Auktion bei Neumeister: Begeisterung für Venedig hebt den Preis
Die 84 cm breite Venedig-Vedute entstand 1849. Sie erzielte 26.000 Euro mit Aufgeld.
Foto: NeumeisterMünchen. Mit stimmungsvollen Ansichten von Venedig hat jedes Auktionshaus einen Trumpf im Ärmel. In Neumeisters Auktion mit Kunst und Antiquitäten vom 15. bis 21. Jahrhundert gehörte Ludwig Mecklenburgs Gemälde „Blick auf Santa Maria della Salute“ zu dieser Kategorie.
Von moderat taxierten 12.000 Euro stieg der Preis für die spätromantische, in glühendes Abendlicht getauchte Ansicht von ca. 1850 auf 26.000 Euro (alle Preise inklusive Aufgeld). Der Venedig-Bonus ist unübersehbar. Eine etwas größere Version des Motivs von der Hand des selben Münchner Architekturmalers erzielte erst im Mai im Dorotheum 102.000 Euro.
Neumeisters Stärke bleibt die alte Kunst. Voller Dynamik und Emotion hat Giovanni Domenico die übergriffige Szene um „Nessos und Deianeira“ mit Feder und Pinsel gezeichnet. Das brillante Blatt entstand wohl nach der Rückkehr Tiepolos aus Würzburg 1753 im Zuge einer Serie zu Zentauren. Der erzielte Preis von 31.200 Euro hat internationales Format.
Bei den Altmeistergemälden war das „Banketje“ des Niederländers Pieter de Ring gefragt. Das Barock-Stillleben kam auf 36.400 Euro. Das Sammlerinteresse an orientalistischen Szenen reflektiert mit 67.600 Euro Ferdinand Max Bredts Gemälde „Der Brautschmuck“ von 1908.
Kartographische Raritäten von 1692 und 1693 kamen mit dem „Atlas Nouveau“ sowie mit dem See-Atlas „Neptune Francois“ zum Aufruf. Beide Objekte sicherte sich ein Käufer aus New York für 32.500 respektive 97.500 Euro.
Die dramatische Zeichnung aus der Mitte des 18. Jahrhunderts wechselte für 31.200 Euro inkl. Aufgeld den Besitzer.
Foto: Neumeister„Noch offensichtlicher als sonst haben wir gespürt, dass kunsthistorisch wichtige Werke sehr gute Ergebnisse erzielen“, sagte Katrin Stoll, geschäftsführende Gesellschafterin des Hauses, im Gespräch mit dem Handelsblatt. Bei Objekten unterhalb dieser Qualität registrierte die Auktionatorin eine gewisse Zurückhaltung.
Weniger stark gefragt war das Angebot der Moderne und der Nachkriegskunst. Einen Auktionsrekord verbuchte Neumeister allerdings mit 41.600 Euro für das unterkühlte, manierierte Gemälde „Moonlight“ des Letten Normunds Braslins.
Bei der modernen Grafik steht die 1925 radierte „Espagnole à la mantille“ nach dem gleichnamigen Gemälde von Henri Matisse mit 15.600 Euro an der preislichen Spitze. Auflagenkunst von Gerhard Richter wie die Lichtdrucke „Schattenbild I“ und „Schattenbild II“ von 1968 verkauften sich für jeweils 20.800 Euro.
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