„Weltreport 2012“: Schuldenkrise könnte deutsche Wirtschaft lahmlegen
Arbeiten an einer Windkraftanlage: Welche Auswirkungen hat die Schuldenkrise auf Deutschland?
Foto: dpaMünchen/Osnabrück/Berlin. Unter den Folgen der Schuldenkrise in den südeuropäischen Ländern soll auch Deutschland leiden. Davon geht dem Nachrichtenmagazin „Focus“ zufolge das Forschungsinstitut Prognos in seiner Wirtschaftsanalyse „Weltreport 2012“ aus. Demnach sollen die Folgen der Krise 2013 und 2014 eine Delle beim deutschen Wirtschaftswachstum verursachen. Erst nach 2014 lege die Konjunktur in Deutschland wieder mit einem Wachstum von im Schnitt 1,1 Prozent zu.
„Die vergangenen zwei Jahre waren außergewöhnlich, das wird sich so nicht wiederholen“, heißt es demnach in der Analyse, die bis ins Jahr 2035 reicht. Deutschland werde mit dem geringen Wachstum jedoch gut zurechtkommen. Basis dafür sei die weiterhin positive Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt, die unter anderen durch den Fachkräftemangel gestützt werde. So werde die Arbeitslosenquote bis 2035 auf 3,7 Prozent sinken. Insgesamt hängen Prognos zufolge 23 Prozent aller Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Export deutscher Unternehmen ab: Waren es im Jahr 2000 etwa 7,7 Millionen, betrage die Zahl nun 9,6 Millionen Stellen, mehr als die Hälfte davon Dienstleistungsjobs.
Differenziert nach Ländern seien die meisten Arbeitsplätze (678.000 Jobs) von Frankreich abhängig, gefolgt von den USA (542.000) und Großbritannien (510.000). China liegt demnach auf dem elften Platz (227.000), zeige aber eine enorme Tendenz nach oben.
Laut Prognos-Analyse wird sich die US-Wirtschaft Ende des Jahrzehnts wieder erholen und stärker wachsen als die EU. Daher werde es China bis 2035 auch nicht gelingen, die USA als größte Volkswirtschaft zu überholen. Grundlage des Weltreports ist dem Bericht zufolge ein komplexes Modell, das 42 Länder systematisch interagieren lässt und Prognosen bis 2035 ermöglicht.
Indes warfen die Grünen der Bundesregierung vor, die Schuldenkrise in Spanien zu verschärfen. „Die Bundesregierung trägt dazu bei, Spanien weiter in die Misere zu treiben“, sagte der finanzpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion, Gerhard Schick, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag. „Die Zuspitzung der Lage habe wesentlich damit zu tun, dass die Investoren Sorge hätten, was an Bankenproblemen noch auf den spanischen Staatshaushalt zukomme.
Schick betonte, mit ihrem Nein zu einer europäischen Lösung für die Bankenkrise treibe die Bundesregierung die Zinsen für Spanien nach oben. “Deshalb verschärft sich die Finanzkrise erneut.“
Auch die SPD sieht die Bundesregierung in der Mitverantwortung. Fraktionsgeschäftsführer Thomas Oppermann forderte Kanzlerin Angela Merkel zu weiteren Hilfen für Krisenstaaten wie Spanien auf. Sparen allein werde nicht reichen, um die Wirtschaftsprobleme in Schulden-Ländern zu lösen, sagte er der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ vom Samstag mit Blick auf die Herabstufung der Kreditwürdigkeit Spaniens. „Angela Merkel ist die Einzige in Europa, die es noch nicht begriffen hat.“ Er forderte einen zusätzlichen Masterplan, um Impulse für Wachstum in Ländern wie Spanien zu setzen. „Nur dann werden sie auf die Beine kommen und ihre Staatsschulden selbst bezahlen können.
Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler besteht indes weiter auf den Sparplan. Er ermahnte die Regierungen der Europäischen Union eindringlich, ihren Sparkurs fortzusetzen. „Die Gefahr besteht, dass die Krise aufflackert. Deswegen appelliere ich dringend an unsere europäischen Partner, die angestoßenen Reformen konsequent fortzusetzen - so schmerzhaft sie für die Menschen auch unbestritten sind“, sagte der FDP-Vorsitzende der „Welt am Sonntag“.
Die leichte Beruhigung auf den Märkten sei Ergebnis der Verständigung auf den Fiskalpakt, sagte Rösler. „Jedes Aufweichen würde ein Aufflackern der Krise auslösen. Die Märkte beobachten genau, ob wir es ernst meinen mit der Stabilitätsunion.