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Offener Brief der Schlecker-Kinder„Vom Sportwagen bis zur schönen Uhr hat er alles abgeben müssen“

Anton Schlecker hält sich nach dem Aus seiner Drogeriekette weiterhin bedeckt - jetzt haben aber seine Kinder Meike und Lars offene Worte gefunden. Ihr Brief an die Öffentlichkeit beinhaltet spektakuläre Aussagen.Tobias Döring 22.06.2012 - 16:32 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Lars und Meike Schlecker in Ehingen vor der Unternehmenszentrale der Schlecker-Drogeriemärkte.

Foto: dpa

Düsseldorf. Die Kinder des insolventen Drogeriemarktgründers Anton Schlecker, Meike und Lars, wehren sich gegen den Vorwurf, weiter über ein Millionenvermögen zu verfügen. Die Geschwister wandten sich in einer persönlichen Mitteilung an die Öffentlichkeit. In dem Statement geht es vor allem um die Vermögensverhältnisse der Schleckers.

„Unser Vater, Anton Schlecker, und die Anton Schlecker e.K. sind berechtigterweise in die Insolvenz gegangen“, heißt es in der Mitteilung. „Er selbst besitzt kein Vermögen mehr. Vom Sportwagen bis zur schönen Uhr hat er alles als Teil der Insolvenzmasse abgeben müssen.“

Da Anton Schlecker mit seiner Ehefrau jedoch eine Gütertrennung vereinbart habe und sowohl Meike als auch Lars Schlecker über eigenes Vermögen verfügten, sei in der Familie noch Geld vorhanden. Eine Sippenhaft gebe es im deutschen Recht nicht, betonen Meike und Lars Schlecker. „Wir helfen unserem Vater und werden ihn selbstverständlich auch in dieser Situation nicht im Stich zu lassen“, schreiben die Schlecker Kinder weiter.

Konkrete Zahlen nennen Meike und Lars Schlecker dabei nicht. „Wir werden jedoch nicht tiefer unser Vermögen in den Medien offenlegen, da dies immer noch unsere Privatsache ist.“ Verloren sei aber die private Einlage bei Schlecker von jeweils 49 Millionen Euro sowie 64 Millionen, die bei der Pleite der Schlecker-Dienstleistungsgesellschaft verloren gegangenen seien.

Was seit der Insolvenz bei Schlecker passiert ist
Schlecker verkündet seine Zahlungsunfähigkeit. Für 30.000 Mitarbeiter beginnt das Bangen um den Arbeitsplatz.
Der Insolvenzantrag geht beim Ulmer Amtsgericht ein. Als vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt das Gericht den Wirtschaftsprüfer Arndt Geiwitz.
Die Unternehmenstochter Ihr Platz stellt Insolvenzantrag.
Geiwitz kündigt an, dass Schlecker Ende März mehr als 2000 Filialen in Deutschland schließen wird und über 11.000 Mitarbeiter gehen müssen.
Das Land Baden-Württemberg stellt erstmals eine Kreditbürgschaft in Aussicht. Andere Länder und der Bund sollen mitmachen. Mit Hilfe der Bürgschaft soll Schlecker einen Kredit aufnehmen, um damit eine Auffanggesellschaft für entlassene Mitarbeiter zu finanzieren.
Das Bundeswirtschaftsministerium lehnt eine Beteiligung an der rund 70 Millionen Euro schweren Kreditbürgschaft ab.
Eine von den Bundesländern getragene Bürgschaft scheitert am Widerstand der FDP. Gut 10.000 Beschäftigte werden damit ab April arbeitslos.
Die Aufteilung von Schlecker beginnt: Das tschechische Handelsunternehmen PKS kauft die dortige Schlecker-Tochter. Auch für andere Auslandsableger und für Ihr Platz soll es Investoren geben.
Die Interessenten für das Gesamtunternehmen werden weniger: Nach Penta springt Medienberichten zufolge auch das Emirat Katar als möglicher Investor ab. Rund 4000 Kündigungsschutzklagen entlassener Mitarbeiter erschweren die Investorensuche, weil sie Zusatzkosten verursachen könnten. Außerdem gibt es noch keinen Sanierungstarifvertrag für die verbliebenen gut 13.000 Beschäftigten.
Es wird bekannt, dass der Karstadt-Käufer Nicolas Berggruen sich angeblich für Schlecker interessiert.
Die Gläubigerversammlung ist zusammentreten - und hat beschlossen, dass Schlecker abgewickelt werden soll.
Bei Schlecker beginnt der Ausverkauf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen zum Monatsende die Kündigung erhalten.
Der Ausverkauf endet: Bis auf die XL- und die Ihr Platz-Märkte schließen sämtliche Schlecker-Filialen. Es wird bekannt, dass Anton Schlecker sein Privathaus im Wert von zwei Millionen Euro vor der Insolvenz an seine Frau übertragen hat. Ein weiteres Grundstück soll an seinen Sohn gegangen sein.
Frühere Berater werfen Anton Schlecker schwere Fehler vor. Der Unternehmer habe bei einem Restrukturierungsprogramm nicht über Finanzierungsfragen sprechen wollen. Außerdem habe er die Schließung unrentabler Filialen verhindert.
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart leitet ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts auf Untreue, Insolvenzverschleppung und Bankrott gegen Anton Schlecker und 13 weitere Beschuldigte ein.

