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Daniel KretinskyTschechischer Metro-Miteigner baut Handelsimperium auf

Daniel Kretinsky will den angeschlagenen französischen Supermarktriesen Casino übernehmen. Es ist der jüngste Schachzug des Metro-Großaktionärs im europäischen Handel.Florian Kolf, Gregor Waschinski 19.07.2023 - 12:33 Uhr Artikel anhören

Der tschechische Milliardär baut ein europäisches Handelsimperium auf.

Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Paris. Vor vier Jahren stieg der tschechische Milliardär Daniel Kretinsky mit einer Minderheitsbeteiligung beim französischen Supermarktriesen Casino ein. Jetzt soll er die hochverschuldete Gruppe retten. Am späten Montagabend entschied die Unternehmensführung, nur mit Kretinsky und seinen Partnern über eine Übernahme zu verhandeln.

Für den Handelssektor in Frankreich bedeutet das eine Revolution: Zum ersten Mal könnte eine der traditionsreichen Handelsketten des Landes nicht mehr in französischer Hand sein.

In der Vergangenheit waren ausländische Interessen stets abgeblockt worden, nicht zuletzt durch politischen Druck aus Paris.

Die Ambitionen von Kretinsky, der sein auf zehn Milliarden Euro geschätztes Vermögen mit Kohle und Gas machte, reichen weit über Frankreich hinaus. Der 48-jährige Investor baut mit den Gewinnen aus dem fossilen Energiegeschäft ein Handelsimperium auf.

In Deutschland weitete er in den vergangenen Jahren seine Macht beim Großhändler Metro aus. Dazu kommen Beteiligungen an der französischen Elektronikkette Fnac Darty und am britischen Supermarktbetreiber Sainsbury’s. Auch am US-Schuhhändler Foot Locker hält er Anteile.

Casino-Übernahme wäre Kretinskys größter Coup

Der Handel sei „eine unserer Investitionsachsen“, sagte Kretinsky vor einigen Tagen der französischen Wirtschaftszeitung „Les Échos“. Seine Philosophie sei es, in die Grundbedürfnisse der Bevölkerung zu investieren. „Das trifft auf die Energie zu, und das trifft auch auf die Lebensmittelbranche zu.“

Die traditionsreiche Supermarktkette schreibt hohe Verluste.

Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Die angestrebte Casino-Übernahme ist der bislang größte Coup von Kretinsky, der sich für das Projekt mit der Investmentfirma Fimalac des französischen Milliardärs Marc Ladreit de Lacharrière verbündet hat. Der Einzelhändler machte im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 34 Milliarden Euro. Die Casino-Gruppe beschäftigt gut 50.000 Menschen in Frankreich und rund 200.000 Menschen weltweit.

Allerdings ist Casino mit 6,4 Milliarden Euro auch hochverschuldet. Die Marktanteile im hart umkämpften französischen Einzelhandel sackten zuletzt ab, Medienberichten zufolge schreibt die Gruppe derzeit jeden Monat einen Verlust von 100 Millionen Euro.

Der Plan, mit dem Kretinsky nun die Unternehmensführung und die großen Gläubiger überzeugen konnte, sieht unter anderem eine Kapitalspritze von 1,2 Milliarden Euro vor. Insgesamt soll die Schuldenlast um fast fünf Milliarden Euro gedrückt werden.

„Die Strategie von Kretinsky ist, Casino durch Verhandlungen mit den Gläubigern und frisches Kapital zu entschulden“, sagt Olivier Salomon von der Beratungsfirma Alix Partners. Für den Investor aus Tschechien könne sich der Deal lohnen, da der Konzern derzeit stark unterbewertet sei.

Milliardär bezeichnet sich selbst als „frankophil“

„Casino verfügt über ein Filialnetz von hoher Qualität“, erklärt Salomon. Die Gruppe habe viele Märkte in Innenstadtlagen und sei auch im Großraum Paris stark vertreten. Dazu kämen weitere bekannte Marken: Dem Unternehmen gehören neben den Casino-Märkten auch Ketten wie Monoprix und Franprix.

