Tesla: Wird der E-Auto-Pionier zum gewöhnlichen Autobauer?
Tesla hatte die Preise für seine E-Autos gesenkt.
Foto: dpaDetroit. Angesichts zahlreicher Probleme hat sich Tesla-Chef Elon Musk in der Quartalskonferenz am Abend (Ortszeit) des 18. Oktober 2023 skeptischer als sonst präsentiert. Zum einen werde der ökonomische Gegenwind angesichts von Rezessionssorgen und steigenden Leitzinsen stärker. Zum anderen kämpft der Elektroautobauer mit hausgemachten Problemen, folgt man den Worten Musks.
Da wäre der von Tesla angezettelte Preiskampf. Tesla hatte in den vergangenen Monaten die Preise mancher US-Modelle um ein Drittel gesenkt. Die Folgen zeigen sich nun beim Blick auf die Bilanz.
Zwar trieben die Preissenkungen den Absatz an: Der Umsatz stieg im Vergleich mit dem Vorjahresquartal um neun Prozent auf 23,3 Milliarden Dollar. Doch das war weniger, als die Analysten erwartet hatten. Zudem sank der Nettogewinn deutlich um 44 Prozent auf 2,3 Milliarden Dollar. Auch dieser Wert blieb unter den Schätzungen.
Tesla-Skeptiker dürften vor allem die gesunkene Marge unter die Lupe nehmen. Die operative Marge sank im abgelaufenen dritten Quartal auf 7,6 Prozent, im Vorjahresquartal betrug sie 17,2 Prozent. Vom Finanzhaus LSEG befragte Experten hatten eine gleichbleibende Gewinnmarge erwartet.
Tesla ist damit im Bereich vieler traditioneller Autohersteller angekommen, die der Konzern in den Vorjahren stets deklassiert hatte. Ferrari kam als Spitzenreiter zuletzt auf eine operative Marge von 24,1 Prozent, Volkswagen auf 7,3 Prozent.
Die Wall Street reagierte negativ auf die Zahlen. Bis zum Donnerstagmittag (Ortszeit) sank die Tesla-Aktie um mehr als neun Prozent auf rund 219 Dollar. Die Analysten zahlreicher Finanzhäuser senkten ihre Kursziele. So erwartet Morgan Stanley nur noch einen Aktienkurs von 380 Dollar (zuvor 400 Dollar), Citi senkte das Kursziel auf 255 Dollar (271 Dollar), Goldman Sachs auf 235 Dollar (265 Dollar).
Probleme beim Cybertruck größer als gedacht
Zum Problem für Teslas Absatzziele werden auch die Schwierigkeiten beim Hoffnungsträger Cybertruck, dem Pick-up, der vor allem den amerikanischen Markt erobern soll. Eigentlich soll dessen Auslieferung an Tesla-Kunden Ende November beginnen. Doch Musk dämpfte auch hier die Hoffnungen.
Aufgrund von Konstruktionsschwierigkeiten könne es noch ein bis anderthalb Jahre dauern, bis der Cybertruck einen wesentlichen positiven Beitrag zum Cashflow leiste. „Wir haben uns mit dem Cybertruck unser eigenes Grab geschaufelt“, so Musk. Die Komplexität des Fahrzeugs sei zu hoch.
Der Cybertruck kämpft seit Jahren mit Designänderungen und Kostenüberschreitungen. Wie das Handelsblatt im Juni mit Bezug auf eine interne Aufstellung berichtete, plagten den Cybertruck-Prototyp noch letztes Jahr gravierende Probleme. Demnach war das Fahrzeug undicht, verursachte Lärm und ließ sich schlecht steuern und bremsen.
Wird Tesla zum normalen Autohersteller?
An der Wall Street geht seit einiger Zeit die Sorge um, dass Tesla nach Jahren des stürmischen Wachstums an eine Obergrenze stößt. Vor allem die jüngsten Preissenkungen hatten den Verdacht angeheizt, dass die Nachfrage nach Tesla-Autos schwinden und der lange gehypte Konzern zu einem Autobauer unter vielen werden könnte.
Tesla rechnet trotz der schwachen Zahlen damit, 2023 rund 1,8 Millionen Autos auszuliefern (2022: 1,3 Millionen), und hält damit an seinem jährlichen Wachstumsziel von 50 Prozent fest. Für das kommende Jahr wollte Musk jedoch keine Prognose mehr abgeben. „Für immer“ könne Tesla nicht in dieser Geschwindigkeit wachsen.
Geteilte Zukunftserwartungen
Unklarheit herrschte nach der Analystenkonferenz zur weiteren Entwicklung des Werks in Mexiko. Musk erklärte, er zögere, das Projekt „mit voller Kraft“ voranzutreiben: „Ich möchte mich nicht mit Höchstgeschwindigkeit in die Ungewissheit stürzen.“ So bestünden zahlreiche weltwirtschaftliche Unsicherheiten.
Der Baustart des im Februar angekündigten Werks im nordmexikanischen Monterrey verzögert sich laut Medienberichten. Bundesstaatliche Haushaltsprobleme und Verzögerungen bei den nötigen Umweltgenehmigungen würden das Projekt möglicherweise in Gänze gefährden, hieß es vergangene Woche in Mexiko-Stadt.
Auch im laufenden Quartal dürften die Tesla-Margen unter Druck bleiben. Analysten rechnen mit einem weiteren Rückgang. „Die Lithiumpreise sind zuletzt gesunken, das hilft“, schrieb Wells-Fargo-Analyst Colin Langlan. „Allerdings wird das nicht ausreichen, um die Preisrückgänge wettzumachen.“
Doch nicht alle Beobachter sind so skeptisch. Alyssa Altman vom Beratungshaus Publicis Sapient sieht Tesla auch in Zukunft gut aufgestellt. „Die Margen von Tesla mögen kurzfristig beeinträchtigt worden sein“, erklärte sie, etwa aufgrund der Verzögerung des Cybertrucks und „der Bedenken“ mit Blick auf die Mitarbeitergesundheit und Sicherheit in der Berliner Gigafactory. Langfristig habe der Konzern aber mehrere Beine, auf denen er stehen könne, etwa die Autopilot-Technik.
Tesla ist zuletzt auch von der Konkurrenz stärker in die Zange genommen worden. In China hat der heimische Elektroanbieter BYD inzwischen die Spitzenposition erobert. Und auch in den USA bringen die etablierten Autobauer neue Elektroautos auf den Markt, insbesondere im wichtigen Pick-up-Segment.
Nach einer Auswertung des Center of Automotive Management (CAM) ist Tesla aber weiterhin globaler Marktführer bei E-Autos, mit einem Absatz von gut 1,3 Millionen Fahrzeugen, ein Plus von 46 Prozent zum Vorjahreszeitraum. Chinas größter E-Auto-Bauer BYD kommt demnach auf gut eine Million Einheiten und damit 80 Prozent Wachstum. Volkswagen liegt mit 530.000 Auslieferungen (plus 45 Prozent) auf Platz drei.
Mitarbeit: Klaus Ehringfeld
Erstpublikation: 19.10.2023, 03:23 Uhr.