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Der nächste Topmanager vor dem FallDeutschlandchef von Sarasin im Visier

Die Schweizer Privatbank steht wegen einer Steuerhinterziehungsaffäre und einer fatalen Investitionsempfehlung für eine Windkraftfirma unter Druck. Deutschlandchef Frank Niehage könnte vor der Ablösung stehen.Oliver Stock 23.12.2012 - 14:55 Uhr Artikel anhören

Frank Niehage (3.v.l.) ist nicht länger Deutschlandchef der Bank Sarasin.

Foto: PR

Düsseldorf. Die Durchsuchungen der Staatsanwaltschaft München bei der Schweizer Bank Sarasin und Proteste von Anlegern könnten dazu führen, dass das Schweizer Bankhaus seinen Deutschlandchef Frank Niehage ablöst. Damit würde ein weiterer Topbanker in Deutschland seinen Posten letztlich aufgrund behördlicher Ermittlungen verlieren.

Niehage hatte den deutschen Teil der Bank über Jahre hinweg erfolgreich von Frankfurt aus geführt. Sein Konzept bestand unter anderem darin, die Bank konsequent auf nachhaltige Investments auszurichten. Auf eigenen Veranstaltungen vor Anlegern und Unternehmern warb Niehage beispielsweise für Investitionen in Windparkbetreiber und Solarzellen-Hersteller.

Inzwischen allerdings ist die Nachhaltigkeits-Branche in Schwierigkeiten geraten. Geänderte Fördermodelle lassen deutsche Solarunternehmen reihenweise pleite gehen. Windkraftbetreiber, die in der Nord- und Ostsee Windparks errichten wollen, stehen vor ungeahnten technischen und infrastrukturellen Herausforderungen, die ihre Projekte stark verzögern. Selbst Dax-Konzerne wie Siemens haben Schwierigkeiten, geplante Anlagen rechtzeitig zu errichten.

Die Probleme, mit denen die Branche kämpft, schlagen voll auf die Bank durch. Sarasin ist sowohl über Kredite wie über Anleihen von Windparkbetreibern und Solarunternehmen, die sie Anlegern empfohlen hat, mit der Branche verknüpft. Wacklige Kredite und unzufriedene Kunden haben Niehage seit Wochen unter Druck gesetzt. Dass er nun vor der Ablösung steht, wollte der Schweizer Bankmiteigentümer Eric Sarasin auf Anfrage von Handelsblatt Online nicht kommentieren. Niehage selbst sagt dazu: "Ich bin Vorstandsvorsitzender der Bank und befinde mich im geplanten Weihnachtsurlaub."

Die empfindlichsten Strafen für Banken
Geldwäsche oder Libor-Skandal – vielen Finanzhäusern drohen hohe Geldbußen. Eine Übersicht, wer schon happige Strafen zahlen musste.
Die britische Bank Barclays hatte sich im Juni bereit erklärt rund 470 Millionen Dollar zu zahlen, um die Libor-Untersuchungen in Großbritannien und in den USA beizulegen.
Die US-Energiemarktaufsicht FERC forderte im Juli 2013 von der britischen Bank Barclays eine Rekordstrafe von 453 Millionen Dollar. Die Behörde warf dem Bankhaus vor, in den Jahren 2006 bis 2008 den Strommarkt manipuliert zu haben. Vier Barclays-Händler hätten die Preise am Strommarkt künstlich gedrückt, um am Derivatemarkt mit Wetten gegen steigende Strompreise abzusahnen.
Die US-Bank stimmte einem 500 Millionen Dollar schweren Vergleich mit der US-Aufsicht SEC zu. Die SEC hatte der Großbank vorgeworfen, ein auf faulen Krediten basierendes Finanzprodukt in dem Moment aufgelegt zu haben, als der Immobilienmarkt in den USA abzustürzen begann.
Die niederländische Bank ABN Amro zahlte wegen des Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 500 Millionen Dollar.
Die Crédit Suisse muss wegen Verstoßes gegen Iran-Sanktionen 536 Millionen Dollar Strafe zahlen.
Die niederländische ING zahlte 619 Millionen Dollar. Sie soll für kubanische und iranische Kunden Milliarden durch das US-Finanzsystem geschleust haben.
Die britische Bank geriet wegen ihrer Iran-Geschäfte ins Visier der New Yorker Finanzaufsicht DFS. Fast zehn Jahre lang soll fast zehn Jahre lang gegen die Sanktionen verstoßen haben und Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Die Bank hat die Vorwürfe zwar vehement abgestritten, dann stimmten die Briten doch einer Zahlung von 340 Millionen Dollar zu. Außerdem schloss die Bank einen Vergleich mit der US-Notenbank Fed, dem US-Justizministerium und der Staatsanwaltschaft Manhattan und zahlt noch einmal 330 Millionen Dollar, insgesamt also insgesamt 670 Millionen Dollar.
Die Royal Bank of Scotland zahlte eine Strafe von 500 Millionen Dollar. Sie soll über die niederländische Bank ABN Amro Geld für Kunden aus dem Iran, Libyen und Syrien gewaschen haben. Für die Verwicklung in den Libor-Skandal zahlt die Bank 615 Millionen Dollar an die Behörden in den USA und Großbritannien.
Die Großbank hatte über Jahre hinweg mexikanischen Drogenbossen und saudi-arabischen Terrorfinanzierern bei der Geldwäsche geholfen. Die US-Behörden verdonnerten die Bank zu einer Strafe von rund 1,9 Milliarden Dollar.
Die Schweizer Großbank UBS zahlt wegen des Libor-Skandals insgesamt Strafen in Höhe von 1,16 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Franken) an Behörden in den USA, Großbritannien und der Schweiz. Die Strafzahlungen führen dazu, dass die UBS im vierten Quartal 2012 einen Reinverlust von bis zu 2,5 Milliarden Franken verbucht. Zudem zahlt die Bank 780 Millionen Dollar Strafe wegen Beihilfe zum Steuerbetrug.
Im Juli 2013 einigt sich die Schweizer Großbank UBS mit US-Behörden, einen Streit über Hypothekenpapiere beizulegen. Die Vorwürfe beziehen sich auf das Jahr 2008. Die UBS zahlt 885 Millionen Dollar, ohne eine Schuld anzuerkennen.
Mehrere Banken in den USA stimmten Anfang des Jahres einem mehr als 25 Milliarden Dollar schweren Vergleich zu. Zu den Finanzhäusern zählen Ally Financial, Bank of America, Citigroup, JP Morgan Chase sowie Wells Fargo. Bei dem Vergleich geht es um Forderungen aus Hypothekenkrediten. (Quelle: eigene Recherche, Stand Dezember 2012)

Handelsblatt Online liegen Schreiben von Anlegern vor, die sich darüber beschweren, dass Sarasin-Berater in Deutschland empfahlen, Unternehmensanleihen der Firmen Windreich und Sic-Processing zu kaufen. In Einzelfällen sind dadurch bereits Buchverluste im siebenstelligen Bereich für Sarasinkunden entstanden.

Sic-Processing beschäftigt sich mit dem Recycling von Solarzellen und musste in der vergangenen Woche Antrag auf "Einleitung eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung" beim Amtsgericht stellen. Damit steht das Unternehmen möglicherweise vor der endgültigen Insolvenz und die Anleihe wird zum Totalausfall. Starke Nerven brauchen Anleger auch, die auf Sarasin-Empfehlung Anleihen von Deutschlands größtem Offshore-Windparkbetreiber Windreich gekauft haben. Sie notieren derzeit bei wenig mehr als der Hälfte ihres Nominalwertes.

Windreich-Chef Willi Balz sagte dazu gegenüber Handelsblatt Online: "Der Finanzmarkt versteht nicht, wie wir wirklich dastehen, sondern wirft uns in einen Topf mit den Problemkandidaten der Branche." Balz sieht sein Unternehmen auf Kurs und macht den Anlegern immerhin Hoffnung, dass sie am Ende der Laufzeit der Anleihen ihr investiertes Geld inklusive der versprochenen Zinsen wiedersehen.

Einige Anleger fühlen sich dennoch von Sarasin übervorteilt, weil sie nicht ausdrücklich erfuhren, dass ihre Bank erst einen 70-Millionen-Euro Kredit an Windreich vergeben hat und anschließend die Anleihe empfahl. Ihnen fallen auch persönliche Verbindungen zwischen Balz und Niehage auf, die beispielsweise in diesem Sommer gemeinsam mit ihren aufwendigen Oldtimern an einer Rallye teilgenommen haben. Die empörten Anleger haben sich inzwischen an den Münchner Anwalt und Kapitalmarktspezialisten Klaus Rotter gewandt, der prüft, inwieweit sie dadurch bewusst hinters Licht geführt wurden.

Eine Schlüsselrolle könnte Sarasin auch in einem Fall von Steuerhinterziehung spielen, in dem die Generalstaatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt. Sie hatte deswegen Ende November Filialen der Schweizer Bank in Deutschland sowie der Hypovereinsbank durchsucht. Die Schweizer Bank, so der Verdacht der Ermittler, soll Initiator von Aktiengeschäften gewesen sein, mit denen der deutsche Fiskus um 124 Millionen Euro betrogen wurde. Sarasin sieht in dieser Sache nach eigener Auskunft keine "Anzeichen für ein Fehlverhalten", hat aber "interne Untersuchungen" eingeleitet.

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In den vergangenen Wochen waren zahlreiche Topmanager – unter ihnen Banker – ins Visier der Ermittler geraten: Gegen den ehemaligen Morgan-Stanley-Chef Dirk Notheis wird wegen des Verkaufs von Anleihen am Versorger EnBW ermittelt. Die Deutsche-Bank-Vorstände Jürgen Fitschen und Stefan Krause müssen sich wegen ihrer Unterschrift unter einer Steuererklärung verantworten, die sich als falsch herausstellte und gegen den Hauptgeschäftsführer des Bankenverbandes Michael Kemmer wird seit Monaten wegen seiner Rolle beim missglücktem Kauf einer österreichischen Bank ermittelt.

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