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Dax-UmfrageExtreme Stimmung unter US-Anlegern wird zur Gefahr für den Dax

Während deutsche Anleger vorsichtig bleiben, werden US-Investoren immer euphorischer. Wird ihre Erwartung enttäuscht, dürfte das auch den Dax treffen.Andreas Neuhaus 12.06.2023 - 15:08 Uhr Artikel anhören

Dax-Anleger bleiben skeptisch.

Foto: dpa

Düsseldorf. Der deutsche Aktienmarkt kann den US-Börsen aktuell nicht folgen: Während der deutsche Leitindex Dax in eine erneute Seitwärtsphase rund um die Marke von 16.000 Punkten übergegangen ist, hat der marktbreite US-Index S&P 500 ein Jahreshoch erreicht. Dementsprechend unterschiedlich ist auch die Marktstimmung (Sentiment) dies- und jenseits des Atlantiks.

Wie die Handelsblatt-Umfrage Dax-Sentiment unter mehr als 8000 Privatanlegerinnen und -anlegern zeigt, ist die Stimmung in Deutschland neutral, wobei die Erwartungen negativer werden, beobachtet Sentimentexperte Stephan Heibel. Er wertet die wöchentliche Umfrage aus und ergänzt sie um weitere Indikatoren – und diese zeigen an, dass die Stimmung in den USA nahezu euphorisch ist. Diese Diskrepanz hat ihre Tücken.

In Deutschland sieht Heibel zwei mögliche Gründe für die vergleichsweise schlechte Laune: zum einen die schwächeren Konjunkturdaten aus China. Sie legen nahe, dass die erhoffte wirtschaftliche Erholung in China nach dem Ende der Covidrestriktionen langsamer läuft als erwartet.

Als zweiten möglichen Faktor sieht Heibel die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). „Mag sein, dass die Angst vor der nächsten Zinserhöhung durch die EZB am kommenden Donnerstag auf der Kauflaune der Anleger lastet“, spekuliert der Geschäftsführer des Analysehauses AnimusX.

Das Anlegersentiment ist dadurch von 1,0 auf 0,1 Punkte gefallen. Die Gruppe derer, die den Dax aktuell in einem Aufwärtstrend sehen, ist um 13 Prozentpunkte geschrumpft, dafür ist die Gruppe derer, die das Frankfurter Börsenbarometer in einer Seitwärtsphase verorten, um zwölf Prozentpunkte gestiegen. Die Grundstimmung ist dadurch als neutral einzustufen.

Die Selbstgefälligkeit ist währenddessen von minus 0,6 auf plus 0,1 gestiegen. Der Großteil der Anleger hat also den moderaten Wochenverlust von 0,7 Prozent im Dax erwartet. „Anleger werten die Wochenentwicklung als überfällige Verschnaufpause, die zum Glück auf hohem Niveau erfolgt“, sagt Heibel.

Allerdings werden die Umfrageteilnehmer pessimistischer: Die Zukunftserwartung ist weiter gesunken, von minus 1,9 auf nun minus 2,2 Punkte. Nur noch rund jeder Fünfte erwartet in drei Monaten steigende Kurse.

Dementsprechend ist auch die Investitionsbereitschaft zurückgegangen, von 0,6 auf nun 0,0 Punkte. „Anleger sehen derzeit keine Veranlassung, neue Positionen einzugehen“, beobachtet Heibel.

Passend zur pessimistischen Zukunftserwartung bauen die Privatanleger auch ihre Absicherungspositionen aus.

Das Euwax-Sentiment der Börse Stuttgart, an der Privatanleger handeln, ist auf minus vier zurückgegangen. Das bedeutet, dass Anleger eher von fallenden Kursen ausgehen und dementsprechend vermehrt Put-Optionen kaufen, die bei fallenden Kursen im Wert steigen.

Dax nach unten abgesichert

Grundsätzlich sieht Heibel den Dax durch die pessimistische Zukunftserwartung und die ausgebauten Absicherungspositionen in einer guten Position. Denn eine Grundannahme der Sentimenttheorie ist, dass die Anlegerstimmung ein Kontraindikator ist.

