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Hamburg MannheimerHerr Kaiser kokst mit Salz

Der Skandal um die Sexpartys der Ergo-Tochter Hamburg Mannheimer wird immer skurriler. Vertreter sollen auf Incentive-Reisen gekokst haben. Doch das Unternehmen präsentiert eine ganz andere Version. 24.05.2011 - 13:22 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Die Vorwürfe klangen gravierend. Auf Incentive-Reisen der Ergo-Tochter Hamburg Mannheimer soll es nicht nur zu ausschweifenden Sexpartys mit Prostituierten gekommen sein. Nach einem Bericht der Bild-Zeitung sei es sogar mehrfach zu Kokain-Konsum auf Veranstaltungen des Versicherungsunternehmens für seine besten Verkäufer gekommen sein. Auf Partys des sogenannten „Top-5-Clubs“ sei es mindestens zwei Mal zu Drogenexzessen gekommen sein, berichtete die Bild-Zeitung unter Berufung auf Teilnehmer. Auf Videos war zu sehen, wie sich Personen ein weißes Pulver durch gerollte Geldscheine in die Nase ziehen. „Hier kokst der Kollege von Herrn Kaiser“, titelte die Bild dazu.

Doch das Unternehmen präsentiert dafür nun eine überraschende andere Erklärung: „Die veröffentlichten Fotos zeigen ein Trinkspiel mit Salz, Tequila und Zitronensaft“, teilte die Ergo mit. Dazu gehöre das "Einschnupfen von Salz durch die Nase". Es handele sich dabei nicht um den Konsum von Kokain. Der Ergo weist darauf hin, dass ihr inzwischen auch eidesstattliche Versicherungen von auf den Fotos abgebildeten Personen vorliegen.

Die Ergo-Versicherungsgruppe hat angesichts der Sex-Affäre eine für das kommendes Wochenende geplante Belohnungsreise für Top-Verkäufer nach Monaco abgesagt. „Eine solche Reise passt aktuell nicht ins Umfeld“, sagte ein Unternehmenssprecher. „Die Absage ist aber kein Eingeständnis, dass auf der Reise irgendetwas zu beanstanden gewesen wäre“, betonte er. Die Vertriebsleute wollten in Monaco das Formel-1-Rennen anschauen.

Das Handelsblatt hatte enthüllt, dass die Hamburg Mannheimer bei einer Incentive-Reise für ihre besten Verkäufer im Juni 2007 die historische Gellert-Therme in Budapest in ein Freiluftbordell mit mindestens 20 Prostituierten verwandelt hatte. Die Frauen trugen farbige Bändern an den Handgelenken, um zu kennzeichnen, für welche Dienste und für welche der rund 100 Vertreter sie vorgesehen waren. In der Therme waren hierzu fünf große Himmelbetten aufgestellt.

„Jeder konnte mit einer der Damen auf eines der Betten gehen und tun, was er wollte“, erinnert sich ein Teilnehmer. „Die Damen wurden nach jedem solcher Treffen mit einem Stempel auf ihrem Unterarm abgestempelt. So wurde festgehalten, welche Dame wie oft frequentiert wurde.“

In der Mitarbeiterzeitung der HMI „Profil“ stand später zu lesen: „Unglaublich, was man in der HMI wirklich erleben kann. Aus welchem Blickwinkel auch immer man diese Mega-Fete betrachtete, ein Mordsspaß war es auf alle Fälle. Jedenfalls haben wir bis zu diesem Zeitpunkt noch niemanden gefunden, der dabei war und nicht sofort wieder loslegen möchte.“ Nach Angaben von Teilnehmern sind sowohl Führungskräfte der HMI als auch zahlreiche Versicherungsvertreter, die an der Party teilnahmen, auch heute noch für die Versicherung aktiv.

Die Sex-Party für Mitarbeiter der Versicherung Hamburg-Mannheimer in Budapest könnte strafrechtliche Folgen haben. „Wir prüfen derzeit, welche Möglichkeiten bestehen, gegen die damals Verantwortlichen vorzugehen“, sagte gestern eine Sprecherin der Ergo-Versicherungsgruppe, in der das Unternehmen mittlerweile aufgegangen ist, dem Handelsblatt. „Dazu gehört auch die Prüfung der strafrechtlichen Seite“, fügte die Sprecherin hinzu.

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Das unanständige Angebot an die Top-Verkäufer bringt auch ihr bekanntes Werbegesicht, den biederen „Herrn Kaiser“, in die Bredouille. „Wir legen Wert auf die Feststellung, dass der Schauspieler, der
Herrn Kaiser darstellt, nicht dabei war“, sagte ein anderer Unternehmenssprecher. Auch von den eingeladenen Versicherungsvertretern hätten nicht alle zugesagt, an der Reise teilzunehmen.

Eigentlich motiviert die Mitarbeiterzeitung die Beschäftigten der Munich Re-Tochter Hamburg Mannheimer mit anderen Themen. Das Cover der Ausgabe vom Juli 2007, in der über die Lustreise berichtet wird, stellt das Thema Vertrauen in den Fokus.

Foto: Handelsblatt

Doch diesmal hatten die Macher der Unternehmenspostille mehr zu tun, als über Vertrauen und Qualität zu berichten. „Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht“, hieß es in der entsprechenden Ausgabe. "Oder aber, sie sind so abgefahren, so sagenhaft und unbeschreiblich, dass es sie beinahe gar nicht geben dürfte.“

Foto: Handelsblatt

Von einer Reise nach Budapest wurde dort geschwärmt: "Damit kann nichts und niemand mithalten, und genau darum ist es ja auch so wunderbar, ein HMI-Freak zu sein." (Die Gesichter hat Handelsblatt Online unkenntlich gemacht)

Foto: Handelsblatt

Die Reise führte Herrn Kaisers Truppe in die historische Gellert-Therme der ungarischen Hauptstadt. Wo sich die Städter bereits im 13. Jahrhundert entspannten, finden heute so genannte "Wassernächte" statt.

Foto: Handelsblatt

Für die HMI-Mitarbeiter sollte es in Budapest "Party total" sein (Ausriss aus der Mitarbeiterzeitung).

Foto: Handelsblatt

Auf der Abendveranstaltung in den Gellertthermen sollen bis zu hundert Prostituierte gewesen sein. Das Unternehmen spricht dagegen von etwa zwanzig.

Den Mitarbeitern zufolge "kamen die Damen und zeigten uns, was sie zu bieten hatten." Sogar von mit Tüchern verhängten Himmelbetten, die rechts und links der Quellen aufgestellt waren, berichteten die Mitarbeiter.

(Anm. der Redaktion: Die Aufnahme zeigt eine "Wassernacht")

Foto: Handelsblatt

Wer kein Bett abbekam, wich auf den Pool aus. Die Mitarbeiterzeitung schrieb später süffisant: "Wer diesmal seine Badehose vergessen hatte, der hatte selbst Schuld." Ein Skandal.

Foto: Handelsblatt

Eine Sexaffäre, die Konzernmutter Munich Re zur Unzeit trifft.

Foto: dapd

Gerade erst hatte sie eine umfangreiche Werbekampagne für die Ergo-Versicherungsgruppe gestartet, in der die Hamburg Mannheimer 2010 aufging.

Foto: Handelsblatt

kol, iw
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