Timotheus Höttges: Telekom-Chef verspricht langen Atem beim Glasfaserausbau
Telekom-Chef Timotheus Höttges (l.) und Finanzvorstand Christian Illek: Beim Sparprogramm Booster will Höttges „einmal durch die Zentrale kämmen“.
Foto: Deutsche TelekomHamburg. Die Deutsche Telekom hat ihren Gewinn im dritten Quartal weiter gesteigert und will künftig mehr Geld an ihre Aktionäre ausschütten. Im Jahresvergleich legte das bereinigte Ergebnis vor Steuern und Leasingverpflichtungen (Ebitda AL) um 0,6 Prozent auf fast 10,5 Milliarden Euro zu, teilte der Konzern am Donnerstag mit.
Die Summe der freien Barmittel (Free Cashflow) wuchs gar um 61,4 Prozent auf fast 4,7 Milliarden Euro. Der enorme Zuwachs erhöht den Spielraum bei der Dividende, die im kommenden Jahr um sieben auf 77 Cent steigen soll.
Verantwortlich für diese Entwicklung ist vor allem der niedrigere Investitionsaufwand, der im Jahresvergleich dank niedrigerer Ausgaben in den USA um fast 30 Prozent auf 4,27 Milliarden Euro gesunken ist. Die Tochter T-Mobile US hatte dort weitaus weniger in den Mobilfunknetzausbau investiert als in den Vorjahren.
Deutsche Telekom: Investitionsaufwand für Glasfaser steigt
Telekom-Chef Timotheus Höttges gab sich bei der Pressekonferenz am Donnerstag entsprechend selbstgewiss. „Wir haben Scheuklappen auf und machen unser Ding“, sagte er. Die Telekom könne deshalb weiterhin „patriotisch“ investieren.
Gemeint war damit wohl unter anderem der Glasfaserausbau in Deutschland, der sich in diesem Jahr schwieriger und teurer gestaltet als zunächst angenommen. Mehrere Glasfaseranbieter sind deshalb unter Druck und manche gar in Existenznot geraten. Höttges sprach diesbezüglich von überzogenen Renditeerwartungen, entsprechend kalkulierte Modelle „fallen derzeit zusammen wie Kartenhäuser“.
Die Telekom spürt die verschärften Rahmenbedingungen ebenfalls. So ist der Investitionsaufwand in der Heimat in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres um rund 500 Millionen Euro gestiegen.
Bis zu drei Millionen Haushalte will die Telekom bis Ende 2023 zusätzlich mit der Option versorgt haben, einen Glasfaseranschluss zu buchen. Dieses Tempo will der Konzern auch in den Folgejahren beibehalten. Höttges sprach von einem „langen Atem“, der angesichts von hohen Kosten wie Zinsen nötig sei. „Während andere den Glasfaserkollaps prognostizieren, bauen wir weiter.“
Ein teurer Anspruch. Die wachsende Kluft zwischen aktuell rund 6,9 Millionen potenziell versorgten Haushalten und lediglich 910.000 bezahlten Anschlüssen zeigt, wie sehr sich die Telekom dafür finanziell strecken muss. Auch er wünsche sich hier „mehr Kauflust“, sagte Höttges.
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Die schwierigen Marktbedingungen in Deutschland zeigten sich auch bei den durchschnittlichen Umsätzen je Mobilfunkkunde, die im Vergleich zum Vorjahr um zehn Prozent auf lediglich neun Euro zurückgingen. Die Serviceumsätze, die im Telekommunikationsgeschäft als besonders relevant gelten, legten – bereinigt um Wechselkurseffekte – indes trotzdem zu, da die Telekom in Deutschland wie den USA Tausende neue Kunden gewinnen konnte.
Dennoch machte der Konzern abermals neue Schulden. So legten die Nettoverbindlichkeiten im Vergleich zum Vorquartal weiter um 235 Millionen Euro auf nun rund 137,1 Milliarden Euro zu. Zum Jahresanfang hatte es hier noch einen Rückgang gegeben. Kein anderer Dax-Konzern war zuletzt so hoch verschuldet wie die Telekom.
Trotz dieser Belastung will die Telekom die Dividende im kommenden Jahr um zehn Prozent erhöhen und ein milliardenschweres Aktienrückkaufprogramm auflegen. Finanzchef Christian Illek versuchte Bedenken mit Hinweisen auf die langfristige Verzinsung der meisten Anleihen des Konzerns zu zerstreuen. So sei der Aufwand für den Schuldendienst im laufenden Jahr bislang um lediglich 100 Millionen Euro gestiegen, trotz höherer Leitzinsen.
Sparprogramm Booster: „Wir kämmen einmal durch die Zentrale“
Die Telekom wolle in den kommenden Jahren „effizienter“ werden, versprach Höttges. Es seien an mehreren Stellen Kürzungen geplant – für Höttges ein „Must-do“, um weitere Investitionen stemmen zu können. So sollen in Deutschland und den USA insgesamt mehrere tausend Stellen wegfallen.
Konkrete Abbauzahlen für das „Booster“ getaufte Sparprogramm in der Bonner Konzernzentrale wollte Finanzchef Illek am Donnerstag aber noch nicht nennen. Es gehe nicht „um ein großes Restrukturierungsprogramm“, das sich „der eine oder andere“ offenbar wünsche. „Wir kämmen einmal durch die Zentrale“, ergänzte Höttges
Zu einer Sammelklage von US-Mobilfunkkunden, die am vergangenen Freitag von einem Bundesrichter in Chicago für zulässig erklärt worden war, äußerte sich weder Höttges noch Illek konkret. Er könne die Argumentation der Kläger „logisch nicht nachvollziehen“, sagte Illek lediglich.
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Grundlage der jüngsten Erfolge des Konzerns war – wie in den Vorquartalen – die positive Entwicklung bei T-Mobile US. Die Mobilfunktochter hat unter anderem dank neuer Paketangebote um das neue iPhone 15 von Apple im vergangenen Quartal überraschend viele Neukunden gewonnen. Die Anzahl der Vertragskunden in den USA ist im Jahresvergleich um 850.000 gestiegen.
Auch die Serviceumsätze konnten im US-Markt weiter zulegen, während die Gesamterlöse gesunken sind, da T-Mobile weniger Smartphones verleast hat. Trotz schwierigerer Marktbedingungen behauptete sich die Telekom-Tochter damit besser als die meisten Konkurrenten. T-Mobile hatte deshalb die Jahresziele für die Zahl der neuen Festvertragskunden und den Mittelzufluss erneut angehoben.
In Deutschland haben sich vor allem die Geschäftszahlen im Mobilfunksegment gut entwickelt, während die Werte im Festnetz weitestgehend stagnierten. Unter den eigenen Marken konnte die Telekom hier zwischen Juli und September 350.000 neue Mobilfunkvertragskunden gewinnen. Die mobilen Serviceumsätze legten nach Konzernangaben um 2,9 Prozent zu.
Ein Problemfall bleibt die IT-Tochter T-Systems, deren Auftragseingang um 14,4 Prozent eingebrochen ist. Gewinn und Umsatz sind dagegen leicht gewachsen. T-Systems-Chef Adel Al-Saleh hatte im Oktober angekündigt, zu Jahresbeginn zum Satellitenbetreiber SES aus Luxemburg zu wechseln. Sein Nachfolger wird Ferri Abolhassan, der derzeit für den Telekom-Service verantwortlich ist.
Erstpublikation: 09.11.2023, 10:18 Uhr (zuletzt aktualisiert: 09.11.2023, 14:57 Uhr).