Quartalszahlen: Fondsgesellschaft DWS verzeichnet Zuflüsse bei ESG-Produkten
In den USA musste die DWS wegen Greenwashing und zu laxer Vorkehrungen gegen Geldwäsche 25 Millionen Dollar Bußgeld zahlen.
Foto: ReutersFrankfurt. Die DWS meldet für das dritte Quartal einen leicht rückläufigen Gewinn. Bei der Fondstochter der Deutschen Bank stecken die wesentlichen Nachrichten jedoch in den Bereichen Netto-Investments, IT, Wachstumsstrategie und der Dividende. Auch das Thema Greenwashing beschäftigt die DWS weiter.
Der Aktienkurs reagierte auf die Zahlen negativ und fiel am Mittwoch in der Spitze um vier Prozent auf 27,22 Euro. Sieben Analysehäuser blieben nach der Veröffentlichung der Zahlen laut der Finanzagentur Bloomberg aber bei ihren positiven Einschätzungen und setzten die Zielkurse zwischen 35 und 41 Euro an – deutlich über der aktuellen Notierung.
Eine mögliche Erklärung für die große Kluft findet Dieter Hein in der potenziellen Zahlung einer Sonderdividende von einer Milliarde Euro für 2023, die nach den aktuellen Kommentaren von DWS-Chef Stefan Hoops noch wahrscheinlicher geworden sei. „Wir rechnen damit, dass sie 2024 für das jetzt laufende Jahr gezahlt wird“, sagt der Leiter des Analysefirma Fairesearch. Dann kämen mit der regulären Ausschüttung von 2,10 Euro insgesamt 7,10 Euro je Aktie zusammen. „Eine gigantische Dividendenrendite“, nennt das Hein. Auch für die Folgejahre rechnet er noch mit hohen Ausschüttungsquoten von acht bis zehn Prozent.
„Firmenchef Hoops hat eine gute Arbeit geleistet, aber die Aktie wird abgestraft“, kommentiert Michael Klimek, Leiter der Beratungsfirma Dolphinvest Consulting. Er versucht, die negative Kursreaktion zu begründen: „Ich sehe das Debakel beim internen IT-Projekt, die Nettozuflüsse sind auf ein Viertel des Vorquartals geschrumpft, der Personalbestand ist in zwölf Monaten um 16 Prozent gestiegen.“
Die DWS verwaltet 860 Milliarden Euro und damit ein praktisch unverändert hohes Kapital im Vorquartalsvergleich. Sie sammelte im dritten Quartal netto 2,3 Milliarden Euro ein. Konzernchef Hoops wertet die Anlegerresonanz wie auch die betriebswirtschaftlichen Kennzahlen als „solide Ergebnisse“, gerade „angesichts geopolitischer Spannungen und eines geringeren Risikoappetits der Anleger“.
Von den Nettozuflüssen entfielen 1,7 Milliarden Euro auf ESG-Produkte, bei denen die Aspekte Umwelt, Soziales und gute Organisationsführung eine wichtige Rolle bei der Investmentauswahl spielen. Die DWS konnte die wegen Greenwashing-Vorwürfen durchgeführten Ermittlungen zumindest teilweise abschließen.
Die US-Börsenaufsicht SEC hatte das Haus im September zu einer Geldbuße von 19 Millionen Dollar verurteilt, weil nach ihrer Ansicht die Bedeutung von Nachhaltigkeitsaspekten bei den US-Publikumsfonds übertrieben positiv dargestellt worden war. Weitere sechs Millionen Dollar hat die DWS für zu schwache Geldwäschekontrollen zahlen müssen.
Die Strafzahlung war nach Ansicht einiger Beobachter überraschend hoch ausgefallen. So hatte Goldman Sachs nach Greenwashing-Vorwürfen im vergangenen Jahr nur vier Millionen Dollar zahlen müssen. Von der DWS heißt es, die Strafe sei höher ausgefallen, weil die betroffenen Volumina höher waren als in Vergleichsfällen.
In dem Greenwashing-Komplex laufen allerdings die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft weiter. Die DWS hofft laut Hoops, dieses Thema zeitnah beilegen zu können.
Passive Produkte sind stärker gefragt
Bei den Mittelzuflüssen fällt der Rückgang bei den höhermargigen aktiv verwalteten Produkten auf, während die für die DWS weniger rentablen passiven Ansätze stärker gefragt sind. Aus den aktiv verwalteten Produkten zogen Anleger netto 3,3 Milliarden Euro ab, vor allem aus Aktien- und Mischfonds. Auch bei den ebenfalls höhermargigen alternativen Investments gab es Abzüge von 1,3 Milliarden Euro.
Das passive Asset-Management sticht mit Zuflüssen von 6,2 Milliarden Euro heraus. Diese Gelder flossen vor allem in börsengehandelte Indexfonds, kurz ETFs, der DWS-Marke Xtrackers.
In diesem Bereich will die DWS weiter wachsen und in der Rangfolge der Anbieter in Europa von Platz drei auf zwei vorrücken. Auf dem US-Markt hat die Gesellschaft im dritten Quartal die ersten drei Themenprodukte an der Nasdaq gelistet. Ziel ist hier der Ausbau der spezialisierten Indexangebote. Auch in Asien und bei Kryptoinvestments will das Haus expandieren.
„Das klingt nach einer interessanten Wachstumsstrategie“, sagt Berater Klimek. Er ergänzt: „Gleichzeitig hört es sich an wie ein Abgesang auf die klassischen, aktiv verwalteten Ansätze bei Aktien und auch Anleihen.“
Für Gesprächsstoff jenseits der Expansionspläne sorgt weiterhin die IT. Noch unter Hoops’ Vorgänger hatte die DWS das Großprojekt „Proteus“ begonnen. Es soll Kosten reduzieren und gleichzeitig für eine größere Unabhängigkeit von der Mutterbank sorgen.
Auf diesem Feld kommt der Asset-Manager nicht so gut voran wie geplant. Die DWS wird im kommenden Jahr hier noch einmal so viel Aufwand haben wie in diesem, hieß es von der Gesellschaft. Es geht um jeweils rund 100 Millionen Euro. Die Kosten stiegen im dritten Quartal leicht um drei Prozent auf 420 Millionen Euro.
Die Erträge fielen im dritten Quartal verglichen mit dem Vorquartal minimal um zwei Millionen auf 666 Millionen Euro. Der Konzerngewinn erhöhte sich um zwei Prozent auf 147 Millionen Euro, der Vorsteuergewinn sank um sechs Prozent auf 246 Millionen Euro.
Die Aufwand-Ertrag-Relation, eine Kennziffer, die die Effizienz eines Unternehmens darstellt, stieg auf 63,1 von 61,0 Prozent. Die DWS erwartet aber weiterhin, dass das Verhältnis im Gesamtjahr unter 65 Prozent bleibt.