Comeback des Jahres: Donald Trump – Das Geheimnis seines Erfolgs
Nichts konnte Donald Trumps Comeback aufhalten: weder Attentatsversuche noch diverse Gerichtsverfahren, Skandale, Medien- und Wahlkampagnen, vermeintliche rhetorische Entgleisungen noch eine kurzfristig aus dem Hut gezauberte Gegenkandidatin. Mit einem fulminanten Wahlsieg wurde Donald Trump zum 47. Präsidenten der USA gewählt.
Vor ihm hatte es bisher nur ein Präsident geschafft, nach einer ersten Amtszeit und einer darauffolgenden Wahlniederlage noch einmal wiedergewählt zu werden: der Demokrat Grover Cleveland, 22. und 24. Präsident der USA. Selbst der Friedensnobelpreisträger und damals jüngste Präsident der Vereinigten Staaten, Theodor Roosevelt jr., scheiterte 1912 am Versuch der Wiederwahl nach einer Wahlperiode Pause.
Anders als in der veröffentlichten Meinung erwartet, war es kein knappes Wahlergebnis, sondern ein deutlicher Sieg Donald Trumps, der alle sieben der sogenannten Swing States gegen seine Widersacherin Kamala Harris gewonnen hat. In Kombination mit der zeitgleich errungenen Mehrheit im Kongress muss man von einem Erdrutschsieg und einem historischen Comeback sprechen.
Haben viele die Wahl 2016 noch als einen einmaligen politischen Ausrutscher gesehen, kann man bei dem Wahlergebnis 2024 davon ausgehen, dass es in den vergangenen Jahrzehnten kaum eine bewusstere Entscheidung der Wählerinnen und Wähler in den USA gegeben hat.
Denn nach Trumps Amtsantritt 2017 und einer durchaus chaotischen Regierungszeit hatten die Menschen zwar dem etablierten politischen System erneut eine Chance gegeben, nur haben aus Sicht der Menschen Präsident Biden und mit ihm Vizepräsidentin Harris in den vergangenen vier Jahren nicht geliefert.
Die Hoffnung, dass ein Präsident aus bekannten Tagen die Probleme besser lösen kann als ein Präsident, der den klassischen Erwartungen eines Präsidenten des mächtigsten Landes der Welt absolut nicht entspricht, hat sich nicht erfüllt. Die Alltagsprobleme der Menschen sind nicht kleiner, sondern größer geworden.
Ob Inflation, Bürokratie, Mieten, illegale Einwanderung oder fehlendes Wirtschaftswachstum, bei all den Themen, die den Menschen wichtig sind, haben die etablierten Politiker und deren Problemlösungsmechanismen keinen Erfolg gehabt. Das Comeback Donald Trumps war möglich, weil die etablierte Politik gescheitert ist.
Der Politikstil der Biden-Administration hat die Menschen zwar daran erinnert, dass Trumps erste Regierungszeit chaotisch war, aber anders als etablierte Politiker hat Trump immer gesagt, was er tun will, und getan, was er gesagt hat – und sei es noch so außergewöhnlich. Das hat den Menschen Hoffnung gegeben, dass selbst in der heutigen komplexen Welt, die vielen als zu kompliziert erscheint, dennoch Veränderungen möglich sind.
Diese Gewissheit zu vermitteln, sind etablierte Politiker längst schon nicht mehr in der Lage. Viel zu sehr haben sie sich in den Ritualen und Mechanismen der klassischen Politik verloren. Rituale, die zum Selbstzweck verkommen sind und mit ihrer vorhersehbaren medialen Begleitung die Akzeptanz der Menschen schon lange nicht mehr haben.
Rituale wie große Ankündigungen, politischer Streit oder gar internationale Konferenzen entfalten schlichtweg keine Wirkung mehr bei der Problemlösung für die Menschen und haben deswegen Glaubwürdigkeit und Autorität verloren.
Die Menschen haben es einfach satt, ständig Ankündigungen zu hören, aber keine Taten oder Wirkungen zu sehen. Versprechen, ohne jemals spürbare Erfolge zu sehen, frustrieren nur. Wenn dann jemand kommt und den Menschen quasi einen Reset-Knopf für all ihre Probleme verspricht, dann darf man sich über dessen Wahlerfolg nicht wundern.
Ein Großteil der etablierten Medienlandschaft, die sich fast ebenso weit von den Menschen und ihrer erlebten Wirklichkeit entfernt hat wie die klassische Politik, hat dies noch nicht verstanden. Anstatt die Sehnsucht der Menschen nach Wirkung statt Worten zu begreifen, hält sie sich mit vermeintlicher Political Correctness auf. Jede Abweichung Trumps von ebenjener wurde tagelang durch die Medien skandalisiert, dadurch wurde aber nur das Gegenteil von dem erreicht, was bezweckt werden sollte.
Keiner der vermeintlichen Skandale, an denen sich die Medien berauscht haben, hat zu einem Wählerverlust geführt, sondern die Menschen sahen sich in ihrer Hoffnung bestätigt, dass Donald Trump in der Tat anders ist als die bisherigen Politiker und deswegen anders als das Establishment in der Lage ist, ihre Probleme zu lösen.
Donald Trump hält sich erkennbar nicht an klassische Rollenvorgaben. Schon gar nicht an Political Correctness. Im Gegenteil, er ist eine nie da gewesene Provokation für das bekannte politische System.
Trump ist der Anti-Politiker, aber genau das ist das Geheimnis seines Erfolges: Donald Trump ist anders als normale Politiker, aber er verspricht damit den Menschen, es auch anders – besser – als andere Politiker zu machen. Dieses Versprechen ist um ein Vielfaches stärker als die Zweifel an seinem unkonventionellem Politikstil.
Hat zwei Legislaturperioden vor ihm Präsident Barack Obama noch mit dem Satz „Yes, we can“ die Menschen für sich einnehmen können und versucht, im bestehenden System Dinge zu verbessern, liegt Trumps Erfolg darin, klar zu sagen, dass Veränderungen gar nicht mehr im bestehenden System möglich sind, sondern nur durch eine radikale Erneuerung insgesamt.
Trump liefert genau das, was er verspricht
Und Trump wird liefern: Er wird radikal die bestehende Administration, die von vielen als belastende Bürokratie gesehen wird, umkrempeln, um seine Ankündigungen umsetzen zu können. Er wird damit Wirkung entfalten. Und wenn die Wirkung zur Verbesserung der Lebenssituation der Menschen führt, wird Trumps zweite Amtszeit vielleicht als großer Erfolg gesehen werden.
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Trump wird immer das tun, was gut für die USA ist: sei es bei Handelsabkommen, Zöllen oder geopolitischen Entscheidungen. Europa sollte sich auf Trumps „Wirkungen“ einstellen und konkrete politische Geschäfte, also Deals, vorbereiten, um auf gleicher Augenhöhe und Art mit dem amerikanischen Präsidenten zu verhandeln.
Es bleibt zu hoffen, dass Europa die Zeichen der Zeit erkennt. Ansonsten ist zu befürchten, dass das Motto „Make America Great Again“ zu einem kleineren, schwächeren Europa führt. Der größte Fehler wäre es jetzt, wie 2017 von einem Weckruf zu reden, aber trotzdem weiterzumachen wie bisher.
Ändert sich der Politikstil nicht, ist das Comeback Donald Trumps gleichzeitig das Ende der etablierten Politik. Weltweit gibt es eine tiefe Sehnsucht nach Politikern, die tatsächlich etwas umsetzen. Da etablierte Parteien diese Hoffnung nicht mehr erfüllen können, nehmen weltweit die Wahlerfolge der Populisten zu. Es wird nötig sein, aktiv eine andere Form von Politik zu leben, ansonsten wird das bisherige politische System hinweggefegt werden.
Wenn normale Politikerinnen und Politiker einfach die normalen Probleme der ganz normalen Menschen lösen würden, dann würden die ganz normalen Menschen auch wieder ganz normale Parteien wählen. Solange Politik sich darauf nicht konzentriert, sondern sich in Ritualen und der Skandalisierung der Populisten verliert, wird der Politikstil genau dieser Populisten seinen Siegeszug weltweit fortsetzen.
Nach seinem Comeback kann Trump nicht wiedergewählt werden. Die Hoffnungen und Erwartungen aber, die in ihn gesetzt werden, können einfach auf andere übertragen werden. Nach seinem Coming-out als Politiker wäre Elon Musk sicher bereit, in vier Jahren der Geisteshaltung Trumps zu einer dritten Amtszeit zu verhelfen.