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OnlinebrokerFlatexdegiro-Aktionär Förtsch erneuert Kritik am Chefaufseher

Zahlreiche Aktionäre stimmten auf der Hauptversammlung für eine Abwahl von Aufsichtsratschef Martin Korbmacher. Doch es gab keine Mehrheit. Nun fordert Bernd Förtsch, dass er seinen Vorsitz abgibt.Dennis Schwarz 26.06.2024 - 10:42 Uhr
Bernd Förtsch: Der Flatex-Gründer hält 19,2 Prozent aller Aktien am Unternehmen. Foto: PR

Frankfurt. Was vor wenigen Wochen noch undenkbar schien, ist eingetreten: Der Aufsichtsratsvorsitzende Martin Korbmacher und der Großaktionär Bernd Förtsch sitzen gemeinsam im Kontrollgremium des Onlinebrokers Flatexdegiro. „Wir werden professionell und konstruktiv zusammenarbeiten“, sagte Förtsch im Gespräch mit dem Handelsblatt.

Dabei hatte Flatex-Gründer und -Anteilseigner Förtsch einen Antrag auf die Abwahl Korbmachers gestellt – und war damit knapp gescheitert: 65,11 Prozent stimmten auf dem Aktionärstreffen Anfang Juni für eine Abwahl. Erforderlich gewesen wäre eine Dreiviertelmehrheit.

An seiner Kritik hält Förtsch aber auch drei Wochen nach der Abstimmung fest: „Ich hatte erwartet, dass Herr Korbmacher zumindest das Amt des Vorsitzenden niederlegt“, sagte er. Der Aufsichtsratsvorsitzende repräsentiere das Unternehmen, führe Investorengespräche. „Das gestaltet sich bei Herrn Korbmacher künftig schwierig, er hat durch das Ergebnis keinen Rückhalt mehr“, so der Investor.

Bernd Förtsch im Flatex-Aufsichtsrat: „Rückhalt der anderen Investoren“

Förtsch selbst war auf der Hauptversammlung mit 75,83 Prozent Ja-Stimmen als Nachfolger von Herbert Seuling in das Kontrollgremium des Neobrokers gewählt worden. „Ich spüre den Rückhalt der anderen Investoren“, sagte er.

Förtsch, der 19,2 Prozent am Unternehmen hält, hatte den Chefkontrolleur in den vergangenen Wochen mehrfach stark kritisiert. Er monierte unter anderem „erhebliche Kommunikationsmängel“ und warf Korbmacher vor, „persönliche und freundschaftliche Beziehungen“ über die Interessen der Aktionäre gestellt zu haben.

Martin Korbmacher: Der Banker ist seit 2014 Vorsitzender des Aufsichtsrats von Flatexdegiro. Foto: Fintech Group

„Nach jetzigem Stand ist Herr Korbmacher entweder nicht gewillt oder nicht in der Lage, seinen Aufgaben als Aufsichtsratsvorsitzender im ausreichenden Maße nachzukommen“, urteilte Förtsch in der Begründung zu seinem Antrag auf Korbmachers Abwahl.

Zuvor hatte der Aktionär auch den damaligen Vorstandschef Frank Niehage kritisiert. Er bemängelte die „operative, strategische und auch aufsichtsratstechnische“ Entwicklung des Unternehmens. Zu seinen Kritikpunkten zählten die schwache Entwicklung des Börsenkurses in den vergangenen Jahren sowie der Mangel an Initiativen, die das Kerngeschäft des Brokers voranbringen würden. Nachdem sich Niehage erst noch gegen die Kritik gewehrt hatte, trat er Ende April zurück.

Dabei war es Förtsch, der Korbmacher und auch Niehage 2014 ins Unternehmen geholt hatte. „Ich bereue den Schritt nicht“, sagte er rückblickend. Gerade bei der Übernahme von Degiro und der anschließenden Integration hätten beide einen „sehr guten Job“ gemacht.

Flatex hatte Ende 2020 den niederländischen Wettbewerber Degiro übernommen. „Doch seit dem Kommunikationsdesaster im Zusammenhang mit den Bafin-Feststellungen im Jahr 2022 habe ich gemerkt, dass unsere inhaltlichen Vorstellungen immer weiter auseinandergehen“, sagte Förtsch.

Die Finanzaufsicht hatte damals bei einer Sonderprüfung Mängel bei Geschäftspraktiken und Unternehmensführung festgestellt. Sie verlangte „eine ordnungsgemäße Geschäftsorganisation“ und „vorübergehende zusätzliche Eigenmittelanforderungen“.

Flatexdegiro: Fokus auf Bafin-Feststellungen

Im Februar 2023 setzte die Bafin dann auch einen Sonderprüfer ein, weil sie bei der Flatexdegiro Bank, einem hundertprozentigen Tochterunternehmen von Flatexdegiro, schwerwiegende Mängel „im internen Kontrollsystem, im aufsichtlichen Meldewesen und in der Geldwäscheprävention“ festgestellt hatte.

Auf Regulierung will Förtsch seinen Fokus legen. „In den kommenden zwölf bis 18 Monaten müssen wir vor allem unsere Hausaufgaben machen“, sagte Förtsch. Dazu gehöre, die Bafin-Feststellungen abzuarbeiten. Zudem soll sich Flatexdegiro nach seinen Vorstellungen breiter aufstellen: „Wir müssen alle in der Gesellschaft bedienen können. Von den jüngeren Kunden, die zum ersten Mal eine Aktie kaufen wollen, bis hin zu den erfahreneren Kunden mit einem höheren Vermögen.“

Etwa 1,5 Millionen Flatexdegiro-Nutzer haben im vergangenen Jahr laut dem Großaktionär keine Transaktion durchgeführt. „Diese Kunden müssen wir wieder von unserem Produkt überzeugen“, so Förtsch. Erreichen will er dies unter anderem mit neuen Produkten. Er werde sich „auch dafür einsetzen, dass wir ein Kryptoangebot“ einführen.

Aus heutiger Sicht war es ein Fehler, aus dem Aufsichtsrat auszuscheiden.
Bernd Förtsch
über seine erste Amtszeit im Kontrollgremium
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Es ist bereits die zweite Amtszeit des Großaktionärs im Aufsichtsrat. Der Flatex-Gründer saß bereits mehrere Jahre im Kontrollgremium, schied 2017 auf eigenen Wunsch aus. „Aus heutiger Sicht war es ein Fehler, aus dem Aufsichtsrat auszuscheiden“, sagte Förtsch rückblickend. Manchmal sei es besser, Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Förtschs Amtszeit läuft wie die von Korbmacher noch bis zur Hauptversammlung im kommenden Jahr. „Ich kann mir sehr gut vorstellen, auch im nächsten Jahr wieder zu kandidieren“, sagte Förtsch. Dies hänge aber davon ab, wie das gesamte Unternehmen funktioniere.

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