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Asiatika-Auktionen in Mitteleuropa Der große Rausch ebbt ab

Bei Nagel, Koller und Lempertz bieten chinesische Sammler hohe Summen, aber nur bei wenigen Spitzenstücken. Chinas neue Geldpolitik könnte dies in Zukunft verhindern.
22.07.2021 - 09:15 Uhr Kommentieren
Trotz restauriertem Hals verzehnfachte der chinesische Käufer den Schätzpreis. Quelle: Lempertz
Drachenvase

Trotz restauriertem Hals verzehnfachte der chinesische Käufer den Schätzpreis.

(Foto: Lempertz)

München Die Asiatika-Auktionen in Mitteleuropa sind in dieser Saison überstrahlt von ein paar stattlichen Millionenzuschlägen. Nagel in Stuttgart erzielte für ein Bronzefigur der büffelköpfigen Gottheit „Vajrabhairava“ von 1473 stattliche 14.070.000 Euro. Alle Preise beinhalten das Aufgeld. Damit setzte Nagel einen schwer zu übertreffenden Rekord .

Das einstige Geburtstagsgeschenk für den Kaiser Chenghua ist das teuerste Kunstwerk, das je auf einer deutschen Auktion verkauft wurde. Der Zürcher Versteigerer Koller fuhr 2,4 Millionen Schweizer Franken für eine auf das Jahr 1957 datierte, getuschte Landschaft des modernen Traditionalisten Li Keran ein.

Christie‘s Paris gab für 2,9 Millionen Euro eine rare Holzstatue des „Guanyin“ aus dem 12./13. Jahrhundert in neue Hände. Und auch aus Kopenhagen kam ein Zuschlag, der verblüffte. Umgerechnet rund 6,2 Millionen Euro kostete dort bei Brun Rasmussen ein Drachenteller aus der Ming-Periode.

Chinas Millionäre steigerten bei diesen Stücken mit außergewöhnlicher Vehemenz. Alle Kunstwerke übertrafen ihre Taxen um ein Vielfaches. Doch das Ende dieser Rekordserie naht.

Nagels Asiatika-Experte Michael Trautmann sieht das starke Engagement auch im Zusammenhang mit der bevorstehenden schärferen Kontrolle von Geldflüssen durch die chinesische Zentralbank ab November 2021. Diese Information entnahm er kürzlich chinesischen Medien. „Das wird Auswirkungen auf den internationalen Kunsthandel in Europa haben“, sagt Michael Trautmann dem Handelsblatt.

Der büffelköpfige Buddha hat 34 Arme und 16 Beine. Er ist ein Auslöscher des Todes. Seine Gefährtin schlingt ihr linkes Bein um seine Taille. 14 Millionen und 70.000 Euro kostet den Sammler die 500 Jahre alte Buddha-Skulptur mit Aufgeld und Umsatzsteuer. Quelle: Nagel Auktion
Vajrabhairava

Der büffelköpfige Buddha hat 34 Arme und 16 Beine. Er ist ein Auslöscher des Todes. Seine Gefährtin schlingt ihr linkes Bein um seine Taille. 14 Millionen und 70.000 Euro kostet den Sammler die 500 Jahre alte Buddha-Skulptur mit Aufgeld und Umsatzsteuer.

(Foto: Nagel Auktion)

Auch der deutsche Fiskus ist betroffen, falls der Konsumwille chinesischer Milliardäre dadurch gebremst wird. Allein für jedes Aufgeld muss ein Auktionshaus in Deutschland 19 Prozent Mehrwertsteuer abführen. Der Sensationspreis von rund 14 Millionen Euro für die symbolbeladene Götterbronze zeigt das überdeutlich.

Grundlage des endgültigen Rechnungsbetrages ist der Hammerpreis von 9,5 Millionen Euro. Nagel schlägt ein Aufgeld von 24 Prozent dazu. Damit erhöht sich der zu zahlende Betrag um rund 2, 3 Millionen Euro auf 11,8 Millionen.

