Kommentar: Söder geht im Fall Aiwanger einen gefährlichen Mittelweg

Bayerns Regierungschef hält an Hubert Aiwanger fest, legt ihm aber einen Fragenkatalog vor.
Foto: ddp/Sven SimonWenn der Sturm von vorn bläst, gilt es, sich dem mit Macht entgegenzustemmen, statt sich zu verkriechen. Der ehemalige Journalist Markus Söder kennt die Weisheit der Krisenkommunikatoren und hat sich entschieden – für einen gefährlichen Mittelweg.
Vielmehr hat Söder nach Bekanntwerden der Vorwürfe den Koalitionsausschuss zusammengerufen. Nun soll Aiwanger nachsitzen und 25 Fragen beantworten und alle letzten Zweifel ausräumen. Es soll niemand sagen, in den Reihen einer CSU-geführten Landesregierung säße ein Antisemit.
Unter normalen Umständen hätte Söder die Schwäche des Koalitionspartners weidlich ausgenutzt. Sechs Wochen vor der Landtagswahl aber geht es um mehr als eine Männerrivalität. Aiwanger zieht seit Monaten durch die Bierzelte und wird dort bejubelt, wenn er gegen den Bund wettert und dazu aufruft, sich die Demokratie zurückzuholen. So gelingt Aiwanger, woran Söder vor fünf Jahren scheiterte und was der CSU das schlechteste Ergebnis seit 1950 einbrachte: Aiwanger hält die AfD in Schach.
Söder braucht Aiwanger. Sein Rausschmiss würde die Regierung in die Krise stürzen und der Opposition Aufwind geben. Freie Wähler, von denen viele einst CSU gewählt haben, würden indes sicher nicht aus Dank wieder ihr Kreuz bei der CSU machen.
Söder liefe Gefahr, nach der Wahl womöglich mit den Grünen über eine Koalition verhandeln zu müssen. Zunächst aber muss er eine ganz andere Gefahr bannen: Die, dass die Wählerschaft ihm nun Zögerlichkeit in der Causa Aiwanger vorwirft. Es geht jetzt um die Glaubwürdigkeit des Ministerpräsidenten Söder.