen Dollar zum Erreichen der Klimaziele bereitgestellt werden, beispielsweise im Rahmen des US-amerikanischen Inflation Reduction Act oder des Green Deal der EU.

Zu den Bereichen für Impact Investments zählen beispielsweise erneuerbare Energien, die Kreislaufwirtschaft, alternative Nahrungsmittelproduktion oder Bio-Ersatz für Kunststoffe. Konsumthemen seien dagegen momentan nicht mehr so gefragt, meint die Mitgründerin von Better Ventures. Lieferdienste und B2C-Plattformen hatten nach Ansicht von Branchenbeobachtern ihren Höhepunkt in den Pandemiejahren erreicht.

Das Start-up Ecoplanet, ein B2B-Energiemanager, hat jetzt aus dem Netzwerk in einer Finanzierungsrunde erfolgreich 2,6 Millionen Euro eingesammelt. Die Finanzierung fand unter der Führung des Risikokapitalgebers HV Capital statt. Beteiligt waren Investoren wie Gerhard Cromme, ehemaliger Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens.

Zu den Bereichen für Impact-Investments zählen beispielsweise erneuerbare Energien, die Kreislaufwirtschaft, alternative Nahrungsmittelproduktion oder Bio-Ersatz für Kunststoffe.

Foto: AP

Durch die Nutzung von Smart-Meter-Daten, die über digitale Messgeräte generiert werden, hilft Ecoplanet mittelständischen Industrieunternehmen, Kosten zu sparen und ihre Nachhaltigkeitsziele zu erreichen. Und der Solar-Dienstleister Infravoltaic hat laut Better Ventures in einer frühen Unternehmensphase eine sogenannte Pre-Seed-Finanzierung über eine Million Euro eingesammelt.

„Ich bin überzeugt, die nächsten 1000 Einhörner werden im weitesten Sinne grüne Tech-Firmen sein“, meint Dreimann im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Branche hofft auf ähnliche Renditen wie im klassischen Risikokapital-Geschäft – aber noch fehlen einheitliche Standards

Mittlerweile umfasst Better Ventures laut Managerin Dreimann über 60 Unternehmer und Unternehmerinnen, die jeweils für mindestens fünf Jahre Kapital geben. Die Klubmitglieder reservierten bisher insgesamt weit über 50 Millionen Euro für Investments. Im Schnitt werden pro Monat ein bis zwei Investments getätigt.

Die Mitglieder im Klub sind keine Philanthropen, die auf eine angemessene Verzinsung ihres Kapitals verzichten würden. Sie wollen ähnlich hohe Renditen erzielen wie die klassischen Risikokapitalgeber. In der Venture-Capital-Branche sind bisher zweistellige Renditen der Fonds üblich gewesen.

Analysen der Bundesinitiative Impact Investing zeigen, dass die Investoren erwarten, dass nachhaltige Investments nicht schlechter abschneiden als klassische Beteiligungsfonds.

Träger der Initiative sind die Bertelsmann-Stiftung, die BMW Foundation Herbert Quandt, der Bundesverband Deutscher Stiftungen und die Impact-Beratung Phineo.

Noch fehlen einheitliche Standards, um die Wirkung von Impact-Investments zu messen.

Foto: dpa

Gefahr des Greenwashings – Geldgeber sehen sich in der Verantwortung

Impact Investments seien ein Modethema geworden, sagt Tina Dreimann. Es bestehe daher die Gefahr, dass der Begriff missbraucht wird. Man müsse aufpassen, dass der Erfolg der Impact-Idee nicht durch den Boom gefährdet wird – ähnlich dem Greenwashing bei grünen Publikumsfonds.

„Deshalb gefällt mir der Satz von Spider-Man: ‚With great power comes great responsibility‘‘“, sagt Dreimann. Mit dem wachsenden Mittelzufluss wächst die Verantwortung der Geldmanager, auch wirklich eine Wirkung für die Gesellschaft zu erzielen. Eine hohe Nachfrage birgt die Gefahr, dass unseriöse Anbieter auf den Plan gerufen werden. Außerdem fehlen noch einheitliche Standards, um die Wirkung der Investments zu messen.

Investorenklub investiert im Schnitt 250.000 Euro in früher Start-up-Phase

Die Klubmitglieder planen 20 weitere Investments in den nächsten zwölf Monaten. In den letzten Monaten wurden nach eigenen Angaben Teams in den Bereichen Energie und Energieeffizienz, Kreislaufwirtschaft, Nahrungsmittel und Agrartechnologien unterstützt, wie unter anderem 42Watt (Energieberatung), Oxyle (Wasserreinigung) und Magnotherm (Kühlsysteme).

Im Schnitt investieren die Mitglieder von Better Ventures 250.000 Euro in der frühen Start-up-Phase. Bei Folgeinvestments oder bei starkem Interesse aus dem Klub heraus seien auch deutlich höhere Summen gestellt worden. Neben Kapital geben die Investoren vor allem auch ihre unternehmerische Erfahrung weiter.

Die Investments in nachhaltige Geschäftsmodelle gehören zu den wenigen Lichtblicken im europäischen Markt für Risikokapital. Im ersten Quartal fiel der Transaktionswert laut neuen Zahlen von Pitchbook gegenüber dem Vorquartal um 32 Prozent auf 11,8 Milliarden Euro, populäre Felder für Investments wie Finanzdienstleister und IT-Firmen seien unter Druck geraten.

Die Deals im Bereich Clean Energy würden dagegen zunehmen, weil weltweit in erneuerbare Energien investiert werde, heißt es bei Pitchbook.

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