Kretinsky sagte „Les Échos“, dass er mit der Casino-Übernahme nicht nur Geschäftsinteressen verfolge. „Es gibt auch eine emotionale Dimension: Ich bin frankophil.“ In seiner tschechischen Heimat lernte der Sohn eines Informatikprofessors und einer Richterin in der Schule Französisch, reiste mit Austauschprogrammen nach Frankreich.

Später studierte Kretinsky in Dijon Jura und arbeitete kurzzeitig in seiner tschechischen Heimatstadt Brünn als Anwalt, ehe er sich in der Investmentbranche mit Energiedeals einen Namen machte. In Deutschland kaufte er mit seiner Energeticky a Prumyslovy Holding (EPH) Kohlekraftwerke auf.

Seine Handelsbeteiligungen hält Kretinsky über verschiedene Holdings unter dem Dach seiner EP Gruppe. Die Anteile an Fnac Darty, Casino und Sainsbury’s liegen in der Vesa Equity Investment. Für den 45-Prozent-Anteil am deutschen Großhändler Metro hat er die EP Global Commerce gegründet.

An beiden ist sein langjähriger Geschäftspartner Patrik Tkac mit einem Anteil von unter 50 Prozent beteiligt. Über die EP Group hält Kretinsky auch noch eine 50-Prozent-Beteiligung an der spanischen Supermarktkette Grupo Eroski.

Vor Kurzem erst hat der tschechische Milliardär seine Energie-Holding EPH gesellschaftsrechtlich klar von seinen anderen Beteiligungen getrennt und dabei seine Ambitionen auch im Handelsbereich noch mal deutlich betont. Groß- und Einzelhandel mit Offline- und Onlineaktivitäten könnten sich schnell zu einem Standbein mit ähnlicher Wirtschaftskraft entwickeln wie der Energiesektor, erklärte der Investor.

Komplettübernahme von Metro scheiterte bisher

In Deutschland scheiterte sein Ehrgeiz, Metro komplett zu übernehmen, vorläufig an den restlichen Großaktionären. Diese waren bisher nicht bereit, ihre Anteile abzugeben. Kretinsky hat sich mittlerweile aber mit den Holdinggesellschaften der Familien der Metro-Gründer Schmidt-Ruthenbeck und Beisheim arrangiert und stimmt sich mit ihnen strategisch ab.

Gemeinsam haben sie vor zwei Jahren Steffen Greubel als Vorstandschef installiert, der das Unternehmen recht erfolgreich zu einem reinen Großhändler mit einem steigenden Anteil an Liefergeschäft ausrichtet. Kretinsky ist bei Metro kein stiller Teilhaber, sondern durchaus gewillt mitzureden: Er hat seinen Anteil schrittweise auf 45,6 Prozent ausgebaut und stellt seit diesem Jahr vier Mitglieder im Aufsichtsrat.

Kretinsky ist mit über 40 Prozent an dem deutschen Konzern beteiligt.

Foto: Handelsblatt

Auch wenn Kretinsky die Betreuung seiner Beteiligungen an Vertrauenspersonen delegiert hat, ist er doch in viele Details persönlich involviert. Vor dem Einstieg bei Metro beschäftigte er sich etwa wochenlang mit dem Handelsmarkt und entwickelte sehr klare Vorstellungen für die Ausrichtung des Unternehmens.

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Mit Blick auf seine Casino-Pläne sagte er zu „Les Échos“: „Es ist einfacher, in eine traditionelle Branche wie den Lebensmitteleinzelhandel zu investieren als in neue Technologien, wo man Experte sein muss.“ Die Erfahrungswerte im Handel seien größer und erlaubten „einen objektiven Blick auf den Markt“.

Erstpublikation: 18.07.2023, 13:23 Uhr.

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