Wenn die Anlegerinnen und Anleger pessimistisch sind, haben sie also mehrheitlich nicht investiert. Dann können nur noch wenige verkaufen und damit die Kurse drücken. Und wenn sie Absicherungspositionen aufbauen, bereiten sie sich auf fallende Kurse vor.

„Der starke Pessimismus in Deutschland bildet ein Sicherheitsnetz unter dem Dax, sollte es nochmals zu Rückschlägen kommen“, erklärt Heibel. Bei leichten Entwicklungen dürfte dieses Netz auch halten, glaubt er: „Und je länger sich der Dax auf dem aktuellen Niveau halten kann, desto mehr Anleger werden Druck verspüren, Positionen aufzubauen, um einen eventuellen Ausbruch nach oben nicht zu verpassen.“

Im Falle eines Stimmungsumschwungs in den USA könnte allerdings auch der Dax deutlich fallen, warnt Heibel: „Wir wissen, dass der Dax überwiegend dem großen Bruder aus den USA, dem S&P 500, folgt. Sollten die US-Märkte einbrechen, so werden die deutschen Anleger kaum in der Lage sein, ein Abrutschen des Dax zu verhindern.“

Marktstimmung in den USA ist extrem

Aktuell gibt es allerdings keine konkreten Hinweise auf einen baldigen Kurseinbruch in den USA – der S&P 500 ist sogar gerade erst in einen Bullenmarkt eingetreten, also eine Phase, die anhaltend steigende Kurse verspricht.

Als Kurstreiber hat Heibel die KI-Revolution und die damit zusammenhängende Rally von mittelbar oder eventuell betroffenen Unternehmen ausgemacht sowie Hoffnungen auf ein Ende der Zinserhöhungen in den USA und eine Annäherung zwischen China und den USA in geopolitischen Fragen.

Ein Warnsignal sieht der Sentimentexperte aber in der extrem guten Anlegerstimmung in den USA:

  • An der Chicagoer Terminbörse CBOE liegt das Verhältnis zwischen den gehandelten Put-Optionen, mit denen sich Anleger absichern, und den gehandelten Call-Optionen, mit denen Anleger von steigenden Kursen profitieren, im neutralen Bereich. „US-Anleger sehen wenig Veranlassung für den Kauf von Absicherungspositionen“, fasst Heibel zusammen.
  • US-Fondsmanager haben ihre Investitionsquote von 54 auf 90 Prozent angehoben. So stark waren die Profis seit Kriegsausbruch nicht mehr investiert.
  • Der Anteil der Bullen, also der optimistischen Anleger, ist mit 44,5 Prozent so hoch wie seit einem Jahr nicht mehr. Die Differenz zwischen dem Anteil der Bullen am Markt und den pessimistischen Bären ist dadurch von minus acht auf plus 20 Prozentpunkte gesprungen.
  • Der technische „Angst-und-Gier-Indikator“ des S&P 500 zeigt mit einem Wert von 78 Prozent bereits extreme Gier für US-Anleger an. Auch der wesentlich schneller schwankende technische Indikator „Short-Range Oscillator“ deutet auf eine überkaufte Marktverfassung hin.

Auch hier wirkt die Stimmung als Kontraindikator: Wenn viele Anlegerinnen und Anleger optimistisch sind, haben sie bereits investiert. Dann bleiben nur wenige übrig, die noch kaufen und damit die Kurse weiter in die Höhe treiben können.

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Vor dem Hintergrund der widersprüchlichen Signale aus Deutschland und den USA drängt sich aus Heibels Sicht keine „überzeugende Aktion“ für Anleger auf. Der Herausgeber des Börsenbriefs „Heibel-Ticker“ empfiehlt daher: „Ich würde abwarten, bis sich die Stimmungslage wieder ein wenig deutlicher zeigt.“

Sie wollen an der Umfrage teilnehmen? Dann lassen Sie sich automatisch über den Start der Sentimentumfrage informieren und melden Sie sich für den Dax-Sentiment-Newsletter an. Die Umfrage startet jeden Freitagmorgen und endet Sonntagmittag.

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