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Auktionen für Alte Kunst in London Ein kleiner Bär macht das Rennen

Eine winzige Zeichnung von Leonardo da Vinci krönt Christie's Auktionen mit herausragendem Kunstgewerbe und Altmeistern. Für Sotheby‘s ging die Rechnung nicht auf.
15.07.2021 - 11:31 Uhr Kommentieren
Die winzige Zeichnung eines Bärenkopfes hatte Christie's mit 8 bis 12 Millionen Pfund ehrgeizig geschätzt. Verkauft wurde es für 8,9 Millionen Pfund. Das Blatt kommt aus der „Leiden Sammlung“ von Thomas Kaplan. Quelle: imago images/i Images
Leonardo Da Vinci

Die winzige Zeichnung eines Bärenkopfes hatte Christie's mit 8 bis 12 Millionen Pfund ehrgeizig geschätzt. Verkauft wurde es für 8,9 Millionen Pfund. Das Blatt kommt aus der „Leiden Sammlung“ von Thomas Kaplan.

(Foto: imago images/i Images)

London Ein ausgezeichnetes Ergebnis für das Sammelgebiet Alte Kunst beendete vergangene Woche das erste Halbjahr im Auktionshaus Christie’s. Dies gibt Anlass zum Aufatmen im Kunstmarkt. Die Abendauktion Alter Meister in London brachte 45 Millionen Pfund ein, gefolgt von einem gleichfalls starken Ergebnis im sogenannten „Exceptional Sale“ mit Möbeln und Objekten, der 19,5 Millionen Pfund einspielte.

Dieser Umsatz reiht sich nahtlos in das erfreuliche Gesamtergebnis ein, das Christie’s diese Woche mit 2,5 Milliarden Pfund oder 3,5 Milliarden Dollar für Auktionen und Privatverkäufe veröffentlichte.

Der Exceptional Sale bestach mit dekorativen Objekten, die europäische Geschichte in Gold fassen. In diesem Sinne fanden gleich drei in Paaren angebotene Porzellanvasen großes Interesse. Ein Paar chinesischer Qianglong-Vasen mit einer französischen Montur in Goldbronze war auf 70.000 bis 100.000 Pfund geschätzt. Sammler aus Hongkong und Online-Bieter trieben das Porzellanset auf 682.500 Pfund hoch.

Insgesamt war das Interesse aus Asien, das sich vielfach in Online-Geboten bemerkbar machte, signifikant. Asiaten tragen mittlerweile 39 Prozent zum Gesamtumsatz in diesem Halbjahr bei.

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    Nicht ganz so glänzend, aber mit königlicher Geschichte verbunden, setzte ein silbernes Tintenfass aus dem Besitz von Charles I. den Auktionsweltrekord für Silber aus dem 17. Jahrhundert fest. Mit 1,9 Millionen Pfund wurde das lange im V&A Museum ausgestellte Objekt über der Taxe zum zweitteuersten Los der Auktion.

    Die Ansicht von Verona mit der Navi-Brücke von 1745 bis 1747 war zu optimistisch auf 12 bis 18 Millionen Pfund geschätzt. Die erzielten 10,6 Millionen Pfund sind dennoch ein Weltrekordpreis für den Maler. Quelle: Christie's
    Bernardo Bellotto

    Die Ansicht von Verona mit der Navi-Brücke von 1745 bis 1747 war zu optimistisch auf 12 bis 18 Millionen Pfund geschätzt. Die erzielten 10,6 Millionen Pfund sind dennoch ein Weltrekordpreis für den Maler.

    (Foto: Christie's)

    Es war jedoch eine winzige Zeichnung von Leonardo da Vinci, die diese Auktion „außergewöhnlich“ machte. Der nur 7 x 7 cm große Kopf eines Bären war mit stolzen 8 bis 12 Millionen Pfund angesetzt, verkauft wurde er für 8,9 Millionen Pfund. Auf Anfrage erklärte Christie’s, dass der Einlieferer, Thomas Kaplan von der „Leiden Sammlung“, darauf bestand, die Zeichnung in diese Auktion zu integrieren und nicht in eine Auktion nur mit Zeichnungen Alter Meister.

    Kaplans Rechnung ging auf. Das breite Angebot gab dem Kleinod den richtigen Kontext. Da die Auktion direkt vor der Abendauktion Alter Meister stattfand, meldeten sich genug Interessenten, die einen neuen Weltrekord für eine Zeichnung des Renaissance-Virtuosen etablierten.

    Das Interesse an hochqualitativen, seltenen Arbeiten mit interessanter Provenienz setzte sich in der starken Gemäldeauktion fort. Auch hier wurde eine gute Verkaufsrate von 78 Prozent erzielt.

    Präsenzauktionen sind weiterhin wichtig

    Der höchste Zuschlag des Abends galt Bernardo Bellottos Ansicht von Verona mit der Navi-Brücke, gemalt von 1745 bis 1747. Die seltene Ansicht mit der mittelalterlichen Brücke, die weitgehend von Deutschen im Zweiten Weltkrieg zerstört wurde, mittlerweile aber wiederaufgebaut ist, stellt eine willkommene Abwechslung zu den häufigeren Ansichten von Venedig dar. Die optimistisch auf 12 bis 18 Millionen Pfund geschätzte Stadtansicht verkaufte sich zwar nur für 10,6 Millionen Pfund. Sie erzielte dennoch einen Weltrekord für den Maler.

    Ein seltenes Heiligenporträt des Franzosen Georges de La Tour spielte 4,5 Millionen Pfund oder 5,2 Millionen Euro ein. Es übertrumpft den bisherigen Weltrekordpreis von 4,3 Millionen Euro, die eine Nachtansicht des Malers im Dezember 2020 bei Lempertz in Köln erzielte. Letztere kaufte der Louvre Abu Dhabi an.

    Ein Selbstporträt des Malers mit seiner Familie von der Hand des jungen Anton van Dyck erzielte das Doppelte der Schätzung und brachte 2,4 Millionen Pfund. Quelle: Sotheby's
    Cornelis de Vos

    Ein Selbstporträt des Malers mit seiner Familie von der Hand des jungen Anton van Dyck erzielte das Doppelte der Schätzung und brachte 2,4 Millionen Pfund.

    (Foto: Sotheby's)

    Dass holländische Kabinettbilder auch weiterhin gefragt sind, zeigte das starke Interesse an einem Interieur von Frans van Mieris. „Die Musikstunde“ brachte bei einer Schätzung von 700.000 bis 1 Millionen Pfund 3,5 Millionen Pfund ein. Hier war ein Bieter im Saal erfolgreich – ein Zeichen dafür, wie trotz der Relevanz der Internetgebote Präsenzauktionen weiterhin essenziell für den Markt sind.

    Kunstberater Benedikt Tomlinson resümiert: „Die Auktionen stimmen uns optimistisch, dass auch Sammler zeitgenössischer Kunst sich in der Zukunft den Alten Meistern zuwenden, und den viel besprochenen Trend zum gattungsübergreifenden Sammeln fortsetzen werden.

    Ein Flop war allerdings die am Abend zuvor stattfindende Auktion des Konkurrenten Sotheby’s. Hier verkauften sich nur 57 Prozent der angebotenen Werke, 21 der 49 angebotenen Arbeiten gingen zurück. Im Anschluss an die Auktion publizierte das Haus noch nicht einmal einen Pressebericht. Man will das Ergebnis wohl so schnell wie möglich vergessen.

    Problematisch wurde das große Mittelfeld im Angebot, das nicht auf Reisen ging und nicht bedeutend genug war, um mehrere Angebote auf sich zu ziehen. Vor allem eine Sammlung kleiner flämischer Kabinettbilder am Anfang der Auktion fand kaum Interesse. Das führte dazu, dass während der laufenden Auktion eine Arbeit von einem Einlieferer zurückgezogen wurde.

    Die Arbeiten aber, die verkauft wurden, erzielten allerdings gute Ergebnisse – ein Anzeichen, dass das Problem weniger am Markt als am Auktionshaus lag. Ein Porträt des Malers Cornelis de Vos mit seiner Familie von der Hand des jungen Anton van Dyck erzielte das Doppelte der Schätzung und brachte 2,4 Millionen Pfund.

    Eine Neuzuschreibung an Quinten Massys erzielte ebenfalls ein überzeugendes Ergebnis. Das Porträt eines Narren, 2017 bei Christie’s New York der flämischen Schule zugeschrieben und für bescheidene 34.000 Pfund verkauft hatte, verzehnfachte die jetzige Schätzung und brachte 523.000 Pfund.

    Ein Frühwerk von William Turner „Purfleet and the Essex Shore as seen from Long Reach“ war das letzte Los des Abends. Die 4,7 Millionen Pfund Erlös halfen Sotheby’s beträchtlich, das eher schwache Gesamtergebnis von 17,2 Millionen Pfund zu erzielen.

    Sotheby’s Experten Alex Bell und Edoardo Roberti begründen das schlechte Ergebnis mit den Auswirkungen der Pandemie, die Sammler nicht reisen lässt. Der erfahrene Händler Johnny van Haeften betont dem Handelsblatt gegenüber ebenfalls, dass wichtige europäische Händler nicht in London waren. Das jedoch erklärt nicht den Erfolg von Christie’s Auktion.

    Christie’s Strategie ging auf, sich eher im hochpreisigen Segment zu bewegen und wichtige, marktfrische Werke auf Tournee zu schicken. In Amsterdam, New York und Hongkong konnten die kaufwilligen Sammler und Händler vorbesichtigen, die nicht nach London reisen konnten. Sotheby’s indes hatte nicht genug Substanz im Angebot, um herausragende Werke nach Hongkong zu bringen, wo Christie’s mittlerweile zwei Altmeisterspezialisten positionieren konnte.

    Weiterhin betonte Sotheby’s, dass wichtige Werke schon in anderen Mischauktionen verkauft wurden – wie man sieht, kein kluger Schachzug. Van Haeften sieht das Ergebnis jedoch gelassen: „Mal ist ein Haus im Aufstieg, mal das andere“. Aber auch er betont, wie wichtig es ist, dass Alte Meister in Realität gesehen werden. Können Sammler und Händler nicht reisen, müssen es eben die Bilder tun.

    Mehr: Auktion bei Lempertz: Waschzeug für die Geliebte: Kunstgewerbliche Raritäten zum Angeben

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