Der Käufer aus Hongkong plant, den „Vajrabhairava“ in seinem Domizil in Frankreich zu lassen. Da es sich um eine regelbesteuerte Einlieferung handelt, kommt auf die Gesamtsumme noch die Umsatzsteuer in Höhe von 2,2 Millionen Euro dazu. Das sind auch für deutsche Finanzämter willkommene Gelder.

Gefahr für den florierenden Asiatika-Markt in Europa droht aber nicht nur durch Chinas Geldpolitik. Sowohl bei Christie‘s und Artcurial als auch in den deutschsprachigen Häusern gibt es immer weniger Top-Stücke.

Bei Nagel machte der zweistellige Millionenzuschlag für die Bronze knapp 70 Prozent des Asiatika-Gesamtumsatzes in Höhe von 20,1 Millionen Euro aus. Nur zwei Mal stiegen in Stuttgart die Preise in den sechsstelligen Bereich. 133.000 Euro kostete eine Landschaft des 16. Jahrhunderts. Von taxierten 30.000 auf 186.000 Euro stieg eine 1946 entstandene Landschaftsansicht des hoch geschätzten Malers Lin Fengmian.

Religiöse Bronzen und Porzellane blieben durchweg im fünfstelligen Bereich. Eine gute Steigerung gelang mit einer große Drachen-Phönix-Vase. Von geschätzten 3000 Euro machte sie ein Sprung auf rund 60.000 Euro.

Eine Drachenvase war auch bei Lempertz der Favorit chinesischer Sammler. Trotz einer unübersehbaren Restaurierung am Hals der Porzellanvase verzehnfachte sich die Taxe für das aus dem 18. Jahrhundert entstandene Stück auf 300.000 Euro.

Gut die Hälfte der Lose aber wurde nicht verkauft. Laut Adrian Heindrichs aus Lempertz‘ Asiatika-Team setzte das Kölner Haus mit 450 verkauften Losen inklusive japanischer und koreanischer Kunst rund 2 Millionen Euro um.

Wie schon in früheren Auktionen hat sich Lempertz als Magnet für Netsuke-Sammler erwiesen. Einer dieser kleinen figürlichen Gürtelanhänger aus Japan in Form eines springenden Hasen reizte besonders. Das mit Joshitsugo signierte Stück wurde für 11.250 Euro weitergereicht.

Das extrem hochformatige Bild kam auf 2,4 Millionen Schweizer Franken (Ausschnitt). Quelle: Koller Auktionen 
Li Keran „Tusche-Landschaft“

Das extrem hochformatige Bild kam auf 2,4 Millionen Schweizer Franken (Ausschnitt).

(Foto: Koller Auktionen )

Koller in Zürich konnte neben der 2,4 Millionen Schweizer Franken teuren Tusche-Landschaft von Li Keran vor allem mit einem Thangka aus dem 20. Jahrhundert die Kauflust anfeuern. Das religiöse Meditationsbild mit der fast fotorealistischen Darstellung des 1933 verstorbenen 13. Dalai Lamas Thubten Gyatso machte einen Satz von taxierten 25.000 auf 511.000 Schweizer Franken.

Bis auf eine archaische Bronze, eine Weinkanne aus dem ersten Jahrtausend vor Christus, die einen Einsatz von 195.000 Schweizer Franken erforderte, blieben die Erlöse im fünfstelligen Bereich und darunter.

Koller teilte sein Gesamtergebnis dem Handelsblatt nicht mit. Aber auch das Resultat des Schweizer Versteigerers sähe ohne den Millionenzuschlag bedeutend bescheidener aus. Asiatika sind ein Markt der Spitzen geworden. Aber ist das noch ein Spitzenmarkt?

Mehr: Asiatika-Auktion bei Nagel: Verblüffung in Stuttgart: Nagel versteigert eine Buddha-Figur für 14 Millionen Euro

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