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  4. Stabile Gesellschaft: Zwei Prozent Inflation sollten die Zielmarke bleiben

KommentarWarum niemand am Inflationsziel von zwei Prozent rütteln sollte

Gerade kommen wieder vermeintlich gute ökonomische Gründe für eine etwas höhere Inflation ins Gespräch. Aber politisch ist das Thema einfach zu brisant.Frank Wiebe 21.08.2023 - 20:19 Uhr
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Die Konferenz internationaler Notenbanker und Ökonomen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming beginnt am Donnerstag.

Foto: Bloomberg

Es ist eine Frage, die immer wieder auftaucht: Wo genau sollte das Inflationsziel von Notenbanken wie der Fed in den USA oder der Europäischen Zentralbank (EZB) liegen? Harvard-Ökonom Jason Furman hat jetzt im „Wall Street Journal“ vorgeschlagen, das Ziel der Fed von zwei auf drei Prozent anzuheben.

Furman ist ein Ökonom mit viel politischer Erfahrung, weil er früher den Ökonomischen Beirat des Weißen Hauses geleitet hat. Er ist eher für vorsichtig formulierte Vorschläge als für Provokationen bekannt.

Entsprechend weist er auch darauf hin, der Übergang zu einem höheren Inflationsziel dürfe erst in Angriff genommen werden, wenn die Preise wirklich unter Kontrolle gekommen sind, um nicht die Glaubwürdigkeit der Geldpolitik zu gefährden.

Möglicherweise wird das Thema auch bei der Konferenz internationaler Notenbanker und Ökonomen in Jackson Hole im US-Bundesstaat Wyoming eine Rolle spielen, die am Donnerstag beginnt. Allerdings dürften weder Fed-Chef Jerome Powell noch EZB-Chefin Christine Lagarde näher darauf eingehen.

Denn alles in allem wäre es nicht nur ein Fehler, das Thema zu früh anzusprechen. Es wäre auch ein Fehler, überhaupt an den zwei Prozent, die zurzeit fast alle großen Notenbanken als Ziel haben, etwas zu verändern. Die Nachteile würden die Vorteile überwiegen.

Stabiles Geld für eine stabile Gesellschaft

Furman nennt Vorteile, die gut nachvollziehbar sind. Eine Wirtschaft mit einem höheren Inflationsziel ist flexibler. Es ist leichter, bei etwas höherer Inflation in Lohnverhandlungen eine Nullrunde zu vereinbaren, um die Reallöhne zu senken, als direkt Löhne zu kürzen. Genauso können Notenbanken bei höherer Inflation bei Bedarf die realen Zinsen leichter ins Minus drücken.

Außerdem kann es immer wieder Situationen geben – und auf eine solche steuern wir gerade zu – wo der Versuch, den letzten Prozentpunkt Inflation bis zum Ziel abzubauen, mit den Risiken einer Rezession und höherer Arbeitslosigkeit verbunden ist.

Laut Furman sei eine Wirtschaft mit einem höheren Inflationsziel flexibler.

Foto: AP

Furmans Vorschlag ist also aus praktischen Gründen durchaus nachvollziehbar. Trotzdem spricht zu viel dagegen. Besonders in Deutschland, aber durchaus auch in den USA, reagieren viele Bürger extrem auf Inflation. Oft genug fragen sich die Menschen bereits jetzt, warum eigentlich zwei Prozent und nicht null Prozent Inflation das Ziel seien.

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Verunsicherung in dem Bereich oder der Verdacht, dass die Geldentwertung gar nicht entschieden genug bekämpft wird, kann üble Auswirkungen bis in die Politik haben. Und die Entwertung ist ja beträchtlich: Bei zwei Prozent Inflation sind es rund 18 Prozent in zehn Jahren, bei drei Prozent Inflation sogar gut 25 Prozent.

Zwar wird das durch höhere Nominalzinsen bei höherer Inflation zum Teil ausgeglichen. Aber letztlich ist stabiles Geld auch ein Pfeiler einer stabilen Gesellschaft.

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