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Asiatika Nagel versteigert Geschenke der Kaiserin von China

Das Stuttgarter Auktionshaus Nagel bringt unter den Hammer, was Ruth und Friedrich Boss sammelten. Sie kam als Medizinerin ins Reich der Mitte, er als Manager.
12.11.2020 - 15:57 Uhr Kommentieren
Das Paar bedeutender Armlehnstühle aus der Sammlung Boss entstand im 17. Jahrhundert aus Huanghuali-Holz. Quelle: Nagel Auktionen
Aus Holz, das dem Kaiser vorbehalten war

Das Paar bedeutender Armlehnstühle aus der Sammlung Boss entstand im 17. Jahrhundert aus Huanghuali-Holz.

(Foto: Nagel Auktionen)

München Die enge Beziehung zu Chinas letzter Kaiserin macht die Sammlung Friedrich und Ruth Boss zu einem Angebot voller Trophäen. Das Stuttgarter Auktionshaus Nagel versteigert die Tranche am 8. Dezember.

Von 1911 bis 1938 lebte die deutsche Medizinerin mit ihrem Mann in China. Sie war Leibärztin der Kaiserin Gobulo Wanron. Wie nahe sich die opiumsüchtige Frau des Kaisers Puyi und die Deutsche standen, belegen nicht nur Grüße zum Jahreswechsel. So bekam Ruth Boss den auf 5000 bis 8000 Euro taxierten Weintisch aus dem 17./18. Jahrhundert im Jahr 1927 als Weihnachtsgeschenk überreicht, berichtet Nagels Asiatika-Experte Michael Trautmann dem Handelsblatt.

Aus dem Palast des nicht als glücklich eingeschätzten Herrscherpaares kam auch dieses Präsent: ein fein geschnitzter, hoher Stellschirm aus dem 17. Jahrhundert. Für das stilvolle Stück müssen nun mindestens 20.000 Euro investiert werden.

Ebenfalls aus der Hand der Kaiserin sollen ein kleines, etwa 300 Jahre altes Elfenbeinrelief mit der Darstellung der Göttin Guanyin und eines Knaben und ein Beistelltisch aus Huanghuali-Holz in die Sammlung gelangt sein. Dass Chinas potente Sammler auf den Plan treten, ist programmiert.

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    Reizvoll sind nicht nur Lose mit gesellschaftlichem Hintergrund. Aufgerufen werden rund einhundert Möbel, Textilien, tibetische Bronzen und Porzellane, die das Ehepaar während seines Aufenthalts im Reich der Mitte erwarb.

    Friedrich Boss war Manager der Pekinger Handelsvertretung Carlowitz & Co., die Rüstungsgeschäfte für Krupp abwickelte und auch in den Bau der Eisenbahn involviert war. Als Ruth und Friedrich Boss nach 27 Jahren zurückkehrten, lebte die Wohnkultur Chinas in ihrem Haus am Starnberger See fort. Davon zeugt das breite Möbelangebot.

    Im Alter von 16 Jahren heiratete Wanrong 1922 den chinesischen Kaiser Puyi. Eine ihrer vertrauten Ärztinnen war die deutsche Medizinerin Ruth Boss. Quelle: Nagel Auktionen/Familienarchiv des Einlieferers
    Kaiserin Gobulo Wanron

    Im Alter von 16 Jahren heiratete Wanrong 1922 den chinesischen Kaiser Puyi. Eine ihrer vertrauten Ärztinnen war die deutsche Medizinerin Ruth Boss.

    (Foto: Nagel Auktionen/Familienarchiv des Einlieferers)

    Eine Herkunft aus ursprünglich kaiserlichen Kreisen wird auch für das seltene, klar gestaltete Paar Armlehnstühle aus dem 17. Jahrhundert vermutet. Die Sitzmöbel in Form einer Beamtenmütze sind aus Huanghuali-Holz gefertigt, das ausschließlich für Mobiliar des Imperators vorgesehen war. Nagel kann sich durchaus einen höheren Erlös als die Schätzung von 20.000 bis 30.000 Euro vorstellen. Zu den Topstücken der Boss-Sammlung gehört zudem eine stattliche chinesische Bronzeskulptur der Guanyin mit einer Taxe von 40.000 bis 60.000 Euro.

    Die Summe der Schätzungen beläuft sich auf eine Million Euro. Die exakten Herkunftsnachweise der Lose ermöglichen seit Langem wieder eine Asiatika-Auktion im Stuttgarter Stammhaus. Wegen des Kulturgutschutzgesetzes und der erforderlichen strikten Einfuhrnachweise war Nagel die letzten Male auf Salzburg als Versteigerungsort ausgewichen.

    „Es ist ein qualitätvolles, vielversprechendes Angebot mit extrem niedrigen Schätzpreisen, und es kommt aus privaten Quellen“, sagt Trautmann. Er betreut die Asiatika im umstrukturierten Auktionshaus Nagel wieder, das so eine Insolvenz in letzter Minute abwenden konnte.

    An drei Dezembertagen werden insgesamt 1750 Lose aus China, Japan und Südostasien aufgerufen. Eines der Spitzenstücke ist eine seltene, mit Silber-, Stein- und Perlmutteinlagen dekorierte Stapeldose von circa 1600, die bis zu 100.000 Euro kosten könnte.

    Religiöse Bronzen aus Tibet

    Viele der religiösen Bronzen stammen aus der Sammlung des Aachener Mediziners Hermann Schröder, darunter auch die weiche Darstellung des Bodhisattva Padmapani, des Gottes des Mitgefühls. Die Taxe für das tibetanische Kunstwerk aus dem 13. Jahrhundert liegt bei 40.000 bis 60.000 Euro.

    Von einem Paar Drachenschalen aus der kaiserlichen Manufaktur verspricht sich Nagel großes Interesse. Bei Stücken mit der Yongzhen-Marke sei ein sechsstelliger Erlös nicht unmöglich, sagt Trautmann. Geschätzt sind sie auf moderate 20.000 bis 30.000 Euro.

    Mehr: Auktionshaus Nagel: Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung

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