Geldanlage: Wie Sie beim Sparen Geld verlieren
Selbst mit den derzeit hohen Zinsen gelingt es nicht, die Inflation auszugleichen.
Foto: dpaKöln. Wer auf ein Tagesgeldkonto vertraut, kann sich über die Zinserhöhungen der EZB freuen. Bis zu 4,0 Prozent gibt es inzwischen auf das Ersparte. Das Problem: Selbst damit gelingt es nicht, die Inflation auszugleichen – im August lag sie in Deutschland bei 6,1 Prozent. Zudem gibt es die Topzinsangebote meist nur für Sparer, die ihre Bank wechseln. Wer seinem Kreditinstitut treu bleibt, muss sich in der Regel mit geringeren Zinsen bescheiden.
Für einen langfristigen Vermögensaufbau braucht es renditeträchtigere Anlagen wie etwa Aktien. Allein: Was auf Dauer Sinn ergibt, kann kurzfristig Sorgen bereiten. In den ersten Monaten der Pandemie 2020 und auch 2022 brachen die Kurse ein, was manchem Anleger schlaflose Nächte bereitete. Wer das vermeiden möchte, kann zu einer weniger aufregenden Variante greifen: der fondsgebundenen Rentenversicherung.
Geldanlage: Anleger wählen Fonds selbst aus
Fondsgebundene Rentenversicherungen investieren die Sparraten der Kunden anders als klassische Rentenversicherungen in aktiv gemanagte Investmentfonds und Indexfonds wie ETFs. Viele Kunden überlassen den Assekuranzen die Wahl der Einzelfonds und geben nur eine grobe Investment-Richtung vor – defensiv, ausgewogen oder dynamisch mit jeweils unterschiedlichen Aktienanteilen.
Aktivere Kunden dagegen verzichten auf diese „gemanagten Policen“ und suchen ihre Fonds selbst aus. Zur Wahl stehen vor allem Aktienfonds und Mischfonds, aber auch risikoärmere Renten- und Geldmarktfonds.
Sinn ergeben letztgenannte Produkte über die langen Anlagezeiträume kaum. Kein Wunder, dass mehr als zwei Drittel der Neuanlagen in Fonds und ETFs fließen, die auf Aktien oder Aktienindizes setzen.
Die Versicherten können in ihren Policen die Fonds nahezu nach Belieben austauschen. „Von dieser Möglichkeit sollten sie auch Gebrauch machen“, erläutert Romina Röpke, Studienleiterin bei Assekurata. „Denn die Rendite der Police hängt stark von Qualität und Kosten der eingesetzten Anlagevehikel ab. Und gerade bei aktiv gemanagten Fonds bleibt sie selten über die gesamte Vertragslaufzeit auf konstant hohem Level.“
>> Lesen Sie auch: Diese Luxusuhren eignen sich wirklich als Geldanlage
Bereits zum neunten Mal hat Assekurata für das Handelsblatt die Portfolios der Anbieter fondsgebundener Rentenpolicen getestet. Die Kölner Ratingagentur untersuchte in diesem Jahr 1259 Fonds, die von den teilnehmenden Versicherungen für ihre aktuellsten Policen angeboten wurden. 85 davon blieben außen vor, weil sie noch nicht seit drei Jahren auf dem Markt sind. 1174 Fonds gingen letztlich in die Bewertung ein.
Wie im Vorjahr nahmen 31 Versicherer an der Umfrage teil. 13 Kandidaten erreichten mindestens 60 Punkte und damit die Bestnote „sehr gut“. Weitere 16 schnitten mit „gut“ ab, und zwei scheiterten knapp an der 50-Punkte-Durchschnittsmarke und mussten sich mit einem „Befriedigend“ begnügen. „Die Ergebnisse haben insgesamt das gute Vorjahresniveau bestätigt“, sagt Röpke. „Allerdings fällt die Punktespanne zwischen dem besten und dem schlechtesten Portfolio größer aus als 2022.“
Nachhaltige Angebote werden bei Anlegern beliebter
Zwei starke Trends haben sich auch in diesem Jahr bestätigt. Versicherer und deren Kundschaft setzen immer mehr auf nachhaltige Angebote und auf ETFs, die einen Index wie Dax, S&P 500 oder MSCI World abbilden. Diese sind mit 0,1 bis 0,5 Prozent Gebühren pro Jahr deutlich günstiger als die meisten aktiv gemanagten Fonds mit 1,5 bis 2,0 Prozent.
Rund die Hälfte der neu angelegten Gelder werden inzwischen in ETFs investiert. Von den zwölf populären Fonds, die von zehn oder mehr Versicherungen angeboten werden, sind fast alle ETFs oder indexnahe Produkte. Allein der größte deutsche Aktienfonds, der „DWS Top Dividende“, schafft als aktiv gemanagter Fonds den Sprung auf die Liste.
Noch ausgeprägter ist der Trend zur Nachhaltigkeit. Das liegt vor allem an der sogenannten „EU-Offenlegungsverordnung“. Seit März 2021 müssen die Fondsgesellschaften angeben, ob ihre Produkte besonderen ökologischen, ethischen und sozialen Ansprüchen genügen. So machen inzwischen konventionelle Fonds ohne Anlagebeschränkungen nur noch 31 Prozent der Angebote aus.
Die sogenannten „hellgrünen“ Fonds nach Artikel 8 der Offenlegungsverordnung, die besonders strittige Unternehmen oder Branchen ausschließen, stellen mit 60 Prozent bereits die Mehrheit. „Dunkelgrüne“ Fonds, für die noch strengere Regeln gelten, kommen auf neun Prozent. Auffällig ist die Konstanz der Ergebnisse. „Die Top 4 des Vorjahres sind auch diesmal vorn, obwohl sie ganz unterschiedliche Strategien anwenden“, sagt Assekurata-Expertin Röpke.
Die Top-Versicherungen haben verschiedene Strategien
So konnte die Huk-Coburg den Spitzenplatz verteidigen. Der Versicherer legte sogar noch einmal zwei Punkte auf 74 Punkte zu. „Einfach und kostengünstig“, fasst Michael Martin, Produktmanager für die fondsgebundene Rentenversicherung „Premium Rente“ bei Huk-Coburg, das Angebot zusammen.
Für die Premium Rente sind acht Fonds erhältlich. Sechs davon sind ETFs vom Marktführer iShares, die die wichtigsten Weltmärkte abbilden. Der siebte ist der im Haus gemanagte „Huk Welt Fonds“, der als Dachfonds 80 Prozent Aktien und Aktien-ETFs enthält. Denselben Fonds gibt es seit Kurzem auch in einer Nachhaltigkeitsvariante.
>> Lesen Sie auch: Wie Sie mit der 630-Euro-Formel reich in Rente gehen
Beide sind für gemanagte Produkte sehr günstig. Für den „Huk Welt Fonds“ fallen 0,36 Prozent Kosten pro Jahr an, für den „Huk Welt Fonds Nachhaltigkeit“ 0,47 Prozent. Die junge Nachhaltigkeitsvariante ging noch nicht in die Assekurata-Wertung ein. „Allerdings merken wir, dass Nachhaltigkeit bei unseren Kunden an Bedeutung gewinnt“, sagt Martin. „Rund 20 Prozent der neuen Sparbeiträge wanderten zuletzt in nachhaltige Fonds.“
Platz zwei erreicht wie schon im vergangenen Jahr der Versicherer im Raum der Kirchen. Das Angebotsportfolio ist weitgehend identisch mit dem der Huk-Coburg, die das Portfolio für den Kirchenversicherer steuert. Nur der gemanagte Fonds unter‧scheidet sich. Der Kirchenversicherer setzt auf einen Ethikfonds, der sich auf Europa konzentriert.
Der Versicherer im Raum der Kirchen hat drei Punkte auf 72 Punkte zugelegt. „Hier macht sich positiv bemerkbar, dass der europäische Markt im Unterschied zu den USA gegenüber dem vergangenen Jahr deutlich stabiler geblieben ist“, erläutert Martin.
Im vierten Jahr in Folge auf einer Spitzenposition liegt die Schweizer Baloise, die bis 2022 unter dem Namen Basler am Contest teilnahm. In diesem Jahr rückt Baloise um einen Platz auf Rang drei vor. Das verdankt sie auch einer Police, die im Frühjahr aufgelegt wurde. „Wir haben zahlreiche nachhaltige ETFs und preisgünstige institutionelle Fondstranchen neu aufgenommen“, erklärt Baloise-Produktmanagerin Marlies Tiedemann.
Im Gegensatz zur Huk-Coburg setzt Baloise auf eine sehr breite Palette „Die Kunden können zwischen gemanagten Varianten, aktiv gemanagten Fonds und ETF-Strategien wählen“, sagt Tiedemann.
Geldanlage-Trend geht zum ETF
Neben den gängigen Fonds und ETFs sind auch speziellere Produkte wie Pharma- oder Goldfonds im Angebot. 70 Fonds und ETFs gingen diesmal in die Wertung ein. In zahlreichen Unterkategorien wie „Mischfonds ertragsorientiert“ oder „Artikel 9 Fonds“ landete Baloise unter den Top 3. Besonders gern greifen die Kunden aber zu ETFs, allen voran zum ETF auf den MSCI World Index. „Das zeigt sich jetzt sehr deutlich im Neugeschäft“, sagt Produktmanagerin Tiedemann. „Es gibt neben der Nachhaltigkeit einen eindeutigen Trend hin zu ETFs.“
Um einen Platz abgerutscht auf Rang vier ist Cosmos. Der Direktversicherer der Generali in Deutschland setzt seit 2021 auf nachhaltige Fonds und ETFs. Diese Fonds haben lange Zeit überdurchschnittlich gut abgeschnitten.
Zuletzt kamen die „dunkelgrünen“ Fonds unter Druck, weil sich an den Börsen Firmen aus Sektoren wie Öl und Gas oder auch Waffen wieder besser entwickelten – diese schließen nachhaltige Fonds aus. „Wir haben dennoch keinen Grund, an der Strategie zu zweifeln“, sagt Produktmanager Michael Wenzel. „Langfristig zahlt sich Nachhaltigkeit beim Investieren aus. Entscheidend ist ein qualitativ hochwertiges und breites Angebot.“
Die Qualität wird über die regelmäßige Fondsüberprüfung gesichert, zuletzt wurden neun von 39 Produkten ausgetauscht. Die Breite des Angebots nutzten Cosmos-Kunden in den stürmischen Zeiten für Aktien und Anleihen aus. Bei den besonders aktiven Einmalanlegern war neben einem ETF auf den MSCI World vor allem der Geldmarktfonds „BNP Paribas Euro Money Market“ stark gefragt. „Hier haben die Kunden ihr Kapital in der Krise 2022 erst einmal sicher geparkt, bevor sie es jetzt Zug um Zug wieder in langfristig renditeträchtigere Anlagen umschichten“, sagt Wenzel.
Erstpublikation: 25.09.2023, 13:32 Uhr.