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Auktionen in New YorkHochamt für Richter-Gemälde

Ein Tag, 60 Zuschläge, 276 Millionen Dollar Einnahmen: Erstmals lag Sotheby's mit zeitgenössischer Kunst fast gleichauf mit Marktführer Christie’s. Zu verdanken war das dem Nachlass eines New Yorker Financiers.Barbara Kutscher 25.11.2016 - 08:59 Uhr Artikel anhören

Gerhard Richters abstraktes Bild „A B, Still“ aus dem Besitz des New Yorker Financiers Steven Ames erzielte 34 Millionen Dollar.

Foto: Sotheby's

New York. Sotheby’s konnte die lange New Yorker Auktionswoche mit einem Preisfeuerwerk für zeitgenössische Kunst beenden. 60 Zuschläge spielten am 17. November 276,6 Millionen Dollar ein, die mitten in die Erwartung trafen und zum ersten Mal fast gleichauf mit Marktführer Christie’s zogen.

Das war in erster Linie dem Nachlass des im März verstorbenen New Yorker Financiers und prominenten Sammlers Steven Ames zu verdanken. Sotheby’s hatte ihn dem Konkurrenten Christie’s mit einer stattlichen Garantie von um 100 Millionen Dollar abgejagt. Die zahlte sich aus: In einer Abend- und einer Tagesauktion spielten die 80 Ames-Lose 131,3 Millionen Dollar ein. Nur zwei Bilder wurden nicht verkauft.

Ames, mütterlicherseits mit der prominenten amerikanischen Sammlerfamilie Annenberg verwandt, hatte gemeinsam mit seiner Frau Ann seit Mitte der 1980er-Jahre junge amerikanische und europäische Maler gesammelt. Bis zuletzt investierten sie in nachwachsende Talente wie etwa Ryan Sullivan (33). Auch einige Deutsche, darunter Baselitz und Kiefer, waren dabei, aber besonders faszinierte Gerhard Richter, von dem allein am Abend sieben Werke verschiedener Perioden zur Auswahl standen.
Anfängliche Bedenken, ob der Markt so viele hochpreisige Richter-Werke überhaupt absorbieren könnte, erwiesen sich als grundlos. Seine im Jahr 2011 begonnene Hausse wurde noch nicht ausgebremst. Vor allem monumentale Abstraktionen in Rakeltechnik, deren Attraktivität Sotheby’s Experte Alex Branczik mit „etwas sehr Elementarem und Emotionalem“ begründet, sind weiterhin global begehrt.

Unter den beiden mit über 20 Millionen Dollar angesetzten Herzstücken der Sammlung wurde das rotlastige „A B, Still“ (612–4) von 1986, das Ames vor 25 Jahren bei Sotheby’s nur 264.000 Dollar gekostet hatte, zum Spitzenreiter des Abends. Zwei Telefonbieter bewarben sich bis zum Zuschlag bei knapp 34 Millionen Dollar. Der siegreiche europäische Sammler bot über Sotheby’s Münchener Repräsentanten Gallus Pesendorfer.

David Hockney's sechsteiliges Gemälde „Wolgate Woods“ wechselte für 11,9 Millionen Dollar den Besitzer.

Foto: Sotheby's

An die Händlerin Dominique Lévy ging dagegen zu 22,74 Millionen Dollar „A B, St. James“ (653–1) in dunkleren Farben aus dem Jahr 1988, von Ames im nächsten Jahr beim Londoner Händler Anthony d’Offay erworben. Es ist eines von fünf horizontalen Großformaten der Serie „The London Paintings“, zu denen Richter durch eine London-Reise inspiriert wurde, und das letzte in privater Hand.

Und auch die Konkurrenz bestätigte Richters Anziehungskraft. Christie’s Abstraktion (809–2) aus dem Jahr 1994 mit Eric-Clapton-Provenienz brachte schätzungsgemäße 22,1 Millionen Dollar, und auch Phillips’ figurativer „Düsenjäger“ des Microsoft-Mitgründers Paul Allen ging trotz geringen Interesses zu immerhin 25,6 Millionen Dollar brutto an ein Telefon. Die Taxe hatte hier zwischen 25 und 35 Millionen Dollar gelegen.

Neuer Rekord für späten Hockney

Willem de Kooning gehörte ebenfalls zu den breit gesammelten Lieblingen der Ames, seine abstrakte Long-Island-Landschaft „Untitled“ in gleißenden sonnigen Farben aus den begehrtesten Jahren 1976/77 erzielte den mittleren Schätzwert von 10,4 Millionen Dollar. Vor 1999 hing sie als eine der Attraktionen in Steve Wynns Bellagio Gallery of Fine Art in Las Vegas.

Die restlichen 38 Lose des Abends aus unterschiedlichen Quellen schlugen sich gleichfalls gut. Einen seltenen Rekord gab es für David Hockney. Sein Markt hinkt etwas hinterher, aber die im Frühjahr 2017 anstehende Tate-Retrospektive für diesen einflussreichen britischen Künstler wird das sicher ändern. Jetzt zog seine aus sechs Teilen komponierte, riesige herbstliche Waldlandschaft „Wolgate Woods, 24, 25 and 26 October 2006“ auf 11,7 Millionen Dollar.

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Zu den am längsten umworbenen Losen gehörte Frank Stellas monumentales Quadrat in Schwarz, Weiß und Grau, „Pratfall“ von 1974, das gerade in seiner erfolgreichen New Yorker Retrospektive im Whitney Museum gefeiert worden war. Über die letzten 20 Jahre hatte es vier sehr erfolgreiche Auktionsauftritte, zuletzt 2013 bei 2,9 Millionen Dollar. Der damalige Käufer und jetzige Einlieferer machte mit fast neun Millionen Dollar einen schönen Schnitt.

An die angereiste internationale Käuferschar war die am 16. November nachmittags klug eingeschobene Verteilung von 28 späten Metallskulpturen des italo-amerikanischen Möbeldesigners und Bildhauers Harry Bertoia (1915- 1978) adressiert. In einem bisher überwiegend von Amerikanern getragenen Markt spielten 25 Lose sehr starke 3,6 Millionen Dollar ein. Die Arbeiten, viele ungewöhnliche große Außenskulpturen, kamen marktfrisch aus dem Nachlass des Osloer Kunsthändlers Kaare Berntsen, eines engen Freundes und Förderers des immens produktiven Bertoia. Ein über einen Meter hoher „Monumental Bush“ verdoppelte mit 516.000 Dollar seine untere Erwartung. Ansonsten waren Klangskulpturen sehr gefragt. Da setzte die 16-teilige, über zwei Meter hohe „Monumental Sonambient“ einen neuen Bestpreis bei 492.500 Dollar. Ihr Schätzpreis hatte bei lediglich 100.000 bis 150.000 Dollar gelegen.

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