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Auktionen in New YorkNeues Interesse an Alter Kunst bei Sotheby's und Christie's

Sotheby‘s und Christie‘s realisieren in New York hohe Preise für Gemälde aus der Barockzeit. Neu ist, ihren Absatz zu garantieren.Barbara Kutscher 02.02.2023 - 09:03 Uhr Artikel anhören

Zwei Bieter hoben die Studie auf 3,07 Millionen Dollar mit Aufgeld. Van Dyck verwandte die Figur in seinem Ölbild „Heiliger Hieronymus”, heute im Museum Boijmans in Rotterdam.

Foto: Sotheby's

New York. Wer hätte vor etwa zwanzig Jahren für möglich gehalten, dass ein damals völlig verschmutzt in einer Scheune im ländlichen New York entdecktes Gemälde bei den New Yorker Altmeisterauktionen einen Starauftritt haben könnte? Ein lokaler Sammler hatte damals den richtigen Riecher und zahlte einem Provinzauktionshaus für den ausgemergelten nackten Alten 600 Dollar.

Auch nach der behutsamen Restaurierung ist das Bild heute keine strahlende Schönheit; Spuren der unsachgemäßen Lagerung sind gut sichtbar. Aber Details wie der feine graue Bart und das in subtilen Schattierungen festgehaltene Inkarnat überzeugten auch Experten.

Heute gilt die Studie als etwa 1615 bis 1617 entstandenes Werk des jungen Anthony van Dyck, der damals eng mit Peter Paul Rubens in Antwerpen zusammenarbeitete und die Figur in seinem Ölbild „Heiliger Hieronymus“ verwandte, heute im Museum Boijmans in Rotterdam. 

Eine nun von Sotheby’s angesetzte siebenstellige Taxe wurde am 26. Januar von zwei Bietern bestätigt, die das durch ein sogenanntes „unwiderrufliches Gebot“ bereits vorverkaufte Bild auf 3,07 Millionen Dollar mit Aufgeld hoben.

In der sehr gut bestückten New Yorker Altmeisterwoche konnten Christie’s und Sotheby’s allein in ihren fünf wichtigsten Live-Auktionen am 25. und 26. Januar Kunst zu beeindruckenden 150,3 Millionen Dollar brutto in den Markt schleusen. Christie’s zeigte nach sieben Jahren Abstinenz wieder Präsenz, nachdem die Alten Meister — auf der Suche nach neuen Kundenkreisen — 2016 in die „Classic Week“ im April verlegt worden waren, offenbar ohne überzeugenden Erfolg.

26,9 Millionen Dollar mit Aufgeld brachte das Spitzenlos der Woche: Rubens’ provozierend-grausige Darstellung, in der Salome das Haupt Johannes’ des Täufers empfängt.

Foto: Sotheby's

Beide Versteigerer offerierten prominente Sammlungen; aber unbestrittener Höhepunkt waren Sotheby’s zehn Barock-Gemälde von musealer Qualität. Über dreißig Jahre hatte sie der New Yorker Immobilienentwickler Mark Fisch, immer auf der Suche nach dem Besten und beraten von Keith Christiansen, dem einstigen Chefkurator der Abteilung European Paintings am Metropolitan Museum of Art, zusammengetragen.

Trotz der nicht immer leicht verdaulichen religiösen Thematik fanden sie sämtlich Abnehmer. Allerdings verfehlten die eingehämmerten 49,6 Millionen Dollar knapp die untere Erwartung. Hier war bei 26,9 Millionen Dollar mit Aufgeld auch das Spitzenlos der Woche zu finden: Rubens“ provozierend-grausige Darstellung, in der Salome das Haupt Johannes“ des Täufers empfängt.

Auktionen der „Masters Week“

Altmeister in New York: Sotheby's erste Leitauktion profitiert von neuen Sammlern

Unter den Käufern sind auch internationale Museen zu finden: Die National Gallery in London sicherte sich mit Hilfe ihres amerikanischen Freundeskreises Bernardo Cavallinos „Heiliger Bartholomaeus“ zu fast 4 Millionen Dollar; und das Nationalmuseum in Stockholm griff weit über der Taxe bei starken 945.000 Dollar zu. Es sicherte sich ein überraschend modern anmutendes Bildnis eines jungen Mannes aus dem Rembrandt-Umkreis, der über seinem offenen Buch eingeschlafen war. 

Das durchwachsene Angebot von Sotheby’s Auktion „Master Paintings I“ wurde dagegen kräftig ausgesiebt. 53 aufgerufene Lose fanden nur zu mageren 60,4 Prozent und 28,9 Millionen Dollar Abnehmer. Weit über Erwarten gut schnitt aber hier das Jünglingsporträt des Florentiner Manieristen Bronzino ab. Es schmückte seit dem Zweiten Weltkrieg verschiedene deutsche Ämter und wurde im Sommer 2021 an die New Yorker Erben der Münchner Sammlerin Ilse Hesselberger restituiert.

Das ehrgeizig taxierte, marktfrische Doppelporträt der Doña María Vicente Barruso Valdés und ihrer Mutter Doña Leonora Antonia (hier abgebildet) fiel zu 16,4 Millionen Dollar an den Garantiegeber.

Foto: Christie's Images Ltd. 2023

Mindestens fünf Bieter begeisterten sich über fünf Minuten lang für das vorzüglich erhaltene Gemälde von etwa 1520. Schließlich bewilligte ein Saalbieter den Rekordpreis von 10,7 Millionen Dollar. Der Erlös soll gemeinnützigen jüdischen Organisationen in New York zufließen. Insgesamt nahm Sotheby’s am 26. Januar für 50 Zuschlage 86,6 Millionen Dollar ein; die Bieter kamen aus 18 Nationen.

Am Rockefeller Center setzte Christie‘s sein Angebot an „Old Masters“ am 25. Januar immerhin zu 73,5 Prozent ab. 36 Zuschläge brachten 44,3 Millionen Dollar ein. Nicht überraschend führten hier Francisco José de Goyas ehrgeizig taxierte, marktfrische Porträts der Doña María Vicente Barruso Valdés und ihrer Mutter Doña Leonora Antonia, die bei wenig Konkurrenz zu 16,4 Millionen Dollar zum neuen Goya-Rekord an den Garantiegeber fielen.

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Schwierig, aber niveauvoll: Barockgemälde aus der Fisch Davidson-Sammlung

Unerwartet günstig wurde dagegen ein Nachzügler aus der legendären Sammlung des Microsoft-Mitgründers Paul Allen weitergegeben, die im vergangenen November auch Preise für Altmeister in schwindelnde Höhen trieb. Jetzt konnte der Londoner Händler Edmondo di Robilant Canalettos Venedig-Ansicht mit Rialto-Brücke von Süden noch unter der Mindesterwartung zu 2,7 Millionen Dollar inklusive Aufgeld gewinnen. 

Wieder einmal zeigte sich: Dieser gut informierte Markt belohnt nur sehr gute Qualität und Raritäten mit starken Preisen. Aber immer häufiger wird auch hier das Finanzinstrument des ‚unwiderruflichen Gebotes‘ eingesetzt. Vor Beginn der Auktionen hatte man immerhin für 25 Werke bereits Käufer verpflichtet.

Vor allem die gegenüber dem Einlieferer garantierte Sammlung Fisch, die durch einen Scheidungskrieg versteigert werden musste, glich mit sieben von zehn vorverkauften Werken dem bisher vor allem bei Zeitgenossen und Moderne gepflegtem öffentlich ausgetragenen Privatverkauf. 

Auktion in New York

Rekordzuschlag für ein Renaissance-Porträt

Christie’s sicherte sich darüber hinaus am 25. Januar die Aufmerksamkeit durch einen bewährten Griff in die Auktions-Trickkiste: die 76 vom Finanzier und Vielkäufer Jacob („Jacqui“) E. Safra eingelieferten Werke wurden ohne Reserven aufgerufen. Safra hatte überwiegend in den 1990er-Jahren angeschafft und vieles sofort ins Kunstlager abgeschoben.

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Dass keines der Gemälde gereinigt worden war, sehen Händler heute als Plus. Christie’s Angebot wurde zwar zu 100 Prozent weitergegeben, aber auch hier verfehlten die insgesamt eingehämmerten 18,5 Millionen Dollar (mit Aufgeld) die Erwartung.

Händler begeisterten sich jedoch über das Toplos: 139 in ein Album gebundene, wunderbar frisch erhaltene Vorzeichnungen des berühmten Tiermalers Jean-Baptiste Oudry für sechs Bücher von La Fontaines „Fabeln“. Bei 2,7 Millionen Dollar mit Aufgeld bestätigte das Werk die obere Erwartung und setzte gleichzeitig den höchsten Preis der Safra-Auktion. Immer noch sehr günstig, rechnen Händler vor, denn einzelne Blätter können bis zu 60.000 Dollar einbringen. Bleibt nur zu hoffen, dass dieser Band intakt überleben wird.

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