Ex-Liebhaber bleibt in Haft: Die späte Rache der Susanne Klatten
Sie will wissen wo ihre Millionen sind: Deutschlands reichste Frau Susanne Klatten.
Foto: dpaEigentlich sollte er längst frei sein. Seine sechs Jahre Haft wegen Erpressung hatte der frühere Liebhaber von Deutschlands reichster Frau, Susanne Klatten, im Dezember 2013 abgesessen. Doch Helg Sgarbi hat bislang nicht preisgegeben, wo das Geld geblieben ist, das er sich von der Quandt-Erbin erschlichen hat. Einem Bericht des Spiegels zufolge muss Sgarbi deswegen länger in Haft bleiben.
Klatten hat demnach einen Haftbefehl gegen ihren früheren Liebhaber erwirkt. Sie verhinderte damit, dass der als „Gigolo-Erpresser“ bekannt gewordene Schweizer aus der Haft entlassen wurde. Eigentlich sollte Sgarbi am 12. Dezember 2013 freikommen.
Wie das Magazin weiter berichtet, hatte die 51 Jahre alte Klatten zuvor per Gerichtsvollzieher eine Vermögensauskunft von Sgarbi verlangt, um damit in Erfahrung zu bringen, wo das Geld ist, das er sich von ihr und zwei anderen Frauen erschlichen hatte.
Weil Sgarbi dazu nicht bereit war, erließ das Amtsgericht Landsberg am Lech auf Klattens Antrag Erzwingungshaft. Sollte Sgarbi weiter schweigen, muss er noch sechs Monate lang im Gefängnis bleiben. Zurzeit sitzt der 48-Jährige in der Haftanstalt Lörrach, von wo aus er eigentlich in die Schweiz abgeschoben werden sollte.
Susanne Klatten, Erbin der Industriellenfamilie Quandt, war 2007 bei intimen Treffen mit Helg Sgarbi in einem Münchner Hotel fotografiert und gefilmt worden, mit dem Material sollte die Milliardärin dann erpresst werden.
Der Schweizer war im Januar 2008 in Österreich festgenommen worden. Klatten, verheiratete Mutter dreier Kinder, hatte Strafanzeige erstattet, wie ein Sprecher Klattens damals bestätigte. Sie habe sich zu der Anzeige entschieden, weil sie erkannt habe, dass die Beziehung zu dem mutmaßlichen Erpresser einen ausschließlich kriminellen Hintergrund gehabt habe. Das Ziel sei von Anfang an gewesen, „sie zu betrügen und Geld zu erpressen“.
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ damals berichtete, war die damals 46-Jährige über Monate hinweg mit Filmen von ihren erotischen Zusammenkünften mit einem Schweizer Gigolo erpresst worden. Das Umfeld der Quandt-Familie habe bestätigt, dass es laufende Ermittlungen nach einer Anzeige von Klatten gegeben habe. Vorher seien 7,5 Millionen Euro an das Netz italienisch-schweizerischer Erpresser geflossen, das jedoch immer mehr Geld gefordert habe.
Sie war an die Öffentlichkeit gegangen – und gewann: Bei der Klage Susanne Klattens war der Hauptbeschuldigte am 9. März 2009 vom Landgericht München I wegen Betrugs und versuchter Erpressung zu einer Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Immerhin ein Teil des Geldes wurde sichergestellt.
Foto: apDeshalb ging Susanne Klatten (hier mit ihrem Ehemann Jan Klatten im Februar 2013) nun zum nächsten Schritt über und landete den nächsten Coup: Sie erzwingt nun, dass ihr Erpresse in Beugehaft bleiben muss.
Foto: dpaEin Teil des Erpressungsgeldes war nach der Festnahme gesichert worden, die Filme seien bislang nicht aufgetaucht. Die Erpressungen mit Bildern von gemeinsamen Begegnungen hätten im Herbst 2007 begonnen, sagte Klattens Sprecher der „BamS“ damals. Zunächst habe der Erpresser ein Darlehen über mehrere Millionen Euro gefordert, später habe er versucht, „eine weit höhere Summe zu erpressen“.
Außer Klatten sollen die Kriminellen mehrere Frauen um insgesamt 9,5 Millionen Euro betrogen haben. Der Schweizer Sgarbi hatte die Frauen in edlen Wellness-Hotels kennengelernt und Beziehungen mit ihnen begonnen.
2009 wurde Sgarbi dann des gewerbsmäßigen Betrugs und der versuchten gewerbsmäßigen Erpressung schuldig gesprochen. Klatten setzte vor Gericht durch, dass Sgarbi sieben Millionen Euro zurückzahlen musste, die er von ihr erschlichen hatte. Zum Verbleib des Geldes hatte sich Sgarbi im Prozess nicht geäußert, bisher konnte nur ein Bruchteil sicher gestellt werden. Somit ist auch die Rückzahlung bisher unvollständig.
Mit einem geschätzten Vermögen von mehr als 14,3 Milliarden Dollar rangiert Klatten unter den bestverdienenden und erfolgreichsten Wirtschaftsgrößen und gilt als reichste Frau Deutschlands. 2013 wurde sie vom Handelsblatt zur Aufsteigerin des Jahres gekürt.
Die Milliarden-Erbin ist auch eine der aktivsten Unternehmerinnen des Landes. Die 51-Jährige kontrolliert mit ihrem Bruder Stefan und ihrer Mutter Johanna Quandt fast die Hälfte des Autokonzerns BMW. Großaktionärin von BMW, an deren Wertpapieren sie zusammen mit Mutter Johanna und Bruder Stephan 46 Prozent hält. Klatten ist außerdem Hauptaktionärin des Altana-Konzerns.
Obwohl Klatten in München wohnt, ist die Tochter des Industriellen Herbert Quandt eine Preußin im besten Sinne. Früh musste sie mit dem Anspruch leben, eines Tages das Milliardenerbe ihres Vaters zu übernehmen, doch das schreckte sie nicht.
Akribisch bereitete sie sich darauf vor: Nach der Ausbildung zur Werbekauffrau studierte sie in England und in der Schweiz Betriebswirtschaft und machte schließlich unter dem Synonym Susanne Kant ein Praktikum bei BMW. Dort lernt sie ihren Ehemann Jan Klatten kennen, mit dem sie heute drei Kinder hat.