Recherchen des Handelsblatts hatten Anfang Juni ergeben, dass die Familie noch über ein Privatvermögen von 35 bis 40 Millionen Euro verfügt. Die Millionen der Schleckers seien zum größten Teil im Besitz der Kinder, bestätigten Ex-Schlecker-Manager dem Handelsblatt. Die Villa der Familie gehöre der Ehefrau Anton Schleckers, der in der Insolvenz mit seinem Privatvermögen haftet. Der Firmenchef galt früher als Milliardär.

Mit Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz kooperiere man genauso wie Vater Anton „selbstverständlich offen und transparent“, heißt es jetzt von Meike und Lars Schlecker. Sollte es Vermögensübertragungen gegeben haben, die im Sinne des Insolvenzrechtes rückübertragen werden müssten, so werde dies diskutiert und gegebenenfalls zurücküberwiesen.

Das Schlecker-Drama

Der größenwahnsinnige König von Ehingen

Die Schlecker-Kinder geben sich von der Insolvenz hart getroffen. „Es ist ein Schock, eine Tragödie und ein Desaster.“ Man liege oft wach und grübele. Das Lebenswerk der Eltern sei zerbrochen. Die Drogeriekette „war für uns alle Lebensinhalt - und da ist jetzt erst einmal ein großes Nichts“.

Die größten deutschen Firmenpleiten
SchlottDruckerei/1480 Beschäftigte(Quelle: Statista)
HansaPflegeheim/1600 Mitarbeiter
Mäc GeizDiscounter/1600 Mitarbeiter
SellnerAutozulieferer/1600 Mitarbeiter
EscadaModekonzern/2200 Mitarbeiter
Q-CellsSolarindustrie/2300 Mitarbeiter
SchiesserTextilhersteller/2300 Mitarbeiter
EdschaAutozulieferer/2300 Mitarbeiter
Wadan-WerftenSchiffsbau/2400 Mitarbeiter
HonselAutozulieferer/3000 Mitarbeiter
KarmannAutozulieferer/3400 Mitarbeiter
QuimondaChiphersteller/4600 Mitarbeiter
ManrolandMaschinenbauer/6500 Mitarbeiter
WoolworthKaufhaus/9300 Mitarbeiter
SchleckerDrogeriekette/25.000 Mitarbeiter
ArcandorHandel und Touristik/52.000 Mitarbeiter

Meike und Lars Schlecker betonen in ihrer Mitteilung auch ihre Dankbarkeit an die Mitarbeiter. „Wir wollen nicht jammern und es sind die vielen ehemaligen Schlecker-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, denen unser Dank für die vergangenen Jahre und unser Mitgefühl in dieser schwierigen Phase gehört.“

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Den Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz treffe aber keine Schuld. „Aus unserer Sicht hat der Insolvenzverwalter sehr engagiert gekämpft“, schreiben die Schlecker-Kinder. Man sei der festen Überzeugung, dass eine „Transfergesellschaft ein sehr guter Ansatz gewesen wäre“. Die Verhandlungen seien wegen der nicht signifikant zu senkenden Personalkosten gescheitert.

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