Kommentar: Gehälter bei der Deutschen Bank: Arme Aktionäre, glückliche Banker

Kritiker der DWS werfen der Fondstochter der Deutschen Bank vor, dass sie ihr Engagement für nachhaltige Investments systematisch zu positiv dargestellt hat.
Foto: ReutersWenn sich an diesem Donnerstag die Aktionäre der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS zur virtuellen Hauptversammlung treffen, steht ein Streitthema bereits fest: Der einflussreiche Aktionärsberater Glass Lewis empfiehlt seinen Kunden, den Vergütungsbericht abzulehnen. Grund: die zu hohe Abfindung für den alten Chef Asoka Wöhrmann, der über eine Reihe von Skandalen stolperte, und das zu hohe Gehalt für seinen Nachfolger Stefan Hoops.
Allzu große Sorgen über das Abstimmungsergebnis müssen sich die DWS und die Konzernmutter nicht machen, schließlich gehören 80 Prozent der Fondsgesellschaft der Deutschen Bank.
Aber die Kritik schmerzt, zumal sie gerechtfertigt ist: Es gibt viele Gründe, warum sich die Deutsche Bank und ihre Töchter bei der Entlohnung ihrer Mitarbeiter in Bescheidenheit üben sollten – nach all den traumatischen Erfahrungen, die sie ihren Aktionären in den vergangenen Jahren beschert haben.
Sicher, wer eine wettbewerbsfähige Bank oder eine wettbewerbsfähige Fondsgesellschaft haben will, der muss auch international wettbewerbsfähige Gehälter zahlen. Aber klar ist auch: Wer die Stakeholder der Deutschen Bank in Gewinner und Verlierer einteilen will, der kommt zu einem sehr klaren Ergebnis.
In den vergangenen zehn Jahren hat das größte heimische Geldhaus 23,5 Milliarden Euro Boni an seine Mitarbeiter gezahlt, das hat die bankenkritische Bürgerinitiative Finanzwende ausgerechnet. Im selben Zeitraum flossen magere 3,3 Milliarden Euro an Dividenden an die Aktionäre, die gleichzeitig noch mehrere Kapitalerhöhungen über insgesamt rund 16 Milliarden Euro schultern mussten.
Von den Kursverlusten der Deutsche-Bank-Aktie gar nicht zu reden – sie summierten sich in den vergangenen zehn Jahren auf deutlich über 60 Prozent.