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US-BankenStrategiewende belastet Ergebnis von Goldman Sachs

Die Investmentbank meldet den achten Gewinnrückgang in Folge. Die Bank of America kann dagegen von den hohen Zinsen profitieren.Astrid Dörner 17.10.2023 - 19:00 Uhr Artikel anhören

Im abgelaufenen Quartal hatte Goldman Sachs zudem mit rückläufigen Erträgen und deutlich gestiegenen Kosten zu kämpfen.

Foto: Reuters

Denver. Der große Konzernumbau bei Goldman Sachs drückt erneut auf die Profitabilität. Der Gewinn ging um 36 Prozent im Vergleich zum Vorjahr zurück und lag bei knapp 1,9 Milliarden US-Dollar (1,8 Mrd. Euro), wie das Wall-Street-Haus am Dienstag mitteilte.

CEO David Solomon verkaufte im abgelaufenen Quartal den Online-Kreditvermittler Greensky, den die Bank erst im vergangenen Jahr für 1,7 Milliarden Dollar gekauft hatte. Darauf musste Goldman rund eine halbe Milliarde Dollar abschreiben. Das Fintech wurde vergangene Woche an ein Konsortium unter der Führung der Investmentfirma Sixth Street verkauft. Zusammen mit einer Reihe anderer Abschreibungen führte das zum achten Quartalsverlust in Folge.

Solomon zieht sich kontinuierlich aus dem Geschäft mit Verbraucherkrediten zurück und hat mit dem Verkauf von Greensky einen wichtigen Meilenstein erreicht. Unklar ist derzeit noch, wie es mit dem Kreditkartengeschäft weitergeht. Goldman gibt für den iPhone-Hersteller Apple und den Autobauer General Motors Kreditkarten heraus und startete noch im April ein Sparkonto für die Kunden der Apple-Karte.

Das Geschäft hat mit diversen Problemen zu kämpfen. So gab die Bank 2022 bekannt, dass die Verbraucherschutz-Behörde CFPB Goldmans Vorgänge bei der Verwaltung von Kreditkartenkonten untersucht, dazu gehöre auch die Art und Weise, wie die Bank Abrechnungsfehler behebt und Karteninhabern Geld zurückerstattet. Zudem drohen angesichts der hohen Inflation und der stark gestiegenen Zinsen steigende Ausfallraten bei Verbraucherkrediten in den USA.

Im Kerngeschäft, dem Investmentbanking und dem Wertpapierhandel gab es indes Lichtblicke. Die Erträge aus dem Investmentbanking legten um ein Prozent auf 1,6 Milliarden Dollar zu. Es war der erste Anstieg seit zwei Jahren. Goldman war unter anderem an den Börsengängen des Chipherstellers Arm und des Lieferdienstes Instacart beteiligt.

Angesichts steigender Zinsen und geopolitischen Risiken war der Markt für Börsengänge in den vergangenen zwei Jahren praktisch zum Erliegen gekommen. Der Wertpapierhandel lag in etwa auf Vorjahresniveau und war damit deutlich stärker als Analysten erwartet hatten.

Zinsgeschäft treibt Gewinn der Bank of America an

Die schwierige Lage an den Kapitalmärkten trifft Goldman besonders hart, da die Bank stärker als andere Finanzinstitute von diesen volatilen Geschäftsbereichen abhängig ist.

Solomon machte Investoren Hoffnung auf das kommende Jahr. Er rechne „mit einer weiteren Erholung der Kapitalmärkte, wenn die Bedingungen günstig bleiben“, so der Goldman-Chef. Er warnte jedoch angesichts neuer geopolitischer Risiken im Nahen Osten und der Unsicherheit über den weiteren Zinskurs der US-Notenbank Fed vor neuen Risiken.

Die Bank of America meldete am Dienstag unterdessen einen Gewinnsprung von zehn Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar. Ebenso konnten Branchenführer JP Morgan Chase, Wells Fargo und die Citigroup, die bereits am Freitag ihre Zahlen vorlegten, ihre Gewinne steigern, auch wenn die Insti‧tute mit ganz unterschiedlichen Problemen zu kämpfen haben.

So leidet die Bank of America stärker als andere Institute unter den Folgen der deutlich gestiegenen Anleiherenditen im abgelaufenen Quartal. Die Bank mit Sitz in Charlotte, North Carolina, hatte während der Pandemie große Mengen an Anleihen mit langer Laufzeit gekauft, dabei jedoch offenbar die Zinsrisiken unterschätzt.

Das Geldhaus übertraf mit höheren Einnahmen im Investmentbanking und in der Handelssparte die Erwartungen der Wall Street.

Foto: Reuters

Mit den steigenden Zinsen der Fed sind auch die Anleiherenditen deutlich angestiegen, was zu fallenden Kursen der Papiere führt. Die Bank verzeichnet nun Buchverluste von gut 130 Milliarden Dollar, fast ein Viertel mehr als noch vor einem Quartal. CEO Brian Moynihan betonte, dass er nicht beabsichtige, die Papiere zu verkaufen.

Auch Analyst Gerard Cassidy von RBC Capital, sieht das Institut aufgrund der Größe und breit aufgestellten Geschäftsbereiche nicht sonderlich gefährdet, wie er im US-Börsensender CNBC betonte. Die Entwicklung belastet den Aktienkurs jedoch bereits seit Monaten. Die Buchverluste sind ein Problem, das vor allem kleinere Banken zu spüren bekommen haben. Bereits im März waren die Anleihen eine wesentliche Ursache bei der Krise der Regionalbanken, die von der Pleite der Silicon Valley Bank (SVB) angefacht wurde. Nach Schätzungen von Richard Ramsden, einem Bankenanalysten bei Goldman Sachs, seien die nicht realisierten Verluste im dritten Quartal branchenweit auf bis zu 670 Milliarden Dollar angestiegen.

In den kommenden Tagen werden eine Reihe von regionalen Instituten ihre Ergebnisse vorlegen und Investoren ein aktuelles Bild der Lage geben.

An anderer Stelle konnte die Bank of America von den gestiegenen Zinsen profitieren. Die Nettozinserträge des breit aufgestellten Finanzkonzerns nahmen um vier Prozent auf 14,4 Milliarden Dollar zu. Dabei handelt es sich um die Differenz zwischen dem Wert, den Banken für Einlagen zahlen, und dem Betrag, den sie mit Zinsen auf Krediten verdienen.

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Gerade große Finanzhäuser haben von der Krise der Regionalbanken profitiert. Sie bescherte den Banken Einlagen in Milliardenhöhe, weil viele Sparer ihr Geld lieber bei Großbanken beließen – auch wenn sie weniger Zinsen anbieten.

Die Aktie der Bank of America legte im frühen New Yorker Handel rund 0,7 Prozent zu. Das Papier von Goldman notierte 1,8 Prozent schwächer. Für die Branche war es bislang kein gutes Börsenjahr. Der KBW-Bankenindex verlor seit Anfang Januar rund 24 Prozent, während der breit gefasste S&P 500 um rund 14 Prozent stieg.

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