Branchenverband GDV: Versicherungsverband erwartet mehr Manager-Haftpflichtfälle
Der Hauptgeschäftsführer des GDV warnt vor den Folgen von Unternehmensinsolvenzen.
Foto: Dominik ButzmannFrankfurt. Angesichts der mauen Wirtschaftslage und der damit verbundenen Firmenpleiten rechnet der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) künftig mit mehr Haftpflichtfällen bei Managern.
„Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen steigt, was in der Regel hohe Schadenersatzforderungen von Insolvenzverwaltern gegen Manager nach sich zieht“, sagte GDV-Hauptgeschäftsführer Jörg Asmussen am Freitag.
Hinzu kämen die wachsenden rechtlichen Anforderungen, wie etwa durch das Lieferketten- oder das Hinweisgeberschutzgesetz, denen Manager nachkommen müssen. Gerade bei der Umsetzung neuer Gesetze sei die Gefahr von Managementfehlern groß.
Bereits im vergangenen Jahr mussten Versicherer vermehrt im Rahmen sogenannter D&O-Policen (Directors & Officers) für von Managern verursachte Schäden einspringen.
D&O-Versicherungen schützen Vorstände und andere Manager vor Regressforderungen, die wegen Fehlern bei der Ausübung ihrer Tätigkeit persönlich an sie gerichtet werden – auch wenn ihr Arbeitgeber selbst Geld fordert.
Durchschnittliche Schadenssumme steigt
„Der Schadenaufwand kletterte auf 213 Millionen Euro“, sagte Asmussen. Zwar seien die gemeldeten Schäden 2022 nur leicht um 1,8 Prozent auf 2000 gestiegen, doch die einzelnen Fälle kamen den Versicherern teurer zu stehen: Während der Schadendurchschnitt 2022 bei fast 107.000 Euro gelegen habe, seien es ein Jahr zuvor noch 81.000 Euro gewesen.
Für das Geschäftsjahr 2022 schätzt der Verbandschef das Beitragsvolumen in Deutschland auf etwa 900 Millionen Euro. Die Schadenquote nach Abwicklung lag mit 42,4 Prozent auf einem ähnlichen Niveau wie im Jahr 2021, womit die Sparte auch unter Berücksichtigung der Kosten Gewinne erzielt haben dürfte.
Für einen gewissen Teil der Versicherer könnte das womöglich anders sein, weil die Ergebnisse sehr volatil seien und zwischen den einzelnen Anbietern variierten, so Asmussen. In der Langzeitbetrachtung liege die Schadenquote nach Abwicklung bei rund einem Drittel der Versicherer bei über 70 Prozent. Das sei ein Indiz für versicherungstechnische Verluste.