Verbraucherinsolvenz: Warum Privatleute in die Schuldenfalle geraten – Zahl der Betroffenen sinkt
Die mittlere Schuldenhöhe der Ratsuchenden liegt bei gut 16.500 Euro.
Foto: dpaBerlin. Arbeitslosigkeit bleibt der Hauptgrund für eine Überschuldung deutscher Privatpersonen: In knapp 20 Prozent der Fälle treffe dies zu, zeigt der neue Überschuldungsreport des Instituts für Finanzdienstleistungen (IFF).
Es folgen Krankheit (knapp 13 Prozent) und Scheidung/Trennung (gut zehn Prozent). Mehr als zehn Prozent rutschen wegen eines zu geringen Einkommens in die Verschuldung. Das wirft ein Schlaglicht auf den Niedriglohnsektor, in dem nach Angaben des Statistischen Bundesamts 2022 knapp 20 Prozent der Beschäftigten in Deutschland tätig waren.
Eine gescheiterte Selbstständigkeit wird in 8,4 Prozent der Fälle der Hauptgrund. Allerdings schätzt das IFF die Betroffenheit dieser Zielgruppe deutlicher höher ein, da für sie nur ein lückenhaftes Beratungsangebot bestehe.
Jährlich legt das IFF gemeinsam mit der Stiftung Deutschland im Plus eine bundesweite Studie zur Situation überschuldeter Haushalte in Deutschland vor. Basis für diese nicht repräsentative Studie ist beispielsweise die Auswertung von mehr als 16.400 Beratungen, die 78 Schuldnerberatungsstellen 2022 begonnen haben.
Eine Überschuldung liegt dann vor, wenn der Schuldner die Summe seiner Zahlungsverpflichtungen mit großer Wahrscheinlichkeit über einen längeren Zeitraum nicht begleichen kann.
Zahl der überschuldeten Personen sinkt
Nach den letzten von der Auskunftei Creditreform erhobenen Zahlen aus dem Jahr 2022 ist die Zahl überschuldeter Personen um rund 274.000 Fälle auf 5,9 Millionen zurückgegangen. Damit sank die Überschuldungsquote auf rund 8,5 Prozent.
Mit Blick auf steigende Energierechnungen und hohe Lebensmittelpreise rechnete Creditreform schon im vergangenen Jahr mit deutlich steigenden Überschuldungszahlen. Der Staat sorgte zwar durch Hilfszahlungen für Entlastungen, doch konnten diese die gestiegenen Kosten nicht gänzlich ausgleichen.
Hinzu kommt, dass private Haushalte mit niedrigem Einkommen in der Regel am stärksten unter der Inflation leiden. Sie geben einen höheren Prozentsatz für Grundbedürfnisse wie Wohnen und Nahrungsmittel aus als Haushalte mit höherem Einkommen.
Nach Einschätzung von Creditreform ist derjenige finanziell gefährdet, der mehr als zehn Prozent seines Haushaltseinkommens für Gas, Wasser und Strom ausgibt. Im Frühjahr 2022 galt das bereits für 25 Prozent der Haushalte.
Die mittlere Schuldenhöhe der Ratsuchenden taxiert das IFF bei gut 16.500 Euro. 35 Prozent der Ratsuchenden haben weniger als 10.000 Euro Schulden, 21 Prozent kommen auf finanzielle Verpflichtungen von mehr als 41.000 Euro.
In vielen Fällen können die Betroffenen die finanzielle Situation nicht aus eigener Kraft verbessern. In knapp 42 Prozent der Fälle mündet die Beratung in ein Verbraucherinsolvenzverfahren, berichtet das IFF. Der Gesetzgeber hat das Verfahren verkürzt. Nach drei Jahren können die Verbraucher schuldenbefreit einen finanziellen Neustart wagen.
Hohe Verbindlichkeiten im Saarland
Die regionale Verteilung zeigt: Verschuldete Personen im Saarland drücken besonders hohe Verbindlichkeiten. Mit 34.308 Euro pro Kopf waren sie im vergangenen Jahr am stärksten belastet, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das entspreche dem 31-Fachen ihres durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens von 1102 Euro.
Besonders hohe Werte der Überschuldungsintensität wiesen neben dem Saarland auch Rheinland-Pfalz und Bayern auf. Dort betrug die durchschnittliche Schuldenhöhe jeweils das 28-Fache des Nettoeinkommens. Die niedrigsten Werte weisen Hamburg sowie Mecklenburg-Vorpommern mit dem Faktor 22 auf.