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Geistig verwirrt78-jähriger Todesschütze hat Tat geplant

Ein 78-Jähriger hat in einer Arztpraxis im westpfälzischen Weilerbach das Feuer eröffnet und zwei Ärzte getötet. Anschließend beging der Mann Selbstmord. Offenbar war der Täter geistig verwirrt und litt an Krebs. 06.03.2012 - 11:34 Uhr aktualisiert Artikel anhören

Polizei und Rettungskräfte am Tatort in Weilerbach (Pfalz).

Foto: dpa

Weilerbach. Der 78-jährige Todesschütze von Weilerbach in der Westpfalz war nach Einschätzungen der Polizei geistig verwirrt. Außerdem habe er seine tödlichen Schüsse auf zwei Ärzte und sich selbst geplant. Darauf deute eine Art Abschiedsbrief mit seinem letzten Willen hin, der im Haus des Mannes gefunden wurde, sagte ein Einsatzleiter der Polizei am Dienstag in Kaiserslautern. Der krebskranke Mann habe zudem ein kleines Waffenarsenal besessen. Fahnder fanden sechs Langwaffen und drei Pistolen bei dem Mann.

In dem handgeschriebenen Brief in der Wohnung des Mannes hieß es:„Mein Sohn soll alles regeln. Ich will kein Grab. Ich will verbrannt werden, aber ich will keine Urne. Es sollen keine Erinnerungen übrig bleiben“. Die Polizei bezeichnete den Täter als Sonderling. Er sei als „schwierig und zunehmend verwirrt“ bezeichnet worden, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Der Mann habe unter anderem Nachbarn beschuldigt, „ihn durch Geräte zu bestrahlen“. Der Staatsanwalt sprach von einer möglichen wahnhaften Persönlichkeitsstörung.

In der Praxis, in der die Schüsse fielen, war der Mann auch Patient. Bevor er die Waffe zog, hatte er sich noch angemeldet und ins Wartezimmer gesetzt, wie es weiter hieß. Im Behandlungszimmer habe er dann zunächst seinen Arzt und danach einen zur Hilfe eilenden zweiten Arzt erschossen. Den Polizeiangaben zufolge gibt es keinen Hinweis darauf, dass der an Krebs erkrankte Rentner seinen Ärzten Vorwürfe wegen seines Gesundheitszustands gemacht habe. Im Gegenteil habe er gerade mit seinem behandelnden Arzt ein gutes Verhältnis gepflegt.

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„Die erschossenen Ärzte waren Allgemeinmediziner, ihre Praxis ist eine Institution hier in Weilerbach“, sagte Bürgermeister Horst Bonhagen. Nach seinen Angaben waren zum Zeitpunkt der Schießerei weitere Patienten und Personal in der Praxis. „Sie werden nun von Notfallseelsorgern betreut“, sagte Bonhagen weiter. Eine 60 Jahre alte Arzthelferin wurde von einem Streifschuss verletzt.

Nach den Schüssen in der Gemeinschaftspraxis flüchtete der Täter noch vor dem Eintreffen der Polizei. Diese nahm die Verfolgung auf. Der Tatverdächtige schoss auf offener Straße auf die Beamten und verletzte dabei einen Polizisten durch einen Streifschuss leicht am Hals. Der Angeschossene wurde ins Krankenhaus gebracht, konnte die Klinik aber am Abend wieder verlassen.

Der 78-Jährige flüchtete anschließend in sein Haus, das von einem Spezialeinsatzkommando umstellt und gestürmt wurde. Dort wurde der Schütze tot aufgefunden. Die Bewohner der umliegenden Häuser wurden wegen der unklaren Lage zunächst in Sicherheit gebracht, konnten aber wenig später zurückkehren.

Der Bürgermeister zeigte sich fassungslos angesichts der furchtbaren Tat: „Weilerbach ist bestürzt und unter Schock.“ Die Nachricht von den Todesschüssen habe sich rasch in der rund 4.600 Einwohner zählenden Gemeinde herumgesprochen. Polizei und Feuerwehr sperrten während des Einsatzes das Gebiet weiträumig ab. Ein Hubschrauber kreiste über dem Ort.

Ein Nachbar versuchte sich an einer Erklärung. „Er war ein einsamer, alter Mann“, sagt er. Der 78-Jährige habe sich mit allen zerstritten: mit seiner Familie und den Bekannten in der Gemeinde. In der Nachbarschaft sei bekannt gewesen, dass er Mieter hatte, die er sehr schlecht behandelt habe. „Dann wollte niemand mehr etwas mit ihm zu tun haben.“

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Bei den Ärzten, die er erschoss, sei er in Behandlung gewesen. „Er war gehbehindert“, sagt der Nachbar. Er habe das Gerücht gehört, dass der alleinstehende 78-Jährige sich in der Gemeinschaftspraxis über die lange Wartezeit beschwert habe. Schließlich habe er geschossen.

Der Gedanke, dass der 78-Jährige bewaffnet in der Nachbarschaft unterwegs gewesen sei, mache ihm noch immer Angst, berichtet der Nachbar. Die Polizei habe ihn am Nachmittag mit ihrem Großeinsatz aufgeschreckt. „Ich kann's immer noch nicht fassen, wenn ich daran denke, dass er hier herumgegangen ist mit einer Pistole in der Tasche“, so der Nachbar.

Die US-Armee hatte ihre in Kaiserslautern stationierten Soldaten über den Kurznachrichtendienst Twitter vor dem bewaffneten Täter gewarnt. Die Polizei hat für Dienstagvormittag (10 Uhr) im Polizeipräsidium Kaiserslautern eine Pressekonferenz mit der Staatsanwaltschaft angekündigt. Dann sollen nähere Details veröffentlicht werden.

dapd, dpa, afp
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