Auktion in London: Franz Marcs „Die Füchse“ zum Weltrekordpreis versteigert
Der Hammer für das ansprechende Bild fiel bei 37 Millionen Pfund. Mit Aufgeld macht das knapp 43 Millionen Pfund.
Foto: Christie's; Viktor SzymanowiczLondon. Das rotglühende Gemälde „Die Füchse“ des früh im Krieg getöteten Expressionisten Franz Marc hat enorme „Wallpower“. Um solche raren Bilder kämpfen Sammler aus aller Welt. Am Dienstagnachmittag fiel der Hammer für das ansprechende Tierbild bei 37 Millionen Pfund. Christie’s nimmt dafür mit Aufgeld knapp 43 Million Pfund ein.
Vier Bieter waren am Ende noch dabei. Ein wichtiger Kunde dürfte allerdings abgesagt haben. Ein Weltrekordpreis. Doch es scheint, als hätten die Beteiligten einen noch höheren Preis erwartet.
Schon vor der Versteigerung zeichnete sich trotz des Kriegs in der Ukraine ab, dass es den Weltrekord für Franz Marc neu kalibrieren könnte. Es hatte eine Garantie von dritter Seite und eine Schätzung von 35 Millionen Pfund. Der bisherige Marc-Auktionsrekord lag seit 2008 bei 12,3 Millionen Pfund, den die „Weidende Pferde III“ von 1910 bei Sotheby’s erzielt hatten.
Mit der Auktion „Dialog zwischen Schanghai und London“ umwirbt Christie’s vor allem den asiatischen Markt. Doch alle großen Moderne-Sammler der Welt dürften das Bild zumindest gesehen haben. Ein Werk in solcher Qualität von einem Künstler, der so wenig produziert hat, kommt kaum mehr auf den Markt und in eine öffentliche Auktion.
Die kubistisch gebrochenen „Füchse“ aus dem Jahr 1913 haben eine typisch deutsche Geschichte hinter sich. Aus dem Nachlass des 1916 tragisch im Krieg verstorbenen Malers kam es in die berühmte Galerie Herwarth Walden. Über Umwege gelangte es in den 1930er-Jahren in die Berliner Sammlung von Kurt Grawi und seiner Frau Else. Verfolgt von den Nationalsozialisten musste das jüdische Sammlerpaar das Werk verkaufen, um nach Chile emigrieren zu können.
1962 schenkte der Unternehmer Helmut Horten das Bild der Vorgängerinstitution des heutigen Museum Kunstpalast in Düsseldorf. Horten hatte das Bild durch Vermittlung des Berner Auktionshaus Kornfeld 1961 in Amerika gekauft. In Düsseldorf hing es 60 Jahre.
Die Grawi-Erben erhoben seit einigen Jahren Anspruch auf das Bild. Erst im Januar bestätigte die Stadt Düsseldorf die Restitution. Ein Versuch von Henrik Hanstein, dem Chef des Auktionshauses Lempertz, das Bild mittels einer anonymen Mäzenin für 30 Millionen Euro für Düsseldorf zu halten, scheiterte. „Die Füchse“ kamen in aller Eile nach London zu Christie’s und wurden sofort auf Welttournee nach Hongkong und New York geschickt.
Mit Erfolg. Denn die metaphysische Aufladung und Kraft der ineinander verschränkten Fuchskörper überragt die Idylle der „Weidenden Pferde III“ ganz klar. „Ein großer Verlust für Düsseldorf,“ sagte Henrik Hanstein dem Handelsblatt nach dem Zuschlag.
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