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InsolvenzantragDer seltsame Verkauf der Otto-Tochter TS24

2009 verschenkte der Otto-Konzern seinen Reparaturservice und gab einen hohen Millionenbetrag dazu. Nun ist das Geld weg, TS24 hat Insolvenzantrag gestellt. Die Käufer von Elbe Partners sehen keine Schuld bei sich.Sönke Iwersen 12.03.2012 - 10:14 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Otto-Firmenlogo vor dem Versandzentrum in Haldensleben.

Foto: dapd

Hamburg. Es war ein Vertrag wie unter Freunden. Die Bedingungen, die der Unternehmensberater Ulrich Wlecke 2010 mit der Technik Service 24 GmbH & Co KG (TS24) vereinbarte, lasen sich sehr angenehm. Seine Arbeitszeit war unbestimmt und frei einteilbar, sein Arbeitsort offen. Wenn Wlecke nebenbei andere Tätigkeiten übernehmen wollte, durfte er. Seine Vergütung wurde mit monatlich knapp 20.000 Euro veranschlagt, zuzüglich Umsatzsteuer.

„Wlecke ist ein guter Mann“, sagt TS24-Geschäftsführer Ramin Ghalibaf, der den Vertrag mit Wlecke unterschrieb. Ghalibaf muss das wissen. Er und Wlecke sind beide Gesellschafter der Industrie-Holding Elbe Partners. Sie ist die Muttergesellschaft von TS24.

Die Geschichte der TS24 hat etwas Skurriles. Der Reparaturservice mit 380 Mitarbeitern machte dem Otto-Konzern keine Freude. Die Umsätze waren stark rückläufig, das Ergebnis rot. Im Geschäftsjahr 2008/09 liefen bei 26 Millionen Euro Umsatz 1,1 Millionen Euro Verlust auf. Doch statt das Problem zu lösen, wurde es entsorgt.

„Die Elbe Partners Industries AG hat zum 1. Juli die auf technische Kundendienste für Haushaltsgeräte und Unterhaltungselektronik spezialisierte TS24 erworben“, teilten Elbe Partners und Otto 2009 mit. Elbe sei für TS24 der „ideale Partner“. Für Elbe Partners war vor allem der Preis ideal: ein Euro. Otto stattete TS24 mit fünf Millionen Euro aus, gab in derselben Höhe Darlehen und verzichtete auf Forderungen von zwölf Millionen Euro. Eine Otto-Sprecherin sagt heute: „Dem Käufer wurde damals ein gut aufgestelltes und bilanziell gesundes Unternehmen übergeben.“

Von dieser Großzügigkeit profitierten die Käufer. Elbe-Gründer Ghalibaf zog in die TS24-Geschäftsführung ein und ließ sich seine Tätigkeit mit rund 20.000 Euro je Monat vergüten. Er wohnte auf Firmenkosten in einem Hotel und bekam Bahnfahrten und Flüge nach Hamburg erstattet. Dann verpflichtete Ghalibaf als Berater seinen Geschäftspartner Wlecke - für die erwähnten knapp 20.000 Euro pro Monat. Die Elbe-Manager Claus-Ascan Jencquel und Nico Reimers wurden Beiräte - für einen Jahresbetrag von je 12.000 Euro plus 1000 Euro Sitzungsgeld plus Spesen. Im Gespräch mit dem Handelsblatt sagte Ghalibaf: „Das ist alles völlig üblich.“

Da Ghalibaf laut eigener Auskunft keine operative Kenntnis vom TS24-Geschäft hatte, stellte er einen weiteren Geschäftsführer ein. Holger Brehm, abgeworben vom zwischenzeitlich ebenfalls insolventen Konkurrenten Profectis, erhielt ein „angemessenes Gehalt“, wie Ghalibaf sagt. Außerdem sei es erforderlich gewesen, als Firmenwagen für Brehm einen Audi R6 mit Sonderausstattung anzuschaffen. „Autos sind halt seine Leidenschaft“, sagt Ghalibaf.

Nach den Vergütungsreports der Managementberatung Kienbaum lagen die Bezüge mehrerer TS24-Manager über dem, was die am höchsten bezahlten Chefs vergleichbarer Unternehmen erhielten. Für die normalen TS24-Mitarbeiter kam es anders. Jeder vierte Arbeitsplatz wurde gestrichen, der Standort Hamburg geschlossen.


„Wo andere aufhören, steigen wir ein.“ Das ist das Motto der Elbe Partners. „Wir übernehmen unternehmerische Verantwortung und erzeugen reale Werte durch operative Verbesserung“, schreiben die Hamburger auf ihrer Internetseite. Bei TS24 blieben sie den Beweis schuldig. Zu keinem Zeitpunkt erwirtschaftete das Unternehmen unter ihrer Führung Gewinn. Im Gegenteil: während sich die Elbe-Manager gegenseitig für fünfstellige Summen berieten, schrumpfte das Geschäft weiter. Nach und nach war alles Geld von Otto aufgezehrt. Im Februar stellte TS24 einen Insolvenzantrag.

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Die Entwicklung wirft Fragen auf. „Grundsätzlich darf ein Geschäftsführer einen Insolvenzantrag nicht hinauszögern, weil er sich gern weiter sein Gehalt zahlen möchte“, sagt Rechtsanwalt und Insolvenzspezialist Klaus Kollbach. „Wenn eine Gesellschaft überschuldet ist und keine Aussicht auf Besserung besteht, muss der Antrag gestellt werden. Alles andere schädigt die Gläubiger und wäre ein Insolvenzstraftatbestand.“

Ghalibaf sieht dies bei TS24 nicht. Es gebe keinen Grund anzunehmen, dass Elbe Partners einfach so lange weitergemacht hätte, bis das Geld von Otto weg war. „Ich habe 2011 sogar meine Vergütung auf 150.000 Euro gesenkt“, sagt Ghalibaf. Er könne sich vorstellen, TS24 erneut zu kaufen - idealerweise durch die Insolvenz von langfristigen Mietverträgen und anderem Ballast befreit.

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