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Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg Bücher und Grafik: Das alles gibt es im Netz

Die Messen für Bücher und Kunst auf Papier finden diesmal ausschließlich im Internet statt. Wer ein preiswertes Unikat erwerben will, muss schnell sein.
28.01.2021 - 10:55 Uhr Kommentieren
Das Plakat aus der Zeit um 1925 kostet 1200 Euro. Quelle: Antiquaria
Der Zirkus Knie wirbt mit einem gewärmten Zelt

Das Plakat aus der Zeit um 1925 kostet 1200 Euro.

(Foto: Antiquaria)

Wiesbaden Bücher über das Internet zu verkaufen ist heute Standard – und die Konkurrenz ist groß. Die beiden Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg mussten sich etwas einfallen lassen, da ihre Veranstaltungen zum gewohnten Termin Ende Januar nicht stattfinden können. Statt einer Verschiebung haben sich die Schwestermessen zu virtuellen Terminen entschlossen, die auf ähnliche Konzepte setzen. Auf einen gedruckten Katalog möchten beide nicht verzichten. Das unterscheidet die Antiquariats- von den Kunstmessen, deren Onlineausgaben bisher ausnahmslos rein digital geblieben sind.

Die Antiquaria Ludwigsburg möchte auch im virtuellen Raum eine persönliche Verbindung zwischen Ausstellern und Besuchern herstellen und versucht dies mit Porträtfotos. Das mag bieder oder banal erscheinen, ist aber in der ansonsten vorherrschenden gesichtslosen Anonymität des Internets ein sympathischer Zug. Der Onlinekatalog ist schon länger freigeschaltet, doch für die ursprüngliche Eröffnung am 28. Januar um 15 Uhr sollen weitere Offerten der 53 Aussteller freigeschaltet werden, um zumindest ein wenig „Buzz“ zu erzeugen.

Die nicht einfacher werdende Lage seiner Branche nimmt der Berliner Antiquar Armin Nassauer mit Humor. In die Liste mit seinen meist mehrbändigen Ausgaben, darunter die siebenteilige Frankfurter Ausgabe der Werke von James Joyce für 310 Euro, schmuggelt er den Einwurf: „Gibt’s doch alles im Netz? Bitte geben Sie diesen Katalog an jemand anderen weiter. Sofort!“ Man möchte mit ihm hoffen, dass auch diesseits der absoluten Raritäten das gedruckte Buch noch Freunde findet!

Ein älteres Objekt als die sumerische Tontafel, die Inlibris und Kotte Autographs für 5000 Euro anbieten, dürfte bei kaum einem Antiquariat zu finden sein: Auf die Zeit um 2300 vor Christus wird das Schriftstück datiert – in einer Expertise aus dem Jahr 1900.

Vor dem Kulturgutschutzgesetz müssen sich potenzielle Käufer also nicht fürchten. Der Inhalt des Textes ist so profan wie sakral, verzeichnet er doch die Einnahmen eines Tempels. Das teuerste Objekt des Katalogs ist ebenfalls hier zu finden: eine Urkunde des letzten Stauferkaisers Friedrich II. aus dem Jahr 1226 für 475.000 Euro.

Das Ziehbilderbuch hat Meggendorfer auf der Antiquaria für 1800 Euro im Angebot. Quelle: Antiquaria
Prinzessin Rosenhold

Das Ziehbilderbuch hat Meggendorfer auf der Antiquaria für 1800 Euro im Angebot.

(Foto: Antiquaria)

Messeorganisatorin Petra Bewer aus Stuttgart erinnert mit historischen Messe-, Festspiel- und Ausstellungsplakaten (150 bis 600 Euro) wehmütig an Zeiten, da persönliche Begegnungen selbstverständlich waren.

Die Stuttgarter Antiquariatsmesse, organisiert vom Verband Deutscher Antiquare, hat mit ihren 76 Teilnehmern bereits seit Herbst ein Präludium mit Lesungen und Gesprächen im Internet, die weiterhin abrufbar sind. Auch hier setzt der Veranstalter auf Öffnungszeiten, die an die reguläre Laufzeit angelehnt sind. Auf die Art dürfte zum Angebotsvolumen des Katalogs, das der Veranstalter auf elf Millionen Euro beziffert, noch einiges hinzukommen.

Für knapp ein Viertel dieser Summe ist der Eintrag von Jörn Günther aus Basel verantwortlich, der mit einer französischen „Vita Christi“ aus den Jahren 1506 bis 1508 von Ludolphus Carthusiensis für 2,2 Millionen Euro und einer Erstausgabe des „Theuerdank“-Romans von Kaiser Maximilian I. für 850.000 Euro aufwartet.

Pixi-Bücher für 380 Euro

In der gleichen Preisliga spielt Inlibris aus Wien, das beide Messen beschickt. In Stuttgart ist Andreas Vesalius“ Anatomie-Inkunabel „De humani corporis fabrica libri septem“ in der Basler Erstausgabe von 1543 zu 950.000 Euro das Prunkstück. Auf vergleichbar Prächtiges von Heribert Tenschert müssen Besucher leider verzichten, da er in diesem Jahr nicht dabei ist. Ebenfalls eine Fehlstelle ist auf beiden Messen das „Decamerone“ von Giovanni Boccaccio, das man in diesen Zeiten der Seuche doch eigentlich auf einer Buchmesse erwarten könnte.

Für das Homeschooling und die vergnügliche Beschäftigung aller wird jedoch einiges geboten. Etwa „Ein geschütteltes, geknütteltes Alphabet in Bildern mit Versen“ von Londa und Conrad Felixmüller in der Vorzugsausgabe für 3800 Euro bei Joachim Lührs in Ludwigsburg oder die ersten drei Pixi-Bücher für 380 Euro bei Winfried Geisenheimer in Stuttgart. Gibt’s alles im Netz! Und nächstes Jahr wieder im richtigen Leben.

Mehr: Bibliophile Kostbarkeiten: Stuttgart und Ludwigsburg locken Sammler mit seltenen Originalausgaben

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