Michael Cassau: Grover-Gründer gibt Chefposten bei dem Mietelektronik-Start-up ab
Grover-Gründer Michael Cassau gibt den Chefposten überraschend ab.
Foto: GroverBerlin. Der Gründer des Mietelektronik-Start-ups Grover, Michael Cassau, zieht sich nach acht Jahren von der Firmenspitze zurück. „Jetzt ist die richtige Zeit, damit jemand anderes das nächste aufregende Kapital bei Grover aufschlägt“, sagte Cassau überraschend am Mittwochabend. Weitere Gründe nannte er nicht. Es hieß lediglich: „Die Entscheidung fiel mir nicht leicht, aber sie war richtig.“
Die bisher für das operative Geschäft zuständige Managerin Linda Rubin wird den Chefposten nun vorübergehend übernehmen. In den nächsten Monaten soll dann die Nachfolge geklärt werden. Rubin arbeitet seit zwei Jahren für die Berliner Firma. Zuvor war sie unter anderem bei Rothschild und JP Morgan Chase & Co. in London tätig.
Cassau hat Grover vor acht Jahren gegründet. Das Start-up vermietet Unterhaltungselektronik wie Smartphones, Laptops oder Digitalkameras an mehrere Nutzer über den gesamten Lebenszyklus und hat eine Plattform für Unternehmen entwickelt, damit diese ihre eigenen Tech-Produkte verwalten können.
Firmenangaben zufolge wurden bisher mehr als eine Million Geräte über Grover in Deutschland, Österreich, den Niederlanden, Spanien und den USA vermittelt. Das Unternehmen gilt als Wegbereiter für eine Kreislaufwirtschaft und mehr Nachhaltigkeit beim Konsum. Um die Kosten in den Griff zu bekommen, hat Grover wie viele andere Start-ups und Technologiefirmen bei den Mitarbeitenden eingespart und die Belegschaft um 60 auf rund 400 reduziert.
Cassau hat in der Vergangenheit immer wieder betont, dass Grover an die Börse strebt. Erst im März hatte der Firmengründer den erfahrenen Finanzexperten Michael Andersen an Bord geholt. Der gebürtige Däne hatte zuvor als Co-Finanzchef den Börsengang des Münchener Flugtaxi-Pioniers Lilium an der Wall Street mitgesteuert. Grover teilte nun mit, bei dem Unternehmen stehe eine „intensive Wachstumszeit“ an. Details wurden nicht genannt.
Cassau bleibt Mitglied des Verwaltungsrats
Cassau wird Grover nicht komplett den Rücken kehren. Er bleibt als „maßgeblicher Anteilseigner“ Mitglied des Verwaltungsrates. Vor der Grover-Gründung arbeitete Cassau unter anderem für die Start-up-Schmiede Rocket Internet und Goldman Sachs in London.
Bisher hat Linda Rubin das operative Geschäft verantwortet, nun führt sie Grover übergangsweise.
Foto: GroverWie hoch Cassaus Anteil an Grover ist, war zunächst nicht zu erfahren. Grover hat erst im vergangenen Jahr rund 300 Millionen Euro von einer Investorengruppe erhalten, die von dem Fonds Energy Impact Partner angeführt wurde. Zudem bekam die Firma im September vom Finanzinvestor M&G einen 270 Millionen Euro schweren, mit Vermögenswerten besicherten Kredit.
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Seit rund eineinhalb Jahren zählt Grover zu den Start-ups, die von Investoren mit mehr als einer Milliarde Dollar bewertet werden und damit den Status als Einhorn erreicht haben. Energy-Impact-Partner Nazo Moosa sagte anlässlich des Rücktritts, Grover sei eines der vielversprechendsten Einhörner in Europa.