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Bonität von MittelständlernDeutsche Spitzenfirmen mit mauen Finanzen

Mittelständische Unternehmen zählen oft zur Weltklasse. Doch die Ratingagentur Standard & Poor’s hat nun die Finanzkraft von 25 Firmen abgeklopft. Die Ergebnisse fallen schlechter aus als bei Creditreform.Sebastian Ertinger 14.11.2013 - 11:33 Uhr Artikel anhören

Ein Facharbeiter in Deutschland: Mittelständler zählen oft zur Weltspitze, doch viele bürden sich hohe Kredite auf.

Foto: dpa

Düsseldorf. Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Kreditwürdigkeit von 25 deutschen Mittelständlern untersucht. Das Ergebnis der Stichprobe fällt mittelmäßig aus: Die Gesellschaften vom Schnapsbrenner Berentzen über Maschinenbauer wie Wacker Neuson oder Manz bis hin zum Fußballclub Schalke 04 landen eher im mittleren bis unteren Bereich der Ratingskala von S&P.

Allein die Software AG, ein Spezialist für die elektronische Datenverarbeitung bei Unternehmen, stufen die Bonitätswächter im Bereich der Note „BBB“ ein. Damit würde der Konzern mit Sitz in Darmstadt der sicheren Anlageklasse rangieren. Der sogenannte „Investment Grade“ reicht von der Topnote „AAA“ bis „BBB–“.

Einige Investoren wie Versicherungen, Pensionskassen oder Fonds dürfen wegen gesetzlicher Vorschriften oder aufgrund ihrer eigenen Richtlinien nur in diese Klasse investieren. Unternehmen mit einer Bonitätsnote der sicheren Kategorie haben es bei der Finanzierung entsprechend leichter – und die Kreditkosten fallen deutlich billiger aus.

Von der Note „BB+“ abwärts beginnt die spekulative Anlageklasse, die für manche Investoren tabu ist. Und in diese Kategorie fallen die meisten der 25 untersuchten deutschen Mittelständler. Immerhin bürdeten sich 44 Prozent der von S&P untersuchten Unternehmen eine „sehr hohe“ Kreditlast auf, 12 Prozent eine „aggressive“ und 16 Prozent eine „erhebliche“. Lediglich 24 Prozent der Firmen weisen laut S&P ein „mittleres“ und sogar nur vier Prozent ein „moderates“ Finanzrisikoprofil auf.

Wie S&P deutsche Mittelständler einschätzt
Die Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) hat die Kreditwürdigkeit von 25 deutschen Mittelständlern untersucht. Die Bonitätswächter griffen bei ihrer Analyse nur auf die öffentlich zugänglichen Firmendaten zurück. Schließlich bewerten die Experten nicht wie sonst im Auftrag des Unternehmens die Kreditqualität. So vergeben die Analysten auch kein vollwertiges Rating mit genaueren Notenabstufungen wie „BBB+“, „BB+“ sowie „BB–“ oder „B–“ und „B+“, sondern ordnen die Finanzkraft der Mittelständler nur grob in die Bereiche „BBB“, „BB“ oder „B“ ein. Bei einem „echten“ Ratingverfahren durchleuchten die Analysten das Unternehmen genauer und kämen womöglich zu anderen Ergebnissen.
Als einziges Unternehmen ordnen die Ratingexperten die Software AG im soliden Bereich mit der Bonität „BBB“ ein.
Noch gut, aber mit dem Notenbereich „BB“ bereits in der spekulativen Anlageklasse, sehen die Analysten diese Unternehmen: Sartorius, Biotest, CTS Eventim, Wacker Neuson, KWS Saat sowie Pfeiffer Vacuum und Surteco. Ebenfalls im „BB“-Spektrum werden BLG Logistics, Homag und SAF Holland eingestuft.
Im Bereich der Bonität „B“ stuft S&P die Firmen SAG Solarstrom, Grammer und Nabaltec sowie Curanum ein. Auch German Pellets, Berentzen, H&R AG, KTG Argar, Nordex, Mitec Automotive sowie Hansa, Singulus und Manz landen in dieser Klasse – und auch der Fußballklub Schalke 04.

Allerdings: Selbst deutsche Top-Unternehmen wie der Windanlagenbauer Nordex, der Saatguthersteller KWS Saat oder der Automobilzulieferer Grammer sowie der Spezialtechniker Pfeiffer Vacuum können nicht mit der Finanzkraft von Weltkonzernen wie Apple, Coca Cola sowie Johnson & Johnson oder Exxon mithalten, welche die Ratingexperten von S&P oder den Konkurrenten Moody’s und Fitch üblicherweise bewerten.

Die S&P-Experten warnen zudem davor, von den Stichproben auf die generelle Bonität der Mittelständler zu schließen. „Die Kreditqualität von mittelständischen Unternehmen in Deutschland unterscheidet sich sehr stark, und es gibt sehr wohl „höhere“ als auch „niedrigere“ Qualitäten“, sagt Analyst Tobias Mock. Dies sei letztlich Ausdruck der Vielzahl von unterschiedlichen Geschäftsmodellen und Finanzstrategien der jeweiligen Eigentümer. „Eine detaillierte Kreditanalyse des einzelnen Unternehmens ist insofern erforderlich“, folgert Mock.

Ratingagenturen-ABC
Ratingagenturen bewerten die Kreditwürdigkeit von Anleiheemittenten; das können Unternehmen, Banken oder Staaten sein. Das Urteil der Bonitätsprüfer bestimmt letztlich den Kurs der Papiere. In die Bewertung fließen veröffentlichte Zahlen ebenso ein wie Brancheneinschätzungen. Die weltweit einflussreichsten Ratingagenturen sind Standard & Poor's (S&P), Moody's und Fitch.
Je schlechter Ratingagenturen die Bonität eines Marktteilnehmers beurteilen, desto schwieriger und teurer wird es für diesen, sich frisches Geld zu besorgen. Die Refinanzierungskosten steigen, im schlimmsten Fall ziehen Geldgeber ihr Kapital ab. Am Rating orientieren sich nicht nur Banken, sondern beispielsweise auch institutionelle Investoren.
Für ihre Einstufungen verwenden die Agenturen Buchstabencodes. Bei Standard & Poor's und Fitch beginnt die Skala mit der Bestnote „AAA“ (englisch: „Triple A“). Es folgen „AA“, „A“, „BBB“, „BB“, „B“, „CCC“, „CC“, „C“. Die meisten Stufen können mit Plus- und Minuszeichen noch feiner unterteilt werden. Ab „BB+“ beginnt der spekulative Bereich, der auch „Ramsch“ (englisch: „Junk“) genannt wird. Die Skala reicht bis „D“ - das bedeutet, dass ein Ausfall des Schuldners eingetreten ist. Etwas anders verfährt die Ratingagentur Moody's, die bei der Bewertung große und kleine Buchstaben sowie Zahlen kombiniert. „Aaa“ bedeutet „erstklassig“ und ist die höchste Bewertung. Diese Note steht für höchste Qualität, geringstes Ausfallsrisiko, vergleichbar mit Staatsanleihen. Dann folgen „Aa1“, „Aa2“, „Aa3“ für „starke Zahlungsfähigkeit“ sowie in der nächsten Stufe „A1“, „A2“ und „A3“ für „gute Zahlungsfähigkeit“. Danach wird der erste Buchstabe durch ein „B“ ersetzt. Der «spekulative Bereich“ beginnt bei „Ba1“, die niedrigste Kategorie ist „E“.
Kritiker bemängeln, es bleibe oft unklar, welcher Anteil der Bonitätseinstufungen Mathematik und was Meinung ist. In der Finanzkrise kamen Ratingagenturen in die Schusslinie: In vielen Fällen behielten Unternehmen, die ein hohes Risiko trugen, zu lange ihre Topnoten. Sie wurden erst herabgestuft, als die Krise bereits akut war; Anlegern blieb keine Zeit zu reagieren. Daher ist es wenig ratsam, allein auf das Urteil von Moody's & Co zu vertrauen.
Manche Profis verlassen sich inzwischen stärker auf das Urteil eigener Analysten. Deren Meinung findet umso mehr Beachtung, wenn sie eine abweichendes Urteil zu den Ratingagenturen fällen. Privatanleger können überlegen, wenig transparente Marktsegmente über Fonds abzudecken, statt direkt in Anleihen zu investieren. So profitieren sie quasi indirekt vom Know-How weiterer Experten.

Die Bonitätswächter griffen bei ihrer Analyse nur auf die öffentlich zugänglichen Firmendaten zurück. Schließlich bewerten die Experten nicht wie sonst im Auftrag des Unternehmens die Kreditqualität, sondern pickten sich die Firmen beispielhaft heraus. So vergeben die Analysten auch kein vollwertiges Rating mit genaueren Notenabstufungen wie „BBB+“, „BB–“ oder „B+“, sondern ordnen die Finanzkraft der Mittelständler nur grob in die Bereiche „BBB“, „BB“ oder „B“ ein. Bei einem „echten“ Ratingverfahren durchleuchten die Analysten das Unternehmen genauer und kämen womöglich zu anderen Ergebnissen.

Besonders spannend erscheint die S&P-Analyse im Vergleich zu den Einschätzungen der heimischen Ratingagenturen Creditreform und Euler Hermes. Diese gewannen bereits zahlreiche mittelständische Unternehmen als Kunden und kamen damit den Platzhirschen Moody’s, Fitch und S&P zuvor.

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Die Börsen Stuttgart, Frankfurt oder Düsseldorf etablierten eigene Handelssegmente für Anleihen mittelständischer Unternehmen. Die Firmen suchen seit der Finanzkrise zunehmend über diese Handelsplätze bei Privatanlegern und kleineren Investoren Kapital, statt sich bei den Hausbanken einen Kredit zu schlechten Konditionen aufzubürden.

Besonders zwischen den Bewertungen von Creditreform und S&P klaffen zum Teil weite Lücken. Während die Creditreform den Brennstofflieferanten German Pellets mit „BBB“ eine passable Bonität bescheinigt, stuft S&P den Konzern nur im Bereich „B“, also zwei Notenklassen schlechter ein. Genauso sieht es beim Landwirtschaftskonzern KTG Agrar aus. Dessen Rating überprüft die Creditreform derzeit aber.

Auch den Automobilzulieferer Mitec Automotive, den Solaranlagenprojektierer SAG Solarstrom und den Fußballverein Schalke 04 stuft die Creditreform im Bereich BB ein, S&P aber durchweg eine Klasse schlechter. Euler Hermes wiederum bewertet den Nutzfahrzeug-Zulieferer SAF Holland mit „BBB“, S&P sieht den Konzern dagegen in der Klasse „BB“. Mehr als die genannten Gesellschaften haben die Bonitätswächter nicht parallel bewertet. So hat der Vergleich nur den Charakter einer Stichprobe, er zeigt aber zumindest eine Tendenz auf.

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