Durchschnittlicher Gasverbrauch: So viel Gas verbrauchen die Deutschen im Jahr
Der Gasverbrauch eines Haushalts hängt von der Wohnungsgröße, der Bewohnerzahl, dem Gebäudezustand und dem Heizverhalten ab.
Foto: IMAGO/Christian OhdeDüsseldorf. Jahrelang haben Haushalte in Deutschland mit billigem Gas aus Russland geheizt. Mit dem Ukrainekrieg fiel dieser Lieferant 2022 aus. Der bis dahin stets so erschwingliche Energieträger wurde teuer wie nie.
Um die Folgen für die Bevölkerung einzudämmen, hat die Bundesregierung zwar seit 2023 Energiereisbremsen auf Strom- und Gastarife eingeführt. Aber sparen lohnt sich trotzdem. Um herauszufinden, wie viel Sparpotenzial in Ihrem Haushalt steckt, lohnt sich ein Blick auf den durchschnittlichen Gasverbrauch in Deutschland.
Wie hoch ist der durchschnittliche Gasverbrauch in Deutschland?
Der durchschnittliche Gasverbrauch für Deutschland lag 2022 insgesamt bei 847.470 Gigawattstunden. Das sind laut der Bundesnetzagentur über 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Grund für die massiven Einsparungen waren die hohen Gaspreise. Mittlerweile haben sich die Erdgaspreise wieder beruhigt, bleiben aber insgesamt auf einem deutlichen höheren Niveau als in den Jahren zuvor.
Der größte Gasverbraucher hierzulande ist die Industrie. Fast 60 Prozent des fossilen Rohstoffs gehen an die produzierenden Unternehmen.
Knapp 41 Prozent dagegen werden von Haushalts- und Gewerbekunden verbraucht.
Besonders im Winter spielt Erdgas in Deutschland eine wichtige Rolle: Rund die Hälfte aller Haushalte heizt mit Erdgas.
Durchschnittlicher Gasverbrauch in Privathaushalten
Im Durchschnitt verbraucht ein Einfamilienhaus laut den Vergleichsportalen mit drei bis vier Personen je nach Quadratmeterzahl zwischen 20.000 und 40.000 Kilowattstunden (kWh) Erdgas pro Jahr. Oder 160 Kilowattstunden (16 Kubikmeter) pro Quadratmeter Wohnfläche für Heizung und Warmwasser.
Eine kWh Gas kostet Verbraucher derzeit im Schnitt rund 11 Cent die kWh. Demnach zahlt ein Musterhaushalt (20.000 kWh) damit circa 2346 Euro im Jahr für Gas.
Gaszähler messen den Gasverbrauch ausschließlich in Kubikmetern, auf der Rechnung steht aber in der Regel die Einheit Kilowattstunde. Der Umrechnungsfaktor liegt bei eins zu zehn. Ein Kubikmeter Erdgas entspricht also rund zehn Kilowattstunden (kWh).
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Wie hoch der Gasverbrauch in einzelnen Haushalten ist, hängt von mehreren Faktoren ab. Zum Beispiel von der Größe der Wohnung, der Anzahl der Personen im Haushalt, dem Zustand des Gebäudes und dem eigenen Heizverhalten.
Gasverbrauch im Singlehaushalt
Ein Singlehaushalt hat einen durchschnittlichen Gasverbrauch von 140 kWh auf 14 Kubikmeter pro Jahr. Für die Warmwasserbereitung werden dem Heizungsbauer Bosch Thermotechnologie zufolge pro Jahr anteilig rund 600 bis 1000 kWh Gasverbrauch pro Person angesetzt.
Der Energiekonzern Eon, einer der größten Gasversorger Deutschlands, hat den durchschnittlichen Erdgasverbrauch für die verschiedensten Konstellationen durchgerechnet:
Wird Erdgas nur für die Heizung verwendet, hat die Anzahl der im Haushalt lebenden Personen kaum Einfluss auf den Verbrauch. In vielen Wohnungen wird Erdgas allerdings auch zur Erhitzung des Wassers benutzt. Also zum Duschen, Kochen oder Spülen. Dann ist sehr wohl wichtig, wie viele Personen in einem Haushalt leben.
Tipps zum Gassparen
Weil die Gaspreise auf absehbare Zeit auf einem höheren Niveau bleiben, lohnt es sich, den eigenen Gasverbrauch zu reduzieren, wo es nur geht. Gas sparen können Verbraucher daher vor allem, wenn Sie ihr Heizverhalten und die Heizanlage überprüfen sowie den Warmwasserverbrauch senken, gerade jetzt in der Heizperiode vom 1. Oktober bis 30. April. Die drei wichtigsten Tipps, um den eigenen Gasverbrauch zu senken:
- Regeln Sie an der Gastherme und an den Thermostaten die Raumtemperatur genau. Laut Experten verbraucht schon ein Grad Celsius plus bis zu sechs Prozent mehr Gas.
- Legen Sie an der zentralen Bedieneinheit der Gastherme Tag- und Nachttemperaturen fest. Zudem empfiehlt es sich, die Warmwassertemperatur dort auf 55 bis 60 Grad Celsius einzustellen.
- Duschen Sie kürzer und baden sie seltener. Denn dann wird schlicht weniger Gas für Warmwasser verbraucht. Moderne Sparduschköpfe können zudem den Wasserbrauch ohne Komforteinbußen deutlich senken.
Auch das Austauschen oder die Instandsetzung der eigenen Gastherme kann für Hausbesitzer sinnvoll sein.
Wer ist der größte Erdgaslieferant für Deutschland?
Bis zum Ausbruch des Ukrainekriegs war Russland viele Jahre lang der wichtigste Gaslieferant für Deutschland. Mehr als die Hälfte des hierzulande verbrauchten Erdgases kam aus Russland. All das änderte sich in den vergangenen anderthalb Jahren dramatisch.
Mittlerweile kommt Erdgas nur noch in Form von LNG über die Häfen anderer Länder aus Russland nach Deutschland. Seit Ende August 2022 bezieht Deutschland direkt allerdings gar kein Erdgas mehr direkt aus Russland.
Wichtigster Erdgaslieferant für Deutschland ist mittlerweile Norwegen, dicht gefolgt von den Niederlanden und Belgien. Kleinere Mengen bezieht die Bundesrepublik zudem aus Frankreich.
Gestiegen sind gleichzeitig auch die Importe von verflüssigtem Erdgas (Liquefied Natural Gas, kurz LNG). Seit Anfang des Jahres sind die ersten schwimmenden LNG-Terminals vor Deutschlands Küsten ans Netz gegangen und importieren den Rohstoff aus Ländern wie den USA, Katar oder den Vereinigten Arabischen Emiraten. Der Anteil am Gesamtgasimport bleibt allerdings bisweilen gering. Nach aktuellen Zahlen der Bundesnetzagentur liegt der Anteil aktuell noch unter zehn Prozent.
Erstpublikation: 14.11.2023, 09:28 Uhr.