Banken-Gipfel: Targobank-Chefin fordert von Banken mehr Diversität
Isabelle Chevelard, die Vorstandsvorsitzende der Targobank, war zu Gast auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts.
Foto: Marc-Steffen UngerFrankfurt. Um in Zeiten des Fachkräftemangels und internationalen Wettbewerbs nicht abgehängt zu werden, müssen Banken und andere Unternehmen der Finanzbranche ihre Führungsetagen diverser zusammensetzen. Dafür hat Isabelle Chevelard, Vorstandsvorsitzende der Targobank, auf dem Banken-Gipfel des Handelsblatts geworben. Nur wer alle Perspektiven berücksichtige, könne fundierte Entscheidungen treffen, sagte Chevelard vor den rund 500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Frankfurt.
Immer mehr Firmen arbeiten aktuell an Strategien, um Vielfalt in den Unternehmensalltag zu integrieren. Teilweise geben sie damit dem gesellschaftlichen Druck nach Diversität nach, teilweise erhoffen sie sich wirtschaftliche Vorteile.
Denn Studien zeigen: Unternehmen sind erfolgreicher, wenn Teams vielfältig sind. Eine Analyse der Unternehmensberatung McKinsey kam 2020 zu dem Ergebnis, dass Firmen mit einer gleichmäßigen Geschlechterverteilung eine um 25 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit haben, überdurchschnittlich profitabel zu sein.
Die Kombination unterschiedlicher Perspektiven befeuere Innovationen, mache Teams besser in der Risikoabwägung und in vielen Kontexten profitabler, sagte Chevelard. Das Team könne mehrere verschiedene Aspekte betrachten, die sonst übersehen werden würden.
Im Finanzsektor sei dieser Umschwung noch nicht vollends angekommen, kritisiert Chevelard. Vielmehr seien die Managementpositionen vieler deutscher Finanzunternehmen weiterhin männerdominiert. Laut einer im Januar 2022 veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) lag der Frauenanteil auf der ersten Führungsebene bei 18 Prozent und auf der zweiten Führungsebene bei 28 Prozent. Auch Menschen mit Migrationshintergrund und anderer sexuellen Orientierung seien kaum in den Führungsetagen vertreten.
Frauen in Deutschland verdienen weiter weniger
Die Targobank habe Mitarbeiter aus über 80 Nationen und lebe Vielfalt seit vielen Jahren, berichtet Chevelard. Die Führungsebene bestehe zu 35 Prozent aus Frauen, einen strukturellen Gender Pay Gap gebe es nicht. Dennoch sei man noch nicht am Ziel angekommen.
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Laut Statistischem Bundesamt verdienten Frauen in Deutschland im Jahr 2022 durchschnittlich 18 Prozent weniger pro Stunde als Männer. Frauen mit vergleichbarer Qualifikation, Tätigkeit und Erwerbsbiografie verdienten durchschnittlich sieben Prozent weniger pro Stunde als ihre männlichen Kollegen.
Um als moderne Arbeitgeber wahrgenommen zu werden, müssten auch die deutschen Banken breitere Diversitätsstrategien umsetzen, plädiert Isabelle Chevelard. Sie mahnt: „Diversity und die damit verbundene Anpassungsfähigkeit sind entscheidende Erfolgsfaktoren für Unternehmen.“ Dies gelte insbesondere im Hinblick auf die ethnische und demografische Zusammensetzung der Bevölkerung mit immer besser ausgebildeten Frauen.
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Diversität faktisch umzusetzen bedeute viel Arbeit – und Zeit. Aber Chevelard ist sich sicher: „Es lohnt